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Grüezi Berlin: Eine Schweizerin wandert aus nach Deutschland

Schweizerin Maja Som­mer­hal­der wanderte kürzlich mit ihrer Familie nach Berlin aus. Das ist komplizierter als gedacht. Denn beim Aufbau des Lebens in Deutschland lauern überall Stolpersteine. Auch wenn es um Versicherungen geht und man überraschend schwanger wird.

- Kolumne von Maja Sommerhalder

Bald ist unser neues Familienmitglied da. Während ich in der Schweiz arbeiten müsste, bis die Fruchtblase platzt, bin ich hier in Deutschland bald im Mutterschutz. Dieser beginnt meistens sechs Wochen vor der Geburt. Damit ich mich ganz in Ruhe auf das Baby vorbereiten kann.

Und zu tun gibt es noch einiges. Denn obwohl das Leben noch nicht mal richtig angefangen hat, darf ich mich wieder mit den Behörden rumschlagen. Hab ich schon mal erwähnt, wie sehr ich dies liebe? Ja, jammern hilft nichts und ich habe ja auch einiges davon.

Vaterschaftsanerkennung

Die gute Nachricht zuerst: Ich bin verheiratet und eine Vaterschaftsanerkennung ist also nicht nötig. Wie das genau geht, erfahren Sie im Beitrag “Behördengänge vor der Geburt des Kindes

Elterngeld

Das mit dem Elterngeld ist da wesentlich komplizierter. Im Internet haben wir den Antrag schon so weit wie möglich ausgefüllt – gefühlt waren das mindestens 100 Seiten. Zahlreiche Dokumente können wir aber erst nach der Geburt nachreichen etwa die Kopie der Geburtsurkunde oder die Be­schei­ni­gung der Krankenkasse über das Mutterschaftsgeld.

Maximal können Eltern in Deutschland übrigens 14 Monate gemeinsam Elterngeld beziehen. Vom durchschnittlichen Netto-Einkommen der letzten zwölf Monate vor der Geburt stehen ihnen 67 Prozent zu. Und in der Schweiz? Laut Gesetz wird der Mutter mindestens 80 Prozent des letzten Lohnes gerade mal für 14 Wochen weitergezahlt. Dafür muss sie immerhin kaum Formulare ausfüllen.

Elternzeit beantragen

Hier muss ich meinen Arbeitgeber lediglich spätestens sieben Wochen vor der geplanten Elternzeit schriftlich über meine Pläne informieren und festlegen, wie ich genau die Elternzeit gestalten will. Beide Eltern zusammen haben übrigens Anspruch auf 36 Monate Elternzeit. In dieser Zeit kann man als Arbeitnehmer kaum gekündigt werden. In der Schweiz hingegen steht eine Mutter nach dem 14-wöchigem Mutterschaftsurlaub beruflich schon wieder auf dem Schleudersitz. Immerhin hat das Parlament vor kurzem zwei Wochen Vaterschaftsurlaub bewilligt…

Geburtsurkunde

Damit ich das Elterngeld beantragen kann, muss mein Kind zuerst auf die Welt kommen. Das wird mit der Geburtsurkunde bescheinigt, die entweder beim Standesamt oder direkt im Krankenhaus beantragt wird. Ist die Geburtsurkunde da, sollten wir diese beim Einwohnermeldeamt zeigen. Dort kriegt der deutsche Vater hoffentlich auch einen Ausweis fürs Baby.

Kindergeld

Die Geburtsurkunde ist sozusagen auch das Eintrittsticket für das Kindergeld, das wir bei der Familienkasse beantragen müssen. Für die ersten zwei Kinder gibt es jeweils 204 Euro pro Monat, für das dritte Kind 210 Euro und jedes weitere Kind 235 Euro.

Versicherungen

Das Baby muss auch versichert werden. Ist man als Eltern bei einer gesetzlichen Krankenversicherung, ist das Kind kostenlos mitversichert. Einen Antrag stellen bei seiner Versicherung muss man aber dennoch, damit es auch eine Versicherungskarte kriegt. Privatversicherte Eltern müssen ihr Kind in der Regel auch bei der privaten Krankenversicherung anmelden. Ähnlich wie in der Schweiz zahlt man aber für jedes Kind einen eigenen Beitrag.

Zusätzlich sollten wir noch unsere Haftpflichtversicherung über unseren Nachwuchs informieren. Dann sind wir auch abgesichert, falls er einst die wertvollen Vasen von Bekannten zerschlagen sollte. Eltern, die sich eine teure Babyausstattung zugelegten, können allenfalls noch bei der Hausratsversicherung die Ver­si­che­rungs­sum­me anpassen. Ist bei uns nicht der Fall. Das Baby erbt alles vom großen Bruder.

Welche Absicherung für Kinder sonst noch sinnvoll sein könnte, erfahren Sie im Beitrag „Kind versichern„. Noch mache ich mir aber über eine Unfallversicherung für Kinder oder eine eine Zahn­zu­satz­ver­si­che­rung für Kin­der keine Gedanken. Erstmals soll das Kleine gesund auf die Welt kommen.

