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Digitale Medizin: Fortschrittspläne der Bundesregierung

Anlässlich des IT-Gipfels der Bundesregierung diese Woche präsentierte Gesundheitsminister Gröhe die Pläne seines Hauses für die Digitalisierung im Gesundheitswesen. Datenschützer und Teile der Ärzteschaft stehen der gesamten Entwicklung seit längerem sehr kritisch gegenüber.

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Gröhe: Viele Leistungen künftig nur noch mit neuer IT abrechenbar

In einem Interview anlässlich des IT-Gipfels, der zu Beginn dieser Woche stattfand, machte Bundesgesundheitsminister Gröhe (CDU) eines deutlich: „Es wird künftig eine Fülle von Leistungen geben, die Ärzte nur noch abrechnen können, wenn sie die neue IT-Infrastruktur nutzen. Mein Eindruck ist allerdings, dass die Bereitschaft zur Beteiligung sehr hoch ist.“ Des Weiteren beabsichtigt das Bundesgesundheitsministerium, dass Medikationspläne künftig auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gespeichert werden. Die ärztliche Nachsorge per Videoschaltung soll noch diesen Sommer Realität werden.

Die Aufwertung der eGK zur elektronischen Patientenakte ist für Gröhe der nächste Schritt und soll so schnell wie möglich umgesetzt werden. Für den Minister liege der Vorteil davon bei den Patienten. Sie könnten in Zukunft selbst darüber entscheiden, welche Daten sie Ärzten und Krankenhauspersonal bereitstellen. Ziel der elektronischen Patientenakte ist die Vermeidung von Doppeluntersuchungen beim Arztwechsel sowie die verbesserte Versorgung in Notfällen. (Rhein-Neckar-Zeitung vom 12.06.2017)

Neuer „Datenreichtum” dank elektronischer Patientenakten?

Im selben Interview, einen Tag bevor Minister Gröhe zum Digital-Gipfel der Bundesregierung in Ludwigshafen dazustieß, äußerte er sich auf Nachfrage zu Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes. Demnach böten die Telematik-Technologie und die eGK stärkere Verschlüsselung als eine Bankkarte. Gröhe stellte dazu den Vergleich mit der Übertragung von Gesundheitsdaten via Postbrief oder Telefax an. Heute hätte man einen mächtigen gewaltigen Fortschritt erreicht.

Die Digitalisierung von Patientendaten könnte dagegen nicht nur Ärzten die Arbeit erleichtern. Wie für alle Informationen, die von der analogen Welt in die elektronische übertragen werden, gilt auch hier: Digitales kopiert sich leichter. Es stimmt, dass ein Telefax oder ein Großbrief nicht verschlüsselt übermittelt werden. Wer will, der konnte schon immer Ärztepost abfangen und so an Patientendaten gelangen. Nun bietet die Digitalisierung zwar die Möglichkeit starker Kryptografie. Aber sie birgt auch die Chance für Kriminelle und Profiteure, massenweise Daten anzuhäufen und meistbietend zu veräußern.

Bundesregierung setzt auf E-Health

Dem Fortschritt zugewandt, setzt die Bundesregierung auf den Segen der Digitalisierung. So auch beim Thema Gesundheit. Nachdem Minister Gröhe am Dienstag zum Digital-Gipfel kam – das Motto lautete „Vernetzt besser Leben“ – präsentierte er zusammen mit Bundesforschungsministerin Wanka konkrete Maßnahmen, mit denen aus Daten neuer Nutzen zum Wohle der Patienten gezogen werden soll. Im Einzelnen handelt es sich dabei erstens um eine Dialog-Plattform, zweitens um elektronische Patientenakten und drittens um Projektförderung. Bei allen Maßnahmen stehen die bessere Behandlung schwerer Krankheiten und ein größeres Verständnis gesundheitlicher Herausforderung. („Mit digitaler Gesundheit an die Spitze“)

