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Epidemien und Pandemien: Wie können sich Unter­nehmen versichern?

Das Wichtigste in Kürze
  • Bei Epidemien oder Pandemien gilt es für Unternehmen, das An­steckungs­risiko zu mindern sowie im Ernstfall die wirt­schaft­lichen Verluste abzufangen.
  • Firmen und Betriebe sollten dafür in jedem Fall einen betrieblichen Pandemieplan aufstellen.
  • Eine Be­triebs­schließungs­ver­sicherung leistet zuverlässig bei einer behörd­lich angeordneten Schließung aufgrund von Infektions­gefahr.
  • Die Betriebsausfallversicherung schützt den Betrieb nur, wenn der Inhaber ausfällt.
  • Selbständige und Unternehmer sollten darauf achten, eine private Krankentagegeldversicherung für den Fall einer Arbeitsunfähigkeit abzuschließen.

Wie können sich Unter­nehmen bei Epidemien und Pandemien schützen?

Die SARS-Epidemie in 2003, die Schweinegrippe-Pandemie H1N1 in 2009 oder die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in 2020: Notstände, die nicht nur die eigene Gesundheit betreffen. Nicht selten haben solch immense Krankheitswellen auch Einfluss auf die Wirtschaft. Die An­steckungs­gefahr und der Krankenstand unter den Mitarbeitern steigt. Ist die Gefahr für die Be­völkerung so groß, dass Betriebe geschlossen werden müssen, finden sich Unternehmen in großen Schwierigkeiten wieder. Damit dies nicht passiert, können sich Firmen und Betriebe im Vorfeld über spezielle Versicherungen absichern und über einen Pandemie-Notfallplan auf den Ernstfall vorbereiten.


Epidemie und Pan­de­mie: Was ist der Unter­schied?

Eine Epidemie ist zeitlich und lokal begrenzt. Es handelt sich um eine Epidemie, wenn eine Krankheit sich in einer bestimmten Region und in einem begrenzten Zeitraum ungewöhnlich stark verbreitet.
Eine Pandemie ist eine Epidemie, die sich über die Grenzen von Regionen, Ländern oder Kontinenten hinaus ausbreitet. Eine Pandemie bricht häufig bei neuartigen Erkrankungen aus, da nur wenige Menschen immun sein können. Dadurch zeigt die Zahl der erkrankten Menschen sehr schnell sehr stark.
Eine Endemie besteht, wenn eine Krankheit regelmäßig und ständig auftritt. Oftmals ist eine Endemie ebenfalls örtlich begrenzt. Die Zahl der Erkrankten bleibt über die Zeit mehr oder weniger konstant. Ein Beispiel für eine Endemie ist die Malaria.
WHO entscheidet über Pandemie-Status

Die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organization, WHO) entscheidet darüber, ob eine Krankheitswelle als Pandemie gilt. Bis vor einigen Jahren gab es dafür ein 6-stufiges Pandemie-Warnsystem, welches besonders für die Gesundheitspolitik der Länder eine wichtige Rolle spielte. Dieses System wird heute nicht mehr genutzt.

Stattdessen wird die Pandemie von der WHO offiziell ausgerufen. Davor kommt es zur Erklärung des internationalen Gesundheitsnotstandes, der Public Health Emergency of International Concern (PHEIC). Für das neuartige Coronavirus wurde dieser Notstand am 30.01.2020 ausgerufen, wenige Wochen nach dem ersten Auftreten des Virus. Am 11.03.2020 folgte die offizielle Einstufung von Covid-19 als Pandemie.

Was es beim Coronavirus und Ihren Versicherungen zu beachten gibt, erfahren Sie hier:

Coronavirus & Versicherungen: FAQ


Pandemie-Notfallplan für Unternehmen

Als ersten Schritt – und idealerweise bevor eine Epidemie oder Pandemie ausbricht – sollten Unternehmen einen Notfallplan aufstellen. Laut dem Robert-Koch-Institut dient ein betrieblicher Pandemieplan zur:

  • “Minimierung des Infektionsrisikos am Arbeitsplatz,
  • Aufrechterhaltung der Betriebsabläufe, soweit dies möglich ist,
  • Erhalt der betrieblichen Infrastruktur,
  • Begrenzung des wirtschaftlichen Schadens und
  • Aufrechterhaltung der für die Versorgung der Bevölkerung wichtigen Produktionen bzw. Funktionen”.

