Private Pflege­versicherung Pro und Contra: Was spricht dafür, was dagegen?

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Was für und was gegen eine private Pflege­versicherung spricht, allgemein und für jede Art, damit Sie Nutzen und Kosten abwägen können.

Inhalt dieser Seite
  1. Was spricht für und was gegen eine private Pflege­­versicherung?
  2. Was spricht für eine private Pflege­­versicherung?
  3. Was spricht gegen eine private Pflege­­versicherung?
  4. Welche Vor- und Nachteile haben die einzelnen Arten?
  5. Für wen überwiegen die Vorteile?
  6. Häufige Fragen (FAQ)

Das Wichtigste in Kürze

  • Größter Vorteil: Eine private Pflegezusatz­versicherung schließt die Lücke der gesetzlichen Pflege­versicherung, im Heim im ersten Jahr im Schnitt 3.364 € im Monat.
  • Größter Nachteil: Sie zahlen über viele Jahre Beiträge, und ohne Pflegefall gibt es meist kein Geld zurück.
  • Je Art verschieden: Pflegetagegeld ist am flexibelsten, Pflegekosten etwas günstiger, Pflegerente am teuersten, Pflege-Bahr ohne Gesundheitsprüfung.
  • Spät wird es schwer: Mit dem Alter steigen Beitrag und Ablehnungsrisiko wegen Vor­erkrankungen.
Holger Rasch

Befragte einer Allensbach-Umfrage schätzten den Beitrag für eine gute Pflegeabsicherung auf rund 270 Euro…

… und lagen damit weit über dem, was ein früher Abschluss tatsächlich kostet. Für 2.000 Euro Monatsleistung zahlen 25-Jährige 38 bis 61 Euro im Monat, 45-Jährige 78 bis 130 Euro. Ein echter Nachteil bleibt trotzdem: Werden Sie nie pflegebedürftig, haben Sie über Jahrzehnte gezahlt, ohne Geld zurückzubekommen. Dem steht eine Lücke gegenüber, die Erspartes schnell aufzehrt, denn zwei Jahre im Pflegeheim kosten beim durchschnittlichen Eigenanteil 76.980 Euro. Ob Vorteile oder Nachteile überwiegen, hängt von Alter, Vermögen und Gesundheit ab. Wir wägen alle Argumente einzeln ab, zeigen die Stärken und Schwächen von Pflegetagegeld, Pflegekosten, Pflegerente und Pflege-Bahr und schätzen ein, für wen sich der Vertrag lohnt.

Was spricht für und was gegen eine private Pflege­versicherung?

Für eine private Pflege­versicherung spricht vor allem, dass sie die Lücke zwischen den festen Leistungen der Pflege­versicherung und den tatsächlichen Kosten schließt und so Ihr Vermögen schützt. Dagegen sprechen die laufenden Beiträge, die Gesundheitsprüfung und dass Sie ohne Pflegefall meist nichts zurückbekommen.

Private Pflege­versicherung im Allgemeinen: Pro und Contra

Die Tabelle stellt die wichtigsten Argumente gegenüber. Welche davon für Sie schwerer wiegen, hängt von Ihrem Alter, Ihrem Vermögen und Ihrer Gesundheit ab. Die Details zu jedem Punkt folgen in den nächsten Kapiteln, danach die Vor- und Nachteile von Pflegetagegeld, Pflegekosten, Pflegerente und Pflege-Bahr.

ProContra
Schließt die Lücke zur gesetzlichen Pflege­versicherungZusätzlicher Beitrag über viele Jahre
Schützt Ihr Vermögen und entlastet AngehörigeKein Geld zurück, wenn Sie nie pflegebedürftig werden
Freie Wahl zwischen Angehörigen, Pflegedienst und HeimGesundheitsfragen, im Alter teuer oder nicht mehr möglich
Je nach Tarif Leistung schon ab Pflegegrad 1Beiträge können steigen
Große Auswahl an Anbietern und TarifenÜberflüssig bei hohem eigenem Vermögen

Ob sich der Vertrag für Sie persönlich lohnt, beantworten wir je Lebenslage auf der Seite Ist eine private Pflege­versicherung sinnvoll?. Dort finden Sie auch, wie groß die Pflegelücke ist, wie wahrscheinlich Pflege in Ihrem Alter wird und wann Sie auf den Vertrag besser verzichten.