Datenschützer hingegen haben seit längerer Zeit ein Problem damit, wie die Bundesregierung in allen Bereichen auf das Anlegen von Datenbanken setzt. Die Bundeskanzlerin spricht hier gerne von „Datenreichtum“. Für die Kritiker bedeutet dieser Schatz allerdings, dass es sich dabei vielmehr um Tröge handelt, an denen viele Schweine Interesse zeigen würden. Wer Datensparsamkeit das Wort redet, hat es mit dieser Bundesregierung jedenfalls nicht leicht. Verspricht sich die doch von „Big Data“ und Co. vor allem auch eine belebende Wirkung für die deutsche Wirtschaft. (vgl. Netzpolitik.org vom 13.06.2017)

Freie Ärzteschaft: Keine Anamnese via Call-Center

Einige wichtige Fragen warf bereits im April Dr. Axel Brunngraber vom Verein Freie Ärzteschaft (FÄ) auf. In seinem Artikel „Doktorspiele mit Headset?“ für das niedersächsische Ärzteblatt bringt er das Problem aus Sicht der behandelnden Ärzte auf den Punkt: „Wo soll denn die Zeit für virtuelle Konsultationen herkommen? Die großen kostenträchtigen Krankheiten kommen für Doktorspiele auf Skype-Niveau überhaupt nicht in Frage. Die dabei technisch bedingte Reduzierung der ärztlichen Sinne auf Bildschirm und Headset, die künftig absehbare Reduzierung der vieldimensionalen Begegnungsebene in der klassischen, individualisierten Arzt-Patient-Beziehung auf Bild und Ton wirft ernsthafte Fragen zu Sorgfalt, ärztlicher Kunst und Haftung auf.“ (niedersächsisches ärzteblatt, Ausgabe 04/2017)

Hausarzt und FÄ-Vizevorsitzender Brunngraber sieht in der Ökonomisierung der medizinischen Kunst die eigentliche treibende Kraft. Dahinter dürfte seine Befürchtung stecken, dass die Telemedizin als Angebot in Form von Apps und E-Services vermarktet werden wird. Dabei ginge selbstverständlich alles verloren, was durch direkten Kontakt dem Arzt Hinweise auf ein Krankheitsbild geben könnte. Bildschirm und Kopfhörer, selbst Sensoren, können nur eine begrenzte Anzahl an Informationen in beschränkter Weise transportieren. Am Ende wird vielleicht doch wieder der Rat folgen, einen Arzt aufzusuchen.

Einen Schritt weiter: Digitalisierung im Versicherungswesen schon Normalität
Die bevorstehende Entwicklung in der Medizin ist der im Versicherungswesen nicht unähnlich. Schon heute bieten Versicherungsmakler ihre Expertise via Messenger oder App-Diensten an. Die Nutzer sollen in die Lage versetzt werden, nebenbei mit dem Smartphone eine Versicherung prüfen zu lassen oder eine neue direkt mit wenigen Fingerbewegungen abschließen zu können.

Zwar muss sich der Verbraucher nicht mehr mit einem Makler befassen, das mag ein Vorteil sein. Aber im Gegenzug fehlt die Auseinandersetzung mit einem Gegenüber auch, wo man als Verbraucher als zunächst als Mensch und nicht sofort als Konsument behandelt wird.

Keine Boni der Krankenversicherungen für Gesundheitsdaten

In anderen Bereichen experimentieren Versicherungsgesellschaft bereits damit, von ihren Kunden Daten sammeln und übertragen zu lassen. Im Gegenzug soll bei vorbildlichem Fahrverhalten beispielsweise der Beitrag zur KFZ-Versicherung sinken. Im Gesundheitswesen ist dieser Weg auch für das Tragen von Armbändern beim Sportreiben denkbar. Besonders aktive Versicherte könnten von ihrer Krankenkasse Vergünstigungen erhalten, wenn sie ihre Daten regelmäßig an den Versicherer übermitteln.

Zumindest gegenüber der Rhein-Neckar-Zeitung schloss Minister Gröhe am Montag diese Möglichkeit für die gesetzliche Krankenversicherung eindeutig aus. Aus seiner Sicht dürfe es in der Solidargemeinschaft keine Diskriminierung nach Alter, Gewicht oder Gesundheitszustand geben. In Bezug auf die private Krankenversicherung wies Gröhe auf bestehende Grenzen in der Gesetzeslage hin.