Wie können sich Restaurant- und Hotelbesitzer gegen Lebensmittel­vergiftung versichern?

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Hotel- oder Gastgewerbe gibt es besondere Haftungsrisiken – beispielsweise das Risiko, eine Lebensmittelvergiftung zu verursachen.
  • Gegen diese und andere Risiken können sich Unternehmen jedoch versichern.
  • Gäste, die von einer Lebensmittelvergiftung betroffen sind, können dies mit Laborbefunden nachweisen oder eine Überprüfung des Betriebs veranlassen.

Das erwartet Sie hier

Wie eine Absicherung gegen Lebensmittel­vergiftung für Gastronomen und Hoteliers funktioniert, welche anderen Risiken es gibt und welche Versicherungen Sie dafür am sinnvollsten abschließen.

Inhalt dieser Seite
  1. Besondere Risiken (inkl. Beispiele)
  2. Rechtsschutz­­versicherung
  3. Weitere wichtige Risiken versichern
  4. Nachweis und Rechte für Geschädigte
  5. Fazit

Lebensmittel­vergiftung und andere typische Risiken

Besondere Risiken in der Gastronomie

Restaurants, Gaststätten, Bars, Hotelküchen und Stehimbisse: Die Vielfalt gastronomischer Betriebe und ihrer Geschäftsstrategien ist groß, aber sie haben alle gemeinsam, dass sie gastronomische Dienstleistungen erbringen. Damit gehen einige besondere Risiken einher, mit denen sich Unternehmer in dieser Branche frühzeitig auseinandersetzen sollten. Im Zuge ihrer gastronomischen Tätigkeit kann es durchaus zu Vorkommnissen wie etwa einer Salmonellenvergiftung kommen, die den Gewerbetreibenden haftbar machen.

Salmonellen: Unsichtbar und widerstandsfähig

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Salmonellen sind Bakterien, die gewöhnlich in Lebensmitteln wie Geflügelfleisch, Salaten, Seetieren sowie rohen Fleisch- und Wurstwaren festgestellt werden. Aber nicht nur rohe Lebensmittel sind einer überhöhten Salmonellengefahr ausgesetzt, sondern auch kalte Speisen und zu warm gelagerte Lebensmittel. Selbst in gefrorenem Zustand überleben Salmonellen für mehrere Monate. Salmonellenbefall kann auch eine behördlich angeordnete Betriebsschließung nach sich ziehen.

Icon Böses Gesicht

Schadensbeispiel: Gast mit Lebensmittelvergiftung

Der Restaurantgast isst sein bestelltes Pilzgericht. Bei der Zubereitung des Gerichts war dem Koch nicht aufgefallen, dass einige Pilze bereits verdorben waren. Dadurch erleidet der Gast eine Lebensmittelvergiftung, woraufhin der Gastronom von der Krankenkasse zur Erstattung der Behandlungskosten aufgefordert wird.


Diese Ansprüche haben Gäste

Kann ein Gast Ihnen nachweisen, dass eine Lebensmittelvergiftung auf Essen aus Ihrer Küche zurückgeht, hat er einen Anspruch auf Schmerzensgeld und die Erstattung der Behandlungskosten. Infolge der Lebensmittelvergiftung können jedoch noch weitere Schäden entstehen. Kann der Gast zum Beispiel wegen der Vergiftungssymptome eine geplante Reise nicht antreten, müssen Sie auch die Kosten für Flug und Hotel erstatten.

Mehr zu den Rechten Geschädigter

Icon Beleg

Die Betriebs­haftpflicht­versicherung trägt die Kosten

Um sich für den Fall hoher Schadenersatz­forderungen abzusichern, sollten Gastronomen eine Betriebs­­haftpflicht­­versicherung abschließen. Ihr Versicherungsschutz wird aktiv, sobald ein Mitarbeiter einen Personen- und Sachschaden verursacht. Sie begleicht berechtigte Schadenersatz­forderungen oder übernimmt die Kosten für die Verteidigung gegen ungerechtfertigte Forderungen. Achten Sie darauf, eine Deckungssumme von mindestens 3.000.000 Euro für Personen- und Sachschäden zu vereinbaren.