Überreste von Böllern, Silvester-Raketen und Scherben liegen auf den Straßen. Garniert wird die Sauerei von herzförmigen Plastik-Konfetti – abgeschossen von sogenannten Konfetti-Kanonen. Und das in Zeiten, in denen sich alle über Plastikmüll beklagen und sogar Trinkhalme verboten werden sollen.

So präsentiert sich Berlin, als wir Anfang Januar nach längerem Schweiz-Aufenthalt wieder zurückkommen. Der Müll zeugt davon, was sich in der Silvesternacht hier abspielte. Die ganze Stadt wird dann jeweils zum Kriegsgebiet. Da werden Raketen gezündet und Böller geschossen, als müsste man sich gegen einen Feind verteidigen.

Ich verstehe diese Tradition nicht

Selbst Freunde von uns, die eigentlich sonst vernünftig sind und sehr auf das Geld achten, verpuffen so unnötig viele Euro. Ich weiß, ich klinge jetzt wie ein Moralapostel, aber ich verstehe diese „Tradition“ einfach nicht!

Zusätzlich muss man tierisch aufpassen, dass einem ein Geschoss nicht trifft. Eine Bekannte von mir hat mal ein Stück Böller ins Auge bekommen. Danach dauerte es Wochen, bis sie wieder normal sehen konnte. Und sie hatte Glück. Nicht wenige verlieren ihre Sehkraft ganz oder haben noch mit ganz anderen Spätfolgen zu kämpfen. Und das alles für ein bisschen Silvester-Spaß.

Jetzt ist es genau sechs Monate her, seit wir unser Leben in der Schweiz aufgaben. Umzug, neuer Job, neue Wohnung, neue Betreuung für unseren Sohn, neue Stadt, neue Schwangerschaft. Irgendwie ist in dieser Zeit so viel passiert, wie ich sonst in drei Jahren erlebe…

Bin ich hier angekommen? Ich glaube noch nicht wirklich. Es gab einfach zu viel zu erledigen, um richtig in das Berliner Leben einzutauchen. Das wird dann mein Vorsatz für das Jahr 2020 werden. Nun aber fahren wir über Weihnachten erstmals für zwei Wochen in die Schweiz. Ein halbes Jahr haben wir Berlin nicht verlassen. Und etwas Heimweh habe ich manchmal schon. Ein paar Sachen fehlen eben doch:

Freunde

Ich habe in Berlin zwar ein paar Freunde und treffe in meinem Umfeld viele nette Menschen. Doch mit den langjährigen Freundschaften aus der Schweiz ist das nicht vergleichbar. Was mir in meinem Kiez auch noch fehlt, sind Kontakte zu Müttern mit gleichaltrigen Kindern. Solche, mit denen man einfach mal spontan zusammen auf dem Spielplatz geht oder bei schlechtem Wetter einen Kaffee trinkt, während sich die Kinder beschäftigen.

Käse

Ich weiß, ich erfülle hier voll ein Klischee. Aber wir Schweizer stellen nun mal den besten Käse der Welt her. In Deutschland ist dieser zwar erhältlich, aber oft sehr teuer. So war die Freude groß, als ich in unserem Supermarkt echten Greyerzer zum Aktionspreis entdeckte. Ebenso groß war die Ernüchterung beim Kosten. Der schmeckte nur säuerlich, sonst nach nichts. Jedenfalls nicht so, wie ein Greyerzer schmecken sollte. Eigentlich eine Frechheit, was die Schweizer da nach Deutschland liefern.

Selbstbedienungskassen

Wenn man schon schlechten Käse kriegt, so will man an der Kasse wenigsten nicht lange anstehen müssen. Zu Stoßzeiten ist das aber in Berlin so. Und dann wird man von der Verkäuferin auch noch angemotzt, weil man mit Karte bezahlen will. Selbstbedienungskassen, so wie sie in der Schweiz fast in jedem Supermarkt stehen, gibt es kaum. Ich weiß, das ist eine sehr egoistische Sicht. Self-Scanning-Kassen nehmen Arbeitsplätze weg und so… Aber unheimlich praktisch sind sie eben trotzdem.

Berge

Noch so ein Klischee. Dabei fehlen mir gar nicht die schneebedeckten Alpen, so wie sie auf den Postkarten zu sehen sind. Schließlich bin ich im Kanton Aargau aufgewachsen – dem Flachland der Schweiz. Das dies nicht stimmt, merke ich, als ich bei meinen Eltern auf einen Hügel spaziere. Ich schnaufe wie ein Walross. Die ganze Kondition ist weg. Nicht verwunderlich, denn Berlin ist wirklich flach. Höchstens wenn man die U- oder S-Bahn nimmt, geht es mal ein paar Treppenstufen hoch. 