Sprich: Wie kann das Unternehmen im Falle der Abwesenheit einer erheblichen Anzahl von Mitarbeitern und bei gravierenden Auswirkungen auf die Volkswirtschaft weiter bestehen?

Diese Regelungen sollte ein be­trieblicher Pandemieplan enthalten

  • Hygienepflichten am Arbeitsplatz: häufiges Händewaschen, Nutzen von Des­infektions­mitteln, Einzelbüros statt Großraumbüro, keine Nutzung von gemeinsamen Pausenräumen
  • Personalplanung: Erstellung von Not­fall­einsatzplänen, essentielle Geschäfts­prozesse und Schlüssel­personal festlegen, Weisungs­recht für bestimmte Mitarbeiter und bestimmte Aufgaben regeln
  • Arbeitszeit und -lage: Verlängerung oder Verkürzung der Arbeitszeit von bestimmten Mitarbeitern, Verweisung auf Home Office statt Büroräume
  • Dienstreisen: Unverzichtbare Dienstreisen festlegen, verzichtbare Dienstreisen durch technische Kommunikation ersetzen, bereits entsandte Mitarbeiter zurückholen (unbedingt Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes berücksichtigen)
  • Im Krankheitsfall oder bei Be­triebs­schlie­ßung: Lohnfortzahlung bei Erkrankung, Einsatz von Fremdpersonal, bezahlte Freistellung oder Beurlaubung
  • Verantwortlichen festlegen: beispielsweise Pandemie-Koordinator oder Pandemie-Krisenstab bestehend aus Geschäftsführung, Betriebsrat, Betriebsarzt oder Personal­abteilung
  • Mitarbeiter über Regelungen des Notfallplans unterrichten

Weitere Informationen zu Betriebsvereinbarungen zur Pandemiebekämpfung finden Sie bei der Hans-Böckler-Stiftung (2009), beim Robert-Koch-Institut (ab Seite 44, 2017) oder beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz (2010).

Arbeitgeber bzw. Betriebsrat sind verantwortlich
Nach dem Arbeitsschutzgesetz ist der Arbeitgeber dafür verantwortlich, nötige Maßnahmen zu treffen, um seinen Betrieb und vor allem die Gesundheit und Sicherheit seiner Mitarbeiter zu schützen. Die Aufstellung und Durchführung eines Pandemie-Notfallplans liegt damit im Aufgabenbereich des Arbeitgebers oder des Betriebsrates. Das Ganze sollte als Betriebsvereinbarung aufgestellt und zudem regelmäßig geprüft und ggf. aktualisiert werden.

Welche Versicherungen können Unternehmen abschließen?

Eine Betriebsschließungsversicherung ist die einzige Sachpolice, die Unternehmen bei einer Epidemie oder Pandemie hilfreich ist. Die Police versichert die Kosten von wirtschaftlichen Folgen einer Schließung des Betriebes wegen Infektionsgefahr. Die Versicherung leistet, wenn die zuständige Behörde aufgrund des In­fektions­schutz­gesetzes beim Auftreten von bestimmten Krankheiten, Krank­heits­erregern oder dem Verdacht darauf den Betrieb schließt oder ein Tätigkeitsverbot verhängt.

Gründe können sein:

  • Zur Verhinderung der Verbreitung der Krankheiten
  • Desinfektion der Betriebsräume oder von Waren und Vorräten, wenn anzunehmen ist, dass diese mit Krankheitserregern behaftet sind
  • Erkrankung, Infektion oder An­steckungs­verdacht der beschäftigten Personen

Welche Krankheiten oder Krank­heits­er­reger als Auslöser und Leistungs­grund zählen, ist in den Ver­trags­bedingungen festgehalten bzw. namentlich genannt. Auch ausgeschlossene Krankheiten können aufgezählt werden. Dabei stützen sich Versicherer entweder allgemein oder spezifisch auf die Para­graphen 6 und 7 des In­fektions­schutz­gesetzes.