Icon Gipsbein

Weitere typische Risiken

Typische Risiken, mit denen Hotels und Restaurants konfrontiert sind, sind beispielsweise Gäste, die auf frisch gewischten Böden ausrutschen oder Sachschäden, zum Beispiel, wenn ein Kellner einem Gast versehentlich Wein auf die teure Kleidung schüttet. Zwar muss der Gastronomiebetrieb nicht immer die gesamten Kosten tragen, wenn die Unvorsichtigkeit des Gastes zum Schaden beigetragen hat, aber dennoch sind hohe Kosten möglich.

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Besonderheiten für Hotels

Werden Schadenersatz­forderungen ausgesprochen, können diese innerhalb der Betriebs­haftpflicht­versicherung in beiderseitigem Einverständnis geklärt werden. Sehr viel komplizierter gestaltet sich die Situation, wenn gleich mehrere Personen in den Versicherungsfall verwickelt sind. Im Allgemeinen bedeutet das, dass hohe Deckungssummen in der Haftpflicht­versicherung nötig sind.

Icon Hochhaus

Icon Geldscheine

Mindestens 15 Millionen Euro

Daher sollten Hotelbesitzer darauf achten, dass sie Policen abschließen, die eine Versicherungssumme von mindestens 15 Millionen Euro zugrunde legen. Damit man im schlimmsten Fall nicht doch zur Kasse gebeten wird, kann man den Versicherungsschutz um sogenannte Excedenten­versicherungen erweitern. Diese beschreiben ergänzende Absicherungen, die einspringen, sobald die Grund­versicherungssumme überschritten ist und ein Restbetrag abgedeckt werden muss.

Viele Betroffene: Auch bei Restaurants und Catering möglich

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Im ungünstigsten Fall betrifft eine Lebensmittelvergiftung nicht nur eine einzige Portion, sondern trifft gleich mehrere Kunden: Im Juni 2015 hatte sich in einem Hamburger Unternehmen beispielsweise ein Fall von Lebensmittelvergiftung zugetragen. Die Ursache der Lebensmittelvergiftung schien ein Falafelgericht gewesen zu sein. Nach dem gemeinsamen Mittagessen klagten am Nachmittag bereits erste Mitarbeiter über Übelkeit und Durchfall. Daraufhin wurden die zuständigen Behörden über den Zwischenfall in Kenntnis gesetzt und den jeweiligen Mitarbeitern empfohlen, den Arzt aufzusuchen. Anschließend entnahmen die Gesundheitsbehörden einige Proben.

Dabei konnte die genaue Zahl der erkrankten Mitarbeiter nicht ermittelt werden. Wobei die Hamburger Feuerwehr durchgab, dass sie 19 Mitarbeiter ins Krankenhaus brachte, während neun andere Mitarbeiter aus dem Unternehmensgebäude abgeholt wurden. Ferner haben zehn weitere Mitarbeiter von zu Hause aus einen Krankenwagen gerufen.

Rechtsschutz für Restaurants und Hotels

Icon Richterhammer und Gesetz

Darum benötigen Sie einen Rechtsschutz

Tritt ein folgenschwerer Zwischenfall ein, schrecken Geschädigte nicht davor zurück, ihr Recht auf Schadenersatz durchzusetzen. Hier hilft die Betriebs­haftpflicht­versicherung, da sie passiven Rechtsschutz, also die Abwehr unberechtigter Forderungen beinhaltet. Für alles, was darüber hinausgeht – zum Beispiel die Durchsetzung Ihrer Forderungen an andere – benötigen Sie eine Firmen­rechtsschutz­versicherung.


Das leistet die Gewerbe­rechtsschutz­versicherung

Die Gewerbe­rechtsschutz­versicherung unterstützt den Gewerbetreibenden bei der Klärung berufsbedingter Rechtsstreitigkeiten. Im Zuge dessen erstattet die Gewerbe­rechtsschutz­versicherung sämtliche Kosten, die mit einem Gerichtsprozess in Verbindung stehen, wie zum Beispiel:

  • Anwaltskosten
  • Gerichtskosten
  • Gutachterkosten

Jedoch ist zu beachten, dass Vertragsstreitigkeiten nicht im Versicherungsschutz der Gewerbe­rechtsschutz­versicherung enthalten sind.