Kürzere Distanzen und weniger Dichtestress

Die Schweizer (zumindest die Zürcher) haben das Gefühl, Zürich ist eine Großstadt. Dabei ist eigentlich alles schnell erreichbar. Nicht so in Berlin. Irgendwie ist hier alles weit. 60 Minuten in der S-und U-Bahn, um zur Arbeit zu pendeln oder schnell mal die Freundin im anderen Kiez zu besuchen – alles ganz normal. Gut möglich, dass es länger dauert, wenn mal wieder „Schienenersatzverkehr“ angesagt ist.

Hinzu kommen die übervollen U-Bahnen. Da kann man zu Stoßzeiten schon glücklich sein, wenn man einen Stehplatz ergattert. In der Schweiz hat man immer das Gefühl, dass es zu eng wird und mittlerweile zu viele Menschen im Land leben. Doch aus der Ferne erscheint mir dieses Gerede von Dichtestress ganz schön lächerlich.

Warum will sich in Berlin kein Arzt um Kinder kümmern? Jedenfalls kommt mir das so vor, die medizinische Versorgung in diesem Bereich ist echt eine Zumutung. Nach langem rumtelefonieren finde ich endlich eine Ärztin, die meinen Sohn und ab März auch mein Neugeborenes betreuen will. Aufgenommen werden wir nur, weil wir im gleichen Quartier leben.

Und so pilgere ich an einem Montagmorgen dort hin, weil Söhnchen nach einer Erkältung mit Fieber lauter rote Punkte im Gesicht hat. Ich bin genau dann dort, als die Praxis öffnet, da ist das Wartezimmer schon übervoll. Drei Stunden warte ich, bis ich endlich in das Sprechzimmer darf.

Die Ärztin ist bald 80

Eine Frau mit Buckel sitzt da, ich schätze, dass sie auf die 80 zugeht. Wie lange wird sie noch praktizieren? Jedenfalls scheint sie viel Energie zu haben. Die Untersuchung läuft zackig ab, sie zimpert auch nicht lange rum, als sich Söhnchen die Herztöne partout nicht abhören lassen will.

Eigentlich ganz sympathisch, diese Ärztin mit der Berliner Schnauze. Nur so richtig sagen, was der Kleine denn hat, kann sie nicht. Ein herpesartiger Infekt, meint sie. Sie gibt mir Zäpfchen mit und und erteilt Söhnchen drei Tage lang Kita-Verbot.

Mitten am Tag verheißt ein Anruf von der Kita selten was Gutes. Und so wird mein Mann in die Kindertagesstätte bestellt, weil sich Söhnchen dort eine trockene Speiselinse in das Nasenloch gestopft hat und diese nicht wieder rauszukriegen ist. Und das ausgerechnet am Frei­tag­nach­mit­tag, wenn alle Berliner Ärzte bereits im Wochenende sind. Die Betreuerin empfiehlt meinem Mann, für die Operation Linsen-Entfernung in ein Krankenhaus zu fahren.

Das nächstgelegenste Krankenhaus schickt ihn gleich weiter zu einem größeren mit Hals-Nasen-Ohren-Abteilung (HNO). Also fahren die beiden durch die halbe Stadt in einen Kindernotfall, ganz versteckt im Keller eines riesigen Krankenhauses. Über 20 Kinder und ihre Eltern sitzen im ewig langen Flur – einige können kaum stehen vor Schmerzen, andere kommen lediglich wegen einer Lappalie.

Von der Linse fehlt jede Spur

Eine Linse in der Nase ist definitiv kein richtiger Notfall. Trotzdem ist es unangenehm und könnte in die Luftröhre gelangen – ein Arzt muss also zumindest mal schauen, ob alles in Ordnung ist. Auf diesem Kindernotfall sehe ich genau einen Arzt gesehen, nachdem ich etwa gegen 17 Uhr dazu gekommen bin, um meine Männer moralisch und mit Proviant zu unterstützen.

So heißt es warten, warten, warten, warten. Während die Zeit nur so dahin kriecht, rennt unser Dreijähriger fröhlich den langen Gang auf und ab – Spielsachen oder zumindest ein paar Kinderbücher gibt es in dieser sterilen Umgebung keine. Als nach 6 Stunden gegen 22 Uhr der Notfallarzt und dann nochmals ein HNO-Spezialist endlich in Söhnchens Nase leuchten, fehlt von der Linse jede Spur. Vermutlich hat er sie ausgeniest oder runtergeschluckt.

Kindernotfallpraxen können Rettungsstellen entlasten

Erst im Nachhinein erfahre ich, dass es in Berlin vier Notfallpraxen für Kinder gibt, um eben solche Rettungsstellen zu entlasten. Gut möglich, dass auch die uns in ein größeres Krankenhaus mit HNO-Abteilung geschickt hätten. Immerhin hätten wir uns vorab telefonisch beim ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117 informieren können. Vielleicht hätte uns das viel Warterei erspart.

Meine Ärztin fährt mit ihrem Ultraschallgerät über meinen inzwischen riesigen Bauch. Größe, Herz, Gliedmaßen – alles normal, sagt sie nach der Untersuchung. „Nur beim Kleinhirn bin ich mir nicht sicher, ob es eine Bananenform hat.“ Und eine Bananenform würde auf einen offenen Rücken hinweisen.