Im Leistungsfall erstattet der Versicherer u. a. folgende Kosten:

  • Kosten zur Abwendung oder Minderung des Schadens
  • Entgehende Gewinne und fortlaufende Kosten, in der Regel in Höhe einer vereinbarten Tagesentschädigung bis zur vereinbarten Dauer
  • Warenschäden infolge behördlich angeordneter Entseuchung
  • Desinfektionskosten
  • Gehälter für Personen mit Tätig­keits­verbot oder für Ersatzkräfte (meist begrenzt auf 6 Wochen)
  • Eine solche Betriebsschließungsversicherung kann u. a. von Hotelbetrieben, Restaurants, Kiosken, Einzelhandelsbetrieben und Bürobetrieben abgeschlossen werden.

Eine Betriebsunterbrechungsversicherung leistet grundlegend nur, wenn der Betrieb aufgrund eines Sachschadens durch Feuer, Leitungswasser, Sturm/Hagel oder Ein­bruch­diebstahl schließen muss. Dahingehend schützt eine normale Police nicht bei Epidemien oder Pandemien.

Haben Betriebe dagegen den die Person des Inhabers des Unternehmens in den Versicherungsschutz eingeschlossen, dann sieht der Versicherungsschutz schon umfassender aus. Für bestimmte Betriebe, wie Arztpraxen oder Anwaltskanzleien, kann eine Vereinbarung getroffen werden, die den Inhaber des Unternehmens betrifft. So leistet der Versicherer, wenn dieser wegen Krankheit, Unfall oder angeordneter Quarantäne ausfällt und der Betrieb ohne diesen nicht weiterarbeiten kann. Solche Policen werden auch unter dem Namen Praxisausfall- bzw. Betriebs­ausfall­versicherung geführt.


Private Absicherungen für den Inhaber sowie Selbständige

Als Selbständiger oder Freiberufler hat man grundsätzlich keinen Anspruch auf gesetzliches Krankengeld. Auch hat man keinen Arbeitgeber, der einem die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall leisten kann.

Für selbständig Tätige ist daher eine private Krankentagegeldversicherung essentiell, um die entgehenden wirtschaftlichen Verluste aufzufangen. Sie funktioniert analog zum gesetzlichen Krankengeld und zahlt dem Selbständigen einen Tagessatz, falls dieser an einer epidemischen oder pandemischen Krankheit erkrankt und dadurch arbeitsunfähig wird. Dies gilt auch, wenn er wegen Verdacht auf Infektion von den zuständigen Behörden in Quarantäne geschickt wird.

Vor allem für selbständige Ärzte, Zahnärzte und andere Berufe im medizinischen Bereich ist eine private Berufs­unfähig­keits­versicherung an dieser Stelle interessant. Für Berufe im Heilwesen wird oftmals die Infektionsklausel eingeschlossen. Diese besagt, dass man auch als berufsunfähig gilt, wenn aufgrund behördlicher Verordnungen bzw. dem Infektionsschutzgesetz die Ausübung der beruflichen Tätigkeit untersagt wird. Wird dies bei einer Epidemie oder Pandemie angeordnet, erhält der Versicherte die Berufsunfähigkeitsrente. Voraussetzung ist, dass diese Situation für mind. 6 aufeinanderfolgende Monate anhält.

Wird der Versicherte aufgrund der Erkrankung tatsächlich berufsunfähig, bekommt er auch die Berufs­unfähig­keits­rente ausgezahlt.


Fazit

Egal, ob das Risiko einer Infektionskrankheit akut ist oder nicht: Unternehmen sollten einen Notfallplan für eine Pandemie frühzeitig aufstellen. Wichtige Fragen dabei sind unter anderem:

  • Welche Maßnahmen kann ich als Arbeitgeber ergreifen, damit meine Mitarbeiter gesundheitlich geschützt sind?
  • Was sind die wichtigsten Geschäftsprozesse und welche Mitarbeiter sind darin involviert? Was kann ich tun, wenn diese ausfallen?
  • Wie kann ich meinen Betrieb am Laufen halten?
  • Welcher Versicherungsschutz kommt für die Firma in Frage, um sie im Falle einer behördlich angeordneten Betriebsschließung oder einem Tätigkeitsverbot abzusichern?

Firmen mit dezentraler Struktur haben es in einem solchen Fall etwas leichter. Unternehmen, die nicht auf Kundenkontakt angewiesen sind und grund­sätzlich nur internetfähige Rechner und eine dezentrale Telefonanlage benötigen, können ihre Mitarbeiter ins Home Office schicken. Produ­zierende Betriebe sowie Industrie- und Einzelhandelsbetriebe sollten sich frühzeitig umfassend absichern.


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