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Weitere wichtige Versicherungen für Hotels und Gastronomie

Darum ist eine Geschäftsinhalts­versicherung wichtig

Damit der Betrieb weiterlaufen kann, sind Gastronomiebetriebe auf ihr Inventar angewiesen. Hierbei geht es nicht allein um Tische und Stühle. Zur Ausstattung gehören beispielsweise auch:

  • Öfen, Kaffeemaschinen und andere unverzichtbare elektrische Geräte
  • Geschirr und Besteck
  • Vorräte

Bei Hotels kommt noch die gesamte Ausstattung von Zimmern und Foyers hinzu. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, dass Gewerbetreibende sich mit einer Geschäftsinhalts­versicherung umfassend absichern. Die Inhalts­versicherung springt ein, sobald sich Schäden infolge von Leitungswasser, Sturm, Hagel, Feuer oder Einbruchdiebstahl zutragen und ersetzt den entstandenen Schaden. Sie stellt die gewerbliche Hausrat­versicherung dar. Auch eine Elektronik­versicherung kann sich lohnen.


Icon Wassertropfen

Schadensbeispiel 1: Wasserrohrbruch

Ein möglicher Schadensfall: Bei einem Wasserrohrbruch in der Küche werden gleich mehrere Geräte beschädigt. Zudem trifft das Wasser auch die angrenzenden Räumlichkeiten wie den Vorratsraum, sodass Lebensmittel weggeworfen werden müssen.

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Icon rotes X

Ertragsausfall und Betriebs­unterbrechung

Es gibt eine Vielzahl von Situationen, in denen ein Hotel oder Restaurant vorübergehend keine Gäste empfangen kann – also Gewinne verliert, während gleichzeitig viele laufende Kosten trotzdem beglichen werden müssen. Hier hilft eine Betriebs­­unterbrechungs­versicherung, indem sie die entgangenen Gewinne und laufenden Kosten erstattet. Sie kann einzeln oder als Baustein einer anderen Versicherung abgeschlossen werden.


Mögliche Gründe für eine Betriebs­unterbrechung

Beispielsweise ist der Betrieb oft unterbrochen, während folgende Maßnahmen stattfinden:

  • Bekämpfung von Bettwanzenbefall in Hotelbetten
  • Wiederherstellung des Inventars nach einem Feuer- oder Wasserschaden
  • Wiederherstellung von IT-Systemen nach einem Hackerangriff

Tipp: Wenn Sie eine Cyber-Versicherung haben, erstattet Ihnen diese in der letztgenannten Situation nicht nur die Schäden, sondern hilft je nach Tarif auch bei der Schadensprävention und beim Krisen­management.

Icon Feuerlöscher

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Icon Paket

Versicherungspakete für maßgeschneiderten Schutz

Oft reduziert es die Kosten und vereinfacht die Schadensregulierung, wenn verschiedene Versicherungen beim selben Anbieter abgeschlossen wurden. Ein passendes Versicherungspaket für ein Hotel kann zum Beispiel die folgenden Versicherungen enthalten:

  • Betriebs­haftpflicht­versicherung
  • Geschäftsinhalts­versicherung
  • Rechtsschutz­versicherung
  • Betriebsschließungs­versicherung
  • Betriebs­­unterbrechungs­versicherung

Schadensbeispiel Legionellen

Den wohl dramatischsten Haftungsfall eines Hotels stellt der Legionellenausbruch dar. Gerade Bäder und sanitäre Einrichtungen, die weniger genutzt werden, sind dafür anfällig. Dabei reicht bereits die allmorgendliche Dusche, um sich mit Legionellen zu infizieren. Denn die Bakterien geraten ohne Mühe über die Atemwege in den menschlichen Organismus. Mit dem Legionellenbefund wird dem Hotel die Missachtung des Gesetzes zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz – IfSG) vorgeworfen, sodass häufig die sofortige Schließung des Betriebs angeordnet wird.