Einen offenen Rücken? Spina bifida? Wird mein Baby vielleicht niemals laufen können oder sonst schwer behindert sein? Was bedeutet dies für uns als Familie? Eigentlich sagt mir mein Gefühl, dass es meinem Baby gut geht. Täglich kann ich es spüren, es strampelt in der 22. Woche schon kräftig. Mein Mann und ich sind trotzdem aufgewühlt und verwirrt, doch wir können nur abwarten…

Darauf hätte ich lieber verzichtet

Denn in Deutschland führen häufig spezielle Feindiagnostik-Praxen die großen Ultraschall-Untersuchungen durch. Nicht der eigentliche Frauenarzt, sondern ein Spezialist schaut sich mit seinen modernen Geräten die Organe des Babys genau an, um Fehlbildungen auszuschließen. Warum meine Ärztin sich nur wenige Tage vor meiner Feindiagnostik-Untersuchung auch noch einen Ultraschall durchführte, ist mir nicht ganz klar.

Per Gesetz steht mir zwar dieser Ultraschall zu. Doch im Nachhinein hätte ich lieber darauf verzichtet. Natürlich ist es ihre Pflicht, mich über einen solchen Verdacht zu informieren. Doch ob es in meinem Fall etwas gebracht hätte, weiß ich nicht.

Keine Bananenform

So schleichen sich also die Tage bis zur Feindiagnostik dahin, ich bin nervös, schlafe schlecht. Endlich sitze ich in der Praxis und als der Arzt mit seiner Sonde wieder über meinen Bauch fährt, gibt er mir sofort Entwarnung.

Gehirn ist normal, keine Bananenform, der Rücken ist nicht offen und auch sonst ist das Baby quietschfidel. Es lag bei der ersten Untersuchung nur ungünstig. Ich habe Tränen in den Augen und mir bewusst, dass ein gesundes Kind keine Selbstverständlichkeit ist.

Wir sind zwar bereits im August eingezogen, doch diese drei Zimmer richten sich nur langsam ein. Insbesondere ist die Grundausstattung im Vergleich zu Schweizer Wohnungen niedriger und es gab darum viel zu besorgen:

  • Küchengeräte: Bei uns gibt es zwar im Gegensatz zu vielen anderen deutschen Wohnungen eine Einbauküche, den passenden Kühlschrank, den Herd und die Spülmaschine mussten wir allerdings neu besorgen.
  •  Waschmaschine: In den meisten Schweizer Mehrfamilienhäusern gibt es im Keller eine Waschküche für alle Bewohner, es war deshalb nie nötig eine Waschmaschine zu kaufen. Nun habe ich eine und finde das ziemlich praktisch. Endlich kann ich waschen, wann ich will und muss mich an keine Pläne mehr halten.
  • Badezimmer-Möbel: In den meisten Schweizer Wohnungen gehören zumindest ein Spiegelschrank sowie Halter für die Badetücher zur Ausstattung eines Badezimmers. In Deutschland bringt dies hingegen jeder Mieter selbst mit.
  • Kleiderschrank: Mein Riesenkleiderschrank passte leider nicht in den Umzugswagen. Haben deshalb über Ebay einen neuen, alten gekauft.
  • Garderobe: Auch unsere alte Garderobe passt nicht mehr. Eine neue musste her.
  • Adapter für Steckdosen: Viele unserer technischen Geräte verfügen über Schweizer Stecker. Nur passen diese nicht in die deutschen Steckdosen rein. Wir mussten deshalb viele Adapter kaufen.
  • Gardinen: In der Schweiz waren bisher alle unsere Wohnungen zumindest mit Rollläden ausgestattet. In Deutschland gilt es möglichst schnell dafür zu sorgen, dass nicht alle Nachbarn reinschauen können.

Söhnchen will sich am Morgen nicht anziehen, Hose doof, Jacke doof, Schuhe doof. Doof nur, dass ich irgendwann arbeiten und er in der Kita sein muss. Unter Gebrüll ziehe ich ihn an und bin einfach nur froh, als wir die Wohnung endlich verlassen. Ich knalle die Tür zu und vergesse, dass der Schlüssel drinnen im Schloss steckt.

Bei den meisten Berliner Wohnungen ist dies äußerst doof. Denn sie sind mit Schnappschlössern ausgestattet. Zieht man einmal die Türe von außen zu, bleibt sie das auch und man kommt nur noch mit Schlüssel wieder rein.

75 Euro kostet Schlüsseldienst

In unserem Fall geht aber auch selbst das nicht, da ja der Schlüssel innen im Schloss steckt. Mir bleibt also nicht anderes übrig, als den Schlüsseldienst zu rufen. In 15 Sekunden hat er die Tür geöffnet, zuschauen darf ich nicht. Sonst würde er ja seinen Trick verraten. Das kostet 75 Euro. Einfach nur doof.