Gesetzliche Pflege­versicherung: Pro und Contra

Die gesetzliche Pflege­versicherung ist eine Pflicht­versicherung: Gesetzlich Krankenversicherte sind in der sozialen Pflege­versicherung, privat Krankenversicherte in der privaten Pflegepflicht­versicherung. Beide zahlen gleich hohe, feste Leistungen je Pflegegrad (Quelle: Bundesgesundheitsministerium). Ihre Stärken bestimmen mit, wie viel eine Zusatz­versicherung leisten muss:

  • Pflicht für alle, niemand wird wegen Vor­erkrankungen abgelehnt
  • Kinder beitragsfrei mitversichert, in der sozialen Pflege­versicherung auch Ehepartner mit geringem Einkommen
  • Pflegegeld 2026 zwischen 347 und 990 Euro im Monat ab Pflegegrad 2
  • Zuschläge senken den Eigenanteil im Heim mit der Dauer des Aufenthalts

Dem stehen deutliche Schwächen gegenüber. Die Pflege­versicherung ist nur eine Teilabsicherung: Im Pflegeheim bleiben im ersten Jahr im Schnitt 3.364 Euro im Monat selbst zu zahlen (Quelle: vdek, Stand Juli 2026). Mehr dazu auf unserer Seite zur gesetzlichen Pflege­versicherung. Das spricht gegen sie als alleinigen Schutz:

  • Feste Beträge statt der tatsächlichen Kosten
  • In Pflegegrad 1 kein Pflegegeld, nur der Entlastungsbetrag von 131 Euro
  • Leistungsbeträge steigen nach geltendem Recht erst 2028 wieder
  • Keine Wahl von Leistungshöhe und Tarif

Was spricht für eine private Pflege­versicherung?

Vor allem die Pflegelücke. Eine private Pflege­versicherung zahlt dort, wo die gesetzlichen Leistungen enden, und schützt so Ihr Erspartes. Dazu kommen die freie Wahl der Pflege, Leistungen schon in niedrigen Pflegegraden und eine große Auswahl an Tarifen. Die wichtigsten Gründe im Einzelnen.

Pflegebedürftigkeit tritt immer häufiger ein

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt seit Jahren. Ende 2025 bezogen 6,43 Millionen Menschen Leistungen der sozialen oder privaten Pflege­versicherung, ein Jahr zuvor waren es 6,02 Millionen (Quelle: Bundesgesundheitsministerium). Von 2018 bis 2024 wuchs die Zahl der Leistungsempfänger laut Assekurata um 53 Prozent.

Besonders betroffen sind ältere Menschen und Frauen. Von den 2023 verstorbenen Versicherten der Barmer waren 78 Prozent irgendwann pflegebedürftig. Bei den Frauen lag der Anteil 2022 bei 88 Prozent, bei den Männern bei 62 Prozent (Quelle: Barmer Pflegereport 2024). Das Risiko betrifft also fast jeden, nur meist erst spät.


Schließt die Versorgungslücke

Die gesetzliche Pflege­versicherung zahlt feste Beträge je Pflegegrad, nicht die tatsächlichen Kosten. Im Pflegeheim bleibt im ersten Jahr ein Eigenanteil von durchschnittlich 3.364 Euro im Monat, davon 1.775 Euro für die Pflege, 1.068 Euro für Unterkunft und Verpflegung und 521 Euro Investitionskosten (Quelle: vdek, Stand 1. Juli 2026).