Icon Schutzschild

Auf diese Versicherungen kommt es an

Da Legionellenbefall auch strafrechtliche Konsequenzen haben kann, ist es wichtig, eine Rechtsschutz­versicherung zu haben. Eine Betriebsschließungs­versicherung – eine besondere Form der Betriebs­­unterbrechungs­versicherung, die Unternehmen für den Fall behördlich angeordneter Betriebsschließungen absichert – gleicht den finanziellen Schaden für die Schließung aus und trägt die Kosten für Desinfektions­maßnahmen und Lohnfortzahlungen.

Rechte des Geschädigten einer Lebensmittelvergiftung

Gäste müssen den Zusammenhang beweisen

Haben sich Gäste erst einmal mit Erregern wie Salmonellen und Legionellen angesteckt, fragen sie sich in der Regel, wie sie an Schadenersatz kommen. Jedoch wird einem Schadenersatzanspruch nur zugestimmt, wenn dieser auch belegt werden kann. Damit Sie zum Beispiel nachweisen können, dass Sie tatsächlich in einem bestimmten Restaurant gegessen haben, sollten Sie den Kassenzettel nicht sofort wegwerfen.


Diese Pflichten haben Gastronom

In der gesamten Europäischen Union und der Schweiz dürfen nur jene Lebensmittel zum Verzehr angeboten werden, die den HACCP-Richtlinien entsprechen. Mit der Einhaltung der genannten Richtlinien verpflichtet sich jeder Arbeitnehmer, dass er die Gefahren der Lebensmittelsicherheit genauestens analysiert, bevor er das jeweilige Lebensmittel verarbeitet.

Icon Maiskolben

Icon Gruppe Personen

Einfache Beweislage, wenn mehrere Gäste betroffen sind

Dem Gastgewerbe die Schuld nachzuweisen, ist nicht ganz einfach. Es sei denn, gleich mehrere Gäste hatten die gleichen Symptome. Dadurch lässt sich ein Zusammenhang herstellen.


Stuhlproben identifizieren den genauen Erreger

Alternativ kann die exakte Ursache auch mittels einer Erregerbestimmung im Stuhl oder Erbrochenen festgestellt werden. Dabei können Labore die eingereichte Probe auf Bakterientoxine hin untersuchen und eventuelle Viren nachweisen. Damit der Erreger tatsächlich als Ursache der Lebensmittelvergiftung deklariert werden kann, muss der Erreger sowohl im Stuhl als auch Essen identifiziert werden. Häufig tritt aber der gegenteilige Fall ein. Schließlich sind Gaststätten bestrebt, auf keinen Fall mit einer Lebensmittelvergiftung in Verbindung gebracht zu werden. Darum schicken sie in der Regel Speiseproben ins Labor.

Icon Lupe

Bei Verdacht empfiehlt sich die Einschaltung des Gesundheitsamts

Für den Fall, dass es weder eigene Proben, noch Proben der Gaststätte gibt, können Sie Ihr Recht auch auf anderem Wege durchsetzen: Besteht ein Verdacht auf eine Lebensmittelkontamination, kann man sich an das Gesundheitsamt oder die Bürgermeister- und Landesratämter wenden. Diese können dem ausgesprochenen Verdacht nachgehen und im Falle einer Bestätigung des Verdachts die sofortige Schließung durchsetzen. In diesem Fall hat der Geschädigte Anspruch auf Schadensersatz inklusive Verdienstausfall.

Fazit

Hotels und Gastronomiebetriebe sind zusätzlich zu den Risiken für ihr eigenes Betriebseigentum mit besonderen Haftungsrisiken konfrontiert – Gäste können sich beispielsweise Lebensmittel­vergiftung zuziehen. Eine gute Betriebs­haftpflicht­versicherung sorgt dafür, dass die Betroffenen in so einem Fall angemessen entschädigt werden, ohne dass potenziell existenzbedrohende Kosten für das Unternehmen entstehen. Auch gegen andere wichtige Risiken können sich Hotels und Gastronomiebetriebe versichern. Welche Versicherungen und Deckungssummen nötig sind, lässt sich durch eine Analyse der Risiken und der Anzahl der potenziell betroffenen Personen ermitteln.

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Foto von Katharina Burnus
Katharina Burnus
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