Die kritische 12-Wochen-Grenze ist überstanden, das Kind gemäß Ultraschall-Feindiagnostik gesund, die Übelkeit weg und der Bauch wird langsam etwas sichtbar. Meine Schwangerschaft ist also offiziell, was eigentlich ein Grund zur Freude ist. Mulmig ist mir dennoch zumute, als ich meinem Chef davon erzähle. Schließlich habe ich erst vor zwei Monaten in der Firma begonnen und da wird man eigentlich nicht gleich schwanger.

Verständlicherweise macht mein Chef auch keine Luftsprünge, als er davon erfährt. Denn solch eine Schwangerschaft kostet einem Unternehmen Zeit und Geld – insbesondere wenn ein Mitarbeiter gerade neu angefangen hat. Hinzukommt, dass schwangere Arbeitnehmerinnen im Vergleich zur Schweiz sehr gut geschützt sind. Die Unterschiede:

  • Kündigung: Schwangere sind unkündbar, im Vergleich  zur Schweiz auch während der Probezeit.
  • Vor der Geburt: Sechs Wochen vor der Geburt darf eine Schwangere in den Mutterschutz gehen. In der Schweiz arbeitet man theoretisch bis die Wehen einsetzen.
  • Nach der Geburt in der Schweiz: 14 Wochen nach der Geburt hat die Schweizerin Mutterschaftsurlaub. Danach ist sie wieder kündbar und muss zurück an den Arbeitsplatz, wenn ihr das Unternehmen nicht unbezahlten Urlaub genehmigt.
  • Nach der Geburt in Deutschland: Der Mutterschutz hält bis acht Wochen nach der Geburt an. Danach kann man in Deutschland bis zu drei Jahre Elternzeit beziehen. Diese darf man sich mit dem Vater aufteilen und ist während dieser Zeit unkündbar.
  • Schweizer Väter: Diese erhalten nach der Geburt in der Regeln einen Tag frei. Kürzlich hat das Parlament zwei Wochen Vaterschaftsurlaub bewilligt. Die Angst ist nun groß, dass die ganze Wirtschaft zusammenbricht.

Theoretisch könnte ich also als deutsche Arbeitnehmerin jetzt im Büro Däumchen drehen, mich gleich krankschreiben lassen und mein Chef dürfte mich dann für die nächsten drei Jahre nicht rausschmeißen. Nicht verwunderlich, dass diese Tatsache so manchem Unternehmen Bauchschmerzen bereitet.

Selbstverständlich werde ich ganz normal weiterarbeiten, ich bin ja schwanger nicht krank. Und wenn man sich nicht täglich übergeben muss macht das Schreiben und Recherchieren auch mehr Spaß. Mein Chef gratuliert mir dann auch mit Blumen, was mich sehr freut. Bis zur Geburt vergehen ja noch viele Monate.

In der Schweiz habe ich mir selten Gedanken gemacht, ob ich für das Alter genügend abgesichert bin. Über meinen Arbeitgeber zahlte ich automatisch in die betriebliche Rente (BVG) ein, zusätzlich hatte ich ein Vorsorgekonto bei meiner Bank, über das ich Steuern sparen konnte – das wars, viel mehr Möglichkeiten gibt es nicht.

In Deutschland ist das mit der Altersvorsorge wesentlich komplizierter. Eigentlich ist nur eines klar: Ist man nur mit der gesetzlichen Rente versichert, droht die Altersarmut. Also muss man selbst aktiv werden und hat dabei die Qual der Wahl.

Wie soll man da den Durchblick behalten?

Soll es jetzt eine Riester-Rente, Rürup-Rente oder betriebliche Altersvorsorge sein? Ein bisschen hilft es mir, dass ich über diese Themen fast täglich schreibe. Aber eben nur ein bisschen. Und wie soll da bloß ein Durchschnittsbürger den Überblick behalten? Eigentlich nicht verwunderlich, dass viele das Thema auf die lange Bank schieben.

Ich glaube, ohne Fachperson kommt man da nicht weiter. Zum Glück sind diese bei uns im Haus. Ich frage meine Kollegen um Rat. Wir führen ein langes Gespräch, dann gibt es ein Angebot. Zusätzlich schließe ich eine Berufsunfähigkeitsversicherung ab. Denn auch hier ist man in Deutschland schlecht abgesichert. Dabei wird jeder Vierte irgendwann mal berufsunfähig…

Gleichzeitig mit unserem zweiten Umzug wird auch unser Sohn in der Kita eingewöhnt. Das dauert etwa vier Wochen – egal, ob ein Kind vorher schon eine Kita besucht hat oder nicht. Wir sind in der glücklichen Lage, dass die Oma ihn bei der Eingewöhnung begleitet. Wie machen denn das Eltern sonst, die in einer neuen Stadt eine Arbeitsstelle antreten?

Trotzdem glaube ich, dass die langsame Eingewöhnung ihren Sinn hat. Jedenfalls nimmt sich eine Betreuerin viel Zeit für Söhnchen, so dass er langsam in seiner neuen Umgebung ankommen kann. Diese besteht aus unterschiedlichen Spiellandschaften auf drei Etagen verteilt – es gibt eine Werkstatt und Bastelräume, Klettertürme, Bücherecken, Spielküchen und eine kleine Turnhalle im Haus.

Die Kinder können sich im Gebäude mehr oder weniger frei bewegen und sich meist damit beschäftigen, wonach ihnen gerade ist. Der riesige Spielplatz im Garten bietet viel Platz zum Austoben – mir kommt das alles vor wie eine Villa Kunterbunt.

Kostenlose Betreuung

Etwa 80 Kinder besuchen diese Kita, für Berliner Verhältnisse ist das eher wenig, im Vergleich zur Schweiz viel. Die Betreuer sind liebevoll, aber ich glaube, eine Fachperson ist für mehr Kinder als in der Schweiz zuständig. Ich mache mir etwas Sorgen, dass Söhnchen in diesem ganzen Trubel untergeht, doch dies scheint nicht der Fall zu sein. Wenn ich ihn bringe oder abhole, ist die Atmosphäre ruhig und ich sehe, dass die Kinder genügend Rückzugsmöglichkeiten haben.

Jedenfalls weint er nicht mehr beim Abgeben wie in Zürich und beim Abholen möchte er manchmal fast nicht mehr gehen. Ob es nun an der Kita liegt, weiß ich nicht genau. Vielleicht ist er auch einfach älter geworden und er ist mehr an diese Kita gewöhnt, weil er nun jeden Tag dort hin geht. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass dies für uns Eltern fast kostenlos ist.

In der Schweiz wäre so viel Betreuung gar nicht bezahlbar und es ist gesellschaftlich auch nicht angesehen, sein Kind an fünf Tagen pro Woche in die Kita zu schicken. Ich denke aber, dass Söhnchen durch diese Vollzeitbetreuung selbständiger und sozialer wird. Wie sagt man so schön: Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.

Endlich, Mitte August werden wir in unser eigenes Reich ziehen. Nichts gegen Hotel-Schwiegermama, aber immer nur aus Koffern zu leben, ist auf die Dauer ganz schön anstrengend. Die Ernüchterung erfolgt bei der Wohnungsübergabe: Auf den ersten Blick sieht zwar unsere neue Bleibe ganz sauber aus, doch bei genauerem Hinschauen ist überall Dreck.

Verschmutzte Böden, ein voller Aschenbecher auf dem Balkon,  Staubberge in den Heizungen, verstopfte Abwasserrohre, Speisereste in den Küchenschränken und eine kaputte Spülmaschine haben uns unsere Vormieter hinterlassen. Als wir unseren Vermieter darauf hinweisen, zuckt er nur mit den Schultern. In Berlin müssen Wohnungen eben Besenrein abgegeben werden und das kann viel heißen.

Ich bin unendlich dankbar, dass mein Mann kurz vor unserem Einzug nochmals eine Putzaktion startet – zwei Tage ist er damit beschäftigt. Der Einzug klappt dafür dank unseren Freunden wie am Schnürchen.

Bricht man seine Zelte in einem Land ab, gilt es viele administrative Dinge zu erledigen. Aber mindestens so viel gibt es zu tun, wenn man sich im neuen Land wieder einrichtet. Das wäre:

  • Bank: Verdient man in Deutschland Geld, braucht man ein deutsches Konto. Also gehe ich zur nächsten Bankfiliale in Berlin. Doch dort schickt man mich gleich wieder weg. Erstens muss man lange im Voraus einen Termin buchen und zweitens in Berlin angemeldet sein. Nur bin ich noch im Bundesland Brandenburg registriert bis wir im August unsere Berliner Wohnung beziehen. Für diese kurze Zeit zu einer Branderburger Bank zu gehen, erscheint mir zu kompliziert. Also eröffne ich ein Konto bei einer Online-Bank. Geht einfach. Der Nachteil: Obwohl meine Bank angibt, dass man praktisch an jedem Bancomaten Bargeld beziehen kann, klappt dies in der Praxis bei den meisten nicht.
  • Telefonanbieter: Eine neue Handynummer zu erhalten, ist da schon einfacher. In den Filialen der deutschen Telefonanbieter nimmt man mich gerne als Kundin. Ich schließe einen Vertrag ab und kriege ein neues Handy dazu. Sicher gibt es günstigere Angebote. Aber ehrlich gesagt fehlt mir zum langen Vergleichen die Muße.
  • Strom und Internet: Noch bevor wir unsere Wohnung beziehen, suchen wir uns einen Internet- und Stromanbieter – im Unterschied zur Schweiz muss man als Vermieter selbst entscheiden, über wen man den Strom bezieht. Und wieder mal ist die Auswahl groß.
  • Steuererklärung: Wir sind gerade in Deutschland angekommen und schon klopft die Schweizer Steuerbehörde an. Es gilt, innerhalb von wenigen Tagen die Steuererklärung auszufüllen. Für das halbe Jahr gibt es übrigens die elektronische Steuererklärung nicht – ich muss auf die Papierform zurückgreifen. Davor graut es mir jetzt schon. Telefonisch verlängere ich die Frist auf den September.
  • Anmeldung in Berlin: Im August ziehen wir in unsere Berliner Wohnung. Danach hat man zwei Wochen Zeit, um sich bei der Behörde anzumelden. Als ich aber elektronisch einen Termin vereinbaren will, ist bis Mitte September in der Stadt alles ausgebucht. Ich kann mich also erst dann registrieren.
  • Führerausweis: Ja, wir Schweizer haben einen Führerausweis – so steht es zumindest auf meiner Fahrerlaubnis, was viele Deutsche sehr lustig finden. Nun soll ich diesen aber in einen deutschen Führerschein umtauschen. Auch dafür muss ich wieder elektronisch einen Termin bei einer Behörde vereinbaren. Natürlich über Wochen ausgebucht. Ich verschiebe das Unterfangen auf später – denn für den Umtausch habe ich ein Jahr Zeit.
  • Kinderarzt: Natürlich, auch Kinderärzte sind in Berlin knapp. Im ganzen Umzugsstress vergesse ich es immer wieder, einen Telefonmarathon zu starten. Eine Bekannte gibt mir den Tipp, einfach zu einem Arzt zu gehen, wenn Söhnchen irgendeine Beschwerde hat. Werde ich wohl so machen müssen.

„Vielleicht haben wir im November einen Termin“, heißt es bei vielen Frauenarzt­praxen, bei denen ich anrufe. November? Dann bin ich schon kugelrund. Und auch wenn mich meine Übelkeit jeden Tag an meine Schwangerschaft erinnert, würde ich sie dennoch gerne von einem Profi bestätigen lassen.

Nur gibt es in Berlin zu wenig Gynäkologen, wie ich bei bei meinem Telefonmarathon feststelle. Am Ende kriege ich den entscheidenden Tipp – eine Ärztin in Friedrichshain nimmt noch Patientinnen auf. Ihre Praxis ist zwar nicht gerade um die Ecke, aber das ist besser als nichts.

Auch Hebammen gibt es viel zu wenige

Nachdem ich im Ultraschall das erste Mal das kleine Herzchen hab schlagen sehen, bin ich stolze Besitzerin eines Mutterpasses. Im A5-Format großem Heftchen sind Untersuchungsergebnisse und anstehende Termine festgehalten. Und man sollte dieses wie ein Personalausweis immer bei sich haben. Finde diesen Mutterpass aber ganz schön groß. Kreditkartenformat wäre praktischer.

Übrigens muss ich schon jetzt in der 8. Schwangerschaftswoche eine Hebamme suchen. Denn auch diese sind in Berlin rar gesät und schnell ausgebucht. Schon Glück werde ich über das Berliner He­bam­men­ver­zeich­nis noch fündig.

In den nächsten Wochen habe ich keine Zweifel mehr an meiner Schwangerschaft – ständig ist mir schlecht. Fast kein Lebensmittel schmeckt mir mehr. Und dann erst diese Gerüche. Gebratenes, der Inhalt eines Kühlschrankes, Parfüm, Zigaretten, Schweiß und sogar der Duft des Pizzaladens unter unserem Büro – ich halte es fast nicht aus, wenn es danach riecht.

Schon bei meiner ersten Schwangerschaft war mir etwas übel, doch mit regelmäßigem Essen und Ingwertee hatte ich das ganz gut im Griff. Doch nun übergebe ich mich täglich während der Arbeit. Die denken sicher, ich leide unter Bulimie.

Hinzu kommt die Müdigkeit. Ich könnte nur noch schlafen und gehe fast jeden Abend um acht Uhr ins Bett. Vom Sommer kriege ich nicht viel mit. Bin einfach zu schlapp. Schließlich gilt es trotz allem, bei der Arbeit eine Leistung zu erbringen. Und das ist möglich. Arbeite mich in die Finanz- und Versicherungsthemen langsam rein und lerne jeden Tag dazu.

Innert Sekunden erscheinen zwei blaue Striche. Ich sitze auf dem Klo unserer Firma und starre den Schwangerschaftstest immer wieder an. Eigentlich wollte ich diesen nur zur Sicherheit machen, da meine Tage schon seit einigen Wochen ausbleiben und mir etwas schlecht ist. Positiv. Der Zeitpunkt könnte nicht schlechter sein, schließlich arbeite ich erst seit zwei Wochen im neuen Job.

Gleichzeit freut sich mein Mutterherz auch, denn wir haben uns immer ein zweites Kind gewünscht. Bevor wir uns dazu entschieden haben, nach Deutschland auszuwandern, haben wir eineinhalb Jahre nach Plan und sogar mit der Hilfe von Medikamenten geübt. Doch nichts passierte.

Familienplanung verschoben

Als der Umzug konkret wurde, verschoben wir die Familienplanung auf später. Ehrlich gesagt habe ich nicht gelaubt, dass es auf natürlichem Wege klappen könnte. Denn schon bei Söhnchen war das mit der Schwangerschaft ziemlich kompliziert und mit 38 Jahren bin ich nicht mehr die Jüngste.

Jetzt hat es einfach so eingeschlagen – ausgerechnet im größten Umzugsstress. Wie bringe ich das meinem Chef bei? Gut, das hat noch ein bisschen Zeit. Denn in den ersten Wochen kann viel passieren. Zur Sicherheit mache ich am nächsten Tag einen erneuten Test – zwei blaue Striche…

In zwei Wohnungen könnten wir einziehen. Wir entscheiden uns für die mit dem Aufzug (ist praktisch mit kleinen Kindern) und der Einbauküche. Dem anderen Vermieter sagen wir ab, was diesen so ziemlich sauer macht. Per Mail droht er uns mit einer Klage.

Doof, dass wir keine Rechts­schutz­ver­si­cher­ung haben. So begründen wir unsere Absage nochmals schriftlich und hören danach glücklicherweise nichts mehr von ihm.

Ewig bei der Schwiegermutti können wir nicht bleiben. Es gilt also, möglichst schnell eine Wohnung zu finden. Unsere Anforderungen:

  • möglichst nahe bei der Kita
  • mindestens drei Zimmer
  • keine Bruchbude
  • bezahlbar
  • kinderfreundlich
  • wenn möglich, eingebaute Küche

Wir sind also nicht unendlich flexibel und ich stelle mir schon vor, wie ich mit 100 anderen Leuten um eine Wohnung buhle. Noch etwas macht mich beim Durchlesen der Wohnungsinserate stutzig: Viele verlangen eine Staffelmiete. Will heißen, die Miete steigt jedes Jahr um zwei oder drei Prozent. Was soll das? Wollen die mich möglichst schnell los werden?

Dossier mit Lebenslauf und Foto 

Am Ende finden wir doch einige Angebote, die passend erscheinen. Und bei den Besichtigungen bin ich überrascht, dass es verhältnismäßig wenig Interessenten sind. Liegt das vielleicht daran, dass wir außerhalb des Stadtzentrums suchen oder verstehe ich als Zürcherin einfach etwas anderes unter Wohnungsnot?

So oder so: Gegen etwa zehn Mitbewerber pro Wohnung müssen wir uns doch durchsetzen. Also bringen wir zu jeder Besichtigung ein Dossier mit allen relevanten Unterlagen mit – inklusive Kurzlebenslauf mit Foto von unserer Familie. Zusätzlich rufen wir den Vermieter meistens schon vor oder nach der Besichtigung persönlich an.

Biedern wir uns an?

Dieses Vorgehen kritisieren gewisse Bekannte als anbiedernd, was ich für Quatsch halte. Ich als Vermieter würde jedenfalls etwas über meine künftigen Bewohner wissen wollen. Wichtig ist einfach, dass man authentisch bleibt. Nach etwa vier Besichtigungen haben wir tatsächlich zwei Angebote auf dem Tisch. Nun gilt es, eine Entscheidung zu fällen.

Blumen stehen an meinem Arbeitsplatz, meine Büro-Gspändlis (Kollegen) sind sympatisch und es gibt Gratis-Kaffee. Das sind doch gute Zeichen für einen Neu-Anfang im Job. Darin bin ich nicht mehr geübt, habe ich doch acht Jahre lang in der gleichen Firma gearbeitet.

Ungewohnt ist die Ruhe in den Büroräumlichkeiten bei transparent-beraten.de. Bis auf das Tastaturgeklapper und das Rauschen des Mehringdamms hört man wenig. Ganz anders in meiner alten Redaktion in einem Newsroom. War ein ständiges Gewusel, Leute telefonierten oder schrien durch das Großraumbüro, ob man schon die neuste Nachricht gesehen habe. Und wenn es mal ruhig war, dann wurden Besuchergruppen durch den Newsroom geführt.

Die Stille ist nützlich

Die Stille erweist sich als sehr nützlich, denn wer über Finanz- und Versicherungsthemen schreibt, muss bei der Sache sein. Obwohl ich einst eine Ausbildung als Versicherungskauffrau gemacht habe, ist vieles neu für mich.

Auch gibt es etliche Unterschiede zwischen den deutschen und Schweizer Ver­si­che­run­gen – etwa bei der betrieblichen Altersvorsorge, über die ich in den nächsten Monaten noch viele Artikel schreiben werde.

Noch eine Woche bleibt mir, bevor mein neuer Job losgeht. Und schon wieder stehen Behördengänge an. Da wir erst einmal bei meiner Schwiegermutter untergekommen sind, die im Bundesland Brandenburg lebt, melde ich mich dort in der Gemeinde an. Keine große Sache, einfach hingegen und schon ist man im Dorf registriert.

Mit dem passenden Dokument kann ich nun das Ausländeramt über meinen Zuzug nach Deutschland informieren. Vielleicht geht das in Brandenburg ja schneller als in Berlin. Denkste. So