Bezahlen müssen Sie das aus gesetzlicher Rente, Betriebsrente, privater Altersvorsorge oder aus Miet- und Kapitalerträgen. Reicht das nicht, geht es an das Ersparte. Eine private Pflege­versicherung schließt diese Lücke ganz oder teilweise. Wie groß sie in Ihrem Fall ausfällt, hängt davon ab, wie viel Einkommen Ihnen im Alter bleibt.


Schutz des eigenen Vermögens und der Angehörigen

Reichen die Leistungen nicht, müssen Pflegebedürftige ihr eigenes Vermögen einsetzen. Erst wenn es bis auf ein Schonvermögen, als Barbetrag 10.000 Euro je volljähriger Person, aufgebraucht ist, zahlt das Sozialamt. Kinder werden nur herangezogen, wenn ihr Jahreseinkommen über 100.000 Euro liegt (Quelle: § 94 SGB XII). Für Ehepartner gilt diese Grenze nicht.

Ende 2024 bezog gut jeder dritte Heimbewohner Hilfe zur Pflege vom Sozialamt, so das Bundesgesundheitsministerium. Mit einer privaten Pflege­versicherung bleibt Ihr Erspartes für Sie, Ihren Partner und Ihre Erben erhalten. Wann Angehörige für die Pflege zahlen müssen, lesen Sie auf unserer Seite zum Elternunterhalt.


Finanzierung professioneller Pflege

Ein Pflegetagegeld oder eine Pflegerente zahlt Ihnen frei verfügbares Geld, ohne Kostennachweis. Sie entscheiden selbst, ob Sie damit einen Pflegedienst, eine Haushaltshilfe, das Heim oder Ihre pflegenden Angehörigen bezahlen. Auch das gesetzliche Pflegegeld ist frei verwendbar, mit 347 bis 990 Euro im Monat reicht es für professionelle Pflege aber selten.


Leistungen bereits bei niedrigen Pflegegraden

In Pflegegrad 1 zahlt die gesetzliche Pflege­versicherung kein Pflegegeld, nur einen zweckgebundenen Entlastungsbetrag von 131 Euro im Monat (Quelle: § 45b SGB XI). Viele private Tarife leisten dagegen schon hier, meist zehn bis 20 Prozent des vereinbarten Tagegelds. Ob und wie viel, legt der Tarif fest. Achten Sie besonders auf die Leistung zu Hause in Pflegegrad 2 und 3.


Große Auswahl an Anbietern und Tarifen

Anders als bei der Pflicht­versicherung wählen Sie Art, Anbieter und Tarif selbst. Rund 4,1 Millionen Menschen hatten 2024 eine Pflegezusatz­versicherung (Quelle: PKV-Verband). In unserer Gesamtauswertung aus fünf Tests und der Beschwerdestatistik der BaFin liegt die Allianz mit 92 von 100 Punkten vorn, vor der R+V mit 85 Punkten.

Die Unterschiede zwischen den Tarifen sind groß, beim Beitrag wie bei der Leistung zu Hause. Ein guter Testrang ersetzt deshalb nicht den Vergleich für Ihr Alter und Ihre Gesundheit. Alle Ergebnisse und warum wir Allianz, DKV und Barmenia besonders empfehlen, finden Sie im Test der privaten Pflege­versicherung.

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Unser Partner Holger Rasch zeigt Ihnen, welcher Tarif zu Ihrem Alter und Ihrer Gesundheit passt, und berät Sie persönlich zur passenden Leistungshöhe.

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Holger Rasch
Experte für Pflege­versicherungen

Was spricht gegen eine private Pflege­versicherung?

Gegen eine private Pflege­versicherung sprechen vor allem die zusätzlichen Kosten über viele Jahre und dass es ohne Pflegefall kein Geld zurück gibt. Wer spät oder mit Vor­erkrankungen abschließt, zahlt deutlich mehr oder wird abgelehnt. Und eine Garantie, dass der Beitrag gleich bleibt, gibt es nicht.

Zusätzliche monatliche Kosten

Eine private Pflege­versicherung ist eine zusätzliche Ausgabe, die Sie über Jahrzehnte tragen. Für 2.000 Euro Monatsleistung zahlen 25-Jährige 38 bis 61 Euro im Monat, 45-Jährige 78 bis 130 Euro und 55-Jährige 134 bis 215 Euro. Das hat Assekurata im Auftrag des PKV-Verbands für vier reale Tarife berechnet (Quelle: Assekurata-Studie, Stand März 2026).

Viele schätzen den Beitrag allerdings viel höher ein: Befragte nannten in einer Allensbach-Umfrage im Schnitt rund 270 Euro für eine gute Absicherung. Wer den Beitrag drücken will, kann eine kleinere Leistung wählen und nur einen Teil der Lücke absichern. Wichtig ist, dass der Beitrag auch im Rentenalter in Ihr Budget passt.


Hohe Zugangshürden für Alte und Kranke

Vor dem Abschluss fragt der Versicherer nach Ihrer Gesundheit, oft nach Krankheiten der letzten fünf Jahre. Bei Vor­erkrankungen darf er einen Risikozuschlag oder einen Leistungsausschluss vereinbaren, im schlimmsten Fall lehnt er ab (Quelle: § 203 VVG). Wer schon pflegebedürftig ist oder einen Pflegegrad beantragt hat, bekommt in der Regel keinen Vertrag.

Wer früh vorsorgt, profitiert deshalb doppelt: vom niedrigeren Beitrag und von der meist besseren Gesundheit. Mit dem Alter wird der Abschluss teurer und schwieriger. Als Ausweg bleibt der Pflege-Bahr ohne Gesundheitsprüfung, allerdings mit kleiner Leistung. Geben Sie im Antrag alles vollständig an, mehr dazu unter Gesundheitsfragen.


Kein Pflegefall, kein Geld

Pflegetagegeld, Pflegekosten und Pflege-Bahr sind reine Risiko­versicherungen. Werden Sie nie pflegebedürftig, haben Sie die Beiträge für den Schutz gezahlt, ohne Geld zurückzubekommen. Auch bei einer Kündigung gibt es nichts zurück, und die angesparten Alterungsrückstellungen gehen laut Assekurata verloren. Nur die Pflegerente hat als Lebens­versicherung einen Rückkaufswert.


Beiträge können steigen

Eine Beitragsgarantie gibt es beim Pflegetagegeld nicht. Weichen die tatsächlichen Leistungen eines Tarifs um mehr als zehn Prozent von der Kalkulation ab, muss der Versicherer die Beiträge prüfen und anpassen, viele Pflegetarife setzen die Schwelle schon bei fünf Prozent. Jede Erhöhung braucht die Zustimmung eines Treuhänders (Quelle: § 155 VAG).

Auch der Rechnungszins spielt eine Rolle: Private Kranken­versicherer dürfen höchstens mit 3,5 Prozent rechnen, einige mussten ihn im Pflegetagegeld laut Assekurata auf unter zwei Prozent senken. Ein halber Prozentpunkt weniger bedeutet in der Regel deutlich mehr als zehn Prozent höhere Beiträge. Allein wegen Ihres Alters darf der Beitrag dagegen nicht steigen.


Vorhandenes Kapital anders anlegen

Wer genug eigenes Vermögen hat, um die Pflege selbst zu bezahlen, braucht keine Pflege­versicherung. Wer monatlich Geld übrig hat, kann es auch selbst anlegen und sich so ein Polster für den Pflegefall aufbauen. Wird er nicht pflegebedürftig, bleibt das Geld für ihn oder seine Erben. Mehr zu Anlageformen unter Kapitalanlage.

Der Haken: Das Polster muss rechtzeitig groß genug sein. Zwei Jahre im Pflegeheim kosten beim durchschnittlichen Eigenanteil 76.980 Euro, eine Beispielrechnung unserer Redaktion mit den vdek-Werten vom Juli 2026. Kommt die Pflege früh oder dauert sie lange, reichen Ersparnisse oft nicht. Auch eine schuldenfreie Immobilie lässt sich verkaufen, das braucht aber Zeit.


Risiko der Pflegebedürftigkeit anders absichern

Für Erwerbstätige ist der Verlust der Arbeitskraft meist das dringendere Risiko. Die Verbraucherzentrale rät, zuerst Haftpflicht, Berufs­unfähigkeit und Altersvorsorge zu klären, und hält eine Pflegezusatz­versicherung unter etwa 50 Jahren meist für noch nicht nötig (Quelle: Verbraucherzentrale). Eine Berufs­unfähigkeits­versicherung zahlt eine Rente, wenn Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können.

Welche Vor- und Nachteile haben die einzelnen Arten?

Es gibt drei Arten der privaten Pflegezusatz­versicherung: Pflegetagegeld, Pflegekosten und Pflegerente. Der Pflege-Bahr ist eine staatlich geförderte Form des Pflegetagegelds. Die Arten unterscheiden sich darin, wie sie zahlen, was sie kosten und ob es bei einer Kündigung Geld zurück gibt.

Versicherte nach Art der Pflegezusatz­versicherung, Ende 2024
  • Pflegetagegeld3.021.300
  • Pflege-Bahr890.091
  • Pflegekosten366.100
  • Pflegerente (Verträge)259.000

Quelle: GDV-Statistik 2025 nach Assekurata-Studie im Auftrag des PKV-Verbands

Vor- und Nachteile nach Arten der privaten Pflege­versicherung

Die Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick. Rechtlich sind Pflegetagegeld, Pflegekosten und Pflege-Bahr Kranken­versicherungen, die Pflegerente ist eine Lebens­versicherung mit Sparanteil (Quelle: § 192 VVG). Daraus folgen die meisten Unterschiede, vor allem beim Beitrag und beim Geld zurück:

MerkmalPflegetagegeldPflegekostenPflegerentePflege-Bahr
LeistungFester Betrag, frei verwendbarAufstockung oder Erstattung, teils mit NachweisLebenslange Rente, frei verwendbarFester Betrag, frei verwendbar
GesundheitsprüfungJaJaJaNein
Volle Leistung bei Pflege durch AngehörigeJaNeinJaJa
Beitragsbefreiung im PflegefallMöglichNeinMeistNein
Geld zurück bei KündigungNeinNeinJa, RückkaufswertNein

Pflegetagegeld­versicherung

Die Pflegetagegeld­versicherung zahlt im Pflegefall einen vereinbarten Betrag je Tag, meist als Monatsgeld mit 30 Tagessätzen. Mit gut drei Millionen Versicherten ist sie die verbreitetste Art und für die meisten Menschen die flexibelste Lösung. Das spricht für ein Pflegetagegeld:

  • Geld ohne Kostennachweis, auch wenn Angehörige pflegen
  • Höhe frei wählbar, in flexiblen Tarifen sogar je Pflegegrad
  • Dynamik auch im Pflegefall üblich
  • Meist keine Wartezeit

Dagegen spricht, dass der Vertrag kein Guthaben aufbaut. Eine Pause der Beiträge sehen nur einzelne Tarife vor, die INTER zum Beispiel bis zu dreimal sechs Monate. Zu Hause zahlen viele Tarife in niedrigen Pflegegraden nur einen Teil des Tagegelds. Diese Nachteile sollten Sie kennen:

  • Kein Geld zurück bei Kündigung, die Alterungsrückstellungen gehen verloren
  • Keine Beitragsgarantie, Beiträge können steigen
  • Zu Hause in niedrigen Pflegegraden oft nur ein Teil des Tagegelds
  • Gesundheitsprüfung vor dem Abschluss

Pflegekosten­versicherung

Die Pflegekosten­versicherung stockt meist die gesetzlichen Leistungen um einen festen Prozentsatz auf, oft um 50 oder 100 Prozent, oder erstattet Restkosten bis zu einem Höchstbetrag. Laut Assekurata bieten nur fünf private Kranken­versicherer sie an (Quelle: Assekurata-Studie). Das spricht für sie:

  • Etwas günstiger als ein Pflegetagegeld
  • Leistung wächst mit, wenn der Gesetzgeber die Pflegeleistungen erhöht
  • Einzelne Tarife zahlen im Heim auch Unterkunft und Verpflegung

Der Nachteil zeigt sich vor allem, wenn Angehörige pflegen: Dann gibt es keine Rechnungen, und die Leistung fällt kleiner aus. Steigen die Pflegekosten schneller als die gesetzlichen Leistungen, wächst die Lücke trotz Versicherung. Diese Punkte sprechen gegen eine Pflegekosten­versicherung:

  • Weniger Leistung bei Pflege durch Angehörige
  • In Pflegegrad 1 zahlen viele Tarife nichts
  • Unterkunft und Verpflegung im Heim meist nicht gedeckt
  • Beiträge können steigen

Pflegerenten­versicherung

Die Pflegerenten­versicherung zahlt im Pflegefall eine lebenslange Rente, die Sie frei verwenden. Sie ist eine Lebens­versicherung, bei manchen Versicherern auch gegen Einmalbeitrag zu haben, und mit 259.000 Verträgen die seltenste Art der Pflegezusatz­versicherung. Das spricht für eine Pflegerente:

  • Rente frei verwendbar, auch bei Pflege durch Angehörige
  • Meist stabiler Beitrag und Beitragsbefreiung im Pflegefall
  • Rückkaufswert bei Kündigung
  • Bei manchen Tarifen Beitragsrückgewähr im Todesfall

Dafür ist sie die teuerste Art: Der Beitrag ist laut Verbraucherzentrale zwei- bis dreimal so hoch wie bei den anderen (Quelle: Verbraucherzentrale). Der garantierte Zins für neue Lebens­versicherungen liegt bei höchstens einem Prozent. Das spricht gegen eine Pflegerente:

  • Zwei- bis dreimal so teuer wie andere Arten
  • Volle Rente meist erst ab Pflegegrad 4 oder 5
  • Frühe Kündigung kostet Geld
  • Geringer garantierter Zins auf den Sparanteil

Pflege-Bahr

Den Pflege-Bahr fördert der Staat mit fünf Euro im Monat, wenn Sie mindestens zehn Euro selbst einzahlen (Quelle: § 127 SGB XI). In Pflegegrad 5 muss der Tarif mindestens 600 Euro im Monat zahlen. Das spricht für einen geförderten Tarif:

  • Annahme ab 18 Jahren ohne Gesundheitsprüfung und ohne Höchstalter
  • Staatliche Zulage von fünf Euro im Monat
  • Beitrag hängt nur von Eintrittsalter und Leistung ab
  • Bei einigen Versicherern ohne Wartezeit, wenn Sie ein Pflegetagegeld dazu abschließen

Allein reicht die Leistung aber bei Weitem nicht, urteilt die Verbraucherzentrale. Ab etwa 50 Jahren gibt es oft nur die Mindestleistung von 600 Euro, bei einem Eigenanteil im Heim von über 3.000 Euro. Wer schon Pflegeleistungen bezieht, kann keinen Pflege-Bahr mehr abschließen. Das spricht dagegen:

  • Wartezeit von bis zu fünf Jahren
  • Kleine Leistung, oft nur die Mindestleistung
  • Keine Beitragsbefreiung, der Beitrag läuft im Pflegefall weiter
  • Beiträge dürften laut Verbraucherzentrale stärker steigen als in anderen Tarifen

Für wen überwiegen die Vorteile?

Für die meisten Menschen überwiegen die Vorteile, wenn sie früh und gesund ein Pflegetagegeld abschließen und den Beitrag dauerhaft tragen können. Die Nachteile wiegen schwerer, wenn Ihr Vermögen die Pflege sicher deckt, das Budget knapp ist oder Sie erst spät und mit Vor­erkrankungen abschließen.

Versicherung oder eigenes Vermögen?

Der Kern der Abwägung ist Beitrag gegen Risiko. Wer mit 25 Jahren 2.000 Euro Monatsleistung absichert, zahlt bis zum Alter von 85 Jahren insgesamt 27.026 bis 43.831 Euro, wer mit 55 Jahren beginnt, 48.313 bis 77.563 Euro (Quelle: Assekurata-Studie). Schon zwei Jahre im Heim kosten im Schnitt 76.980 Euro Eigenanteil.

Die Versicherung zahlt auch bei früher oder langer Pflege, wenn Ersparnisse schnell aufgebraucht wären. Dafür ist das Geld weg, wenn Sie nie pflegebedürftig werden. Wer große Rücklagen hat, kann das Risiko selbst tragen. Für alle anderen ist ein Pflegetagegeld der günstigere Weg, das eigene Vermögen zu schützen.


So wägen Sie ab

Gehen Sie die Argumente mit Blick auf Ihre eigene Lage durch: Wie viel Rente und Vermögen hätten Sie im Pflegefall, wer könnte Sie pflegen, wie gesund sind Sie heute? Für jede Lebenslage, von jungen Berufstätigen bis zu Beamten und Rentnern, geben wir unter Ist eine private Pflege­versicherung sinnvoll? eine klare Antwort.

Entscheiden Sie sich für einen Vertrag, sichern Sie die Pflege zu Hause in Pflegegrad 2 und 3 ausreichend ab, vereinbaren Sie eine Dynamik und eine Beitragsbefreiung spätestens ab Pflegegrad 4. Den Pflege-Bahr nutzen Sie am besten als Ergänzung oder wenn ein ungeförderter Tarif wegen Vor­erkrankungen nicht möglich ist.

Experten-Tipp:
Experte für Pflege­­versicherungen

„Den Nachteil, den ich in fast jeder Beratung höre: Wer nie pflegebedürftig wird, hat umsonst gezahlt. So funktioniert aber jede Risiko­versicherung, auch die Hausrat­versicherung. Ich rechne deshalb mit meinen Kunden durch, was ein Jahr im Pflegeheim kostet und was der Vertrag bis ins hohe Alter kostet. Danach fällt die Entscheidung leichter, und oft ist ein Pflegetagegeld mit kleinerer Leistung besser als gar kein Schutz.“

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Holger Rasch
Experte für Pflege­versicherungen

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Holger Rasch
Experte für Pflege­versicherungen

Die häufigsten Fragen zu Vor- und Nachteilen der privaten Pflege­versicherung

Was sind die Vorteile einer privaten Pflege­versicherung?

Sie schließt die Lücke zwischen den festen Leistungen der Pflege­versicherung und den tatsächlichen Kosten und schützt so Ihr Erspartes. Ein Pflegetagegeld zahlt frei verwendbar, auch wenn Angehörige pflegen, und je nach Tarif schon ab Pflegegrad 1. Art, Anbieter und Leistungshöhe wählen Sie selbst.

Was sind die Nachteile einer privaten Pflege­versicherung?

Sie zahlen über viele Jahre Beiträge, die steigen können, und bekommen ohne Pflegefall meist nichts zurück. Vor dem Abschluss prüft der Versicherer Ihre Gesundheit, mit Vor­erkrankungen wird es teuer oder unmöglich. Laut Assekurata zahlen 55-Jährige für 2.000 Euro Monatsleistung 134 bis 215 Euro im Monat.

Ist eine private Pflege­versicherung sinnvoll oder nicht?

Für die meisten Menschen ja, wenn sie früh und gesund abschließen und den Beitrag dauerhaft tragen können. Wer ein hohes Vermögen hat, braucht sie meist nicht. Eine Antwort für jede Lebenslage, vom Berufseinsteiger bis zum Beamten, finden Sie auf unserer Seite Ist eine private Pflege­versicherung sinnvoll?.

Bekomme ich meine Beiträge zurück, wenn ich nie pflegebedürftig werde?

Bei Pflegetagegeld, Pflegekosten und Pflege-Bahr nicht, sie sind reine Risiko­versicherungen ohne Rückkaufswert. Nur die Pflegerente hat als Lebens­versicherung einen Rückkaufswert, eine frühe Kündigung kostet laut § 169 VVG aber Geld. Manche Pflegerententarife bieten zusätzlich eine Beitragsrückgewähr im Todesfall.

Welche Art der Pflegezusatz­versicherung hat die meisten Vorteile?

Für die meisten Menschen das Pflegetagegeld. Es zahlt einen festen Betrag ohne Kostennachweis, zu Hause, im Heim und bei Pflege durch Angehörige. Die Pflegekosten­versicherung ist etwas günstiger, leistet bei Pflege durch Angehörige aber weniger, die Pflegerente kostet zwei- bis dreimal so viel. Mehr zur Pflegetagegeld­versicherung.

Was spricht gegen den Pflege-Bahr?

Die kleine Leistung, die Wartezeit von bis zu fünf Jahren und dass der Beitrag im Pflegefall weiterläuft. Ab etwa 50 Jahren gibt es oft nur die Mindestleistung von 600 Euro in Pflegegrad 5. Dafür nimmt er jeden ab 18 Jahren ohne Gesundheitsprüfung auf. Mehr zum Pflege-Bahr.

Können die Beiträge einer Pflegezusatz­versicherung steigen?

Ja, aber nicht wegen Ihres Alters. Weichen die tatsächlichen Leistungen eines Tarifs deutlich von der Kalkulation ab, muss der Versicherer die Beiträge laut § 155 VAG prüfen und anpassen, ein Treuhänder muss zustimmen. Nach einer Erhöhung können Sie binnen zwei Monaten kündigen.

Was sind die Nachteile der gesetzlichen Pflege­versicherung?

Sie zahlt nur feste Beträge je Pflegegrad, nicht die tatsächlichen Kosten. Im Pflegeheim bleiben laut vdek im ersten Jahr im Schnitt 3.364 Euro im Monat selbst zu zahlen. In Pflegegrad 1 gibt es kein Pflegegeld, und die Leistungsbeträge steigen nach geltendem Recht erst 2028 wieder.

Kann ich eine Pflegezusatz­versicherung kündigen?

Ja, laut § 205 VVG zum Ende jedes Versicherungsjahres mit drei Monaten Frist, nach einer Beitragserhöhung auch binnen zwei Monaten. Geld zurück gibt es bei Pflegetagegeld und Pflegekosten nicht, die Alterungsrückstellungen gehen verloren. Ist Ihnen der Beitrag zu hoch, senken Sie besser die Leistung.

Bekomme ich mit Vor­erkrankungen eine Pflegezusatz­versicherung?

Oft nur mit Risikozuschlag, mit Leistungsausschluss oder gar nicht, und wer bereits pflegebedürftig ist, in der Regel nicht. Ohne Gesundheitsprüfung nimmt vor allem der Pflege-Bahr auf, solange Sie noch keine Pflegeleistungen beziehen; einige Tarife schließen statt Fragen bestimmte Krankheiten von der Leistung aus. Geben Sie im Antrag alles vollständig an, mehr dazu unter Gesundheitsfragen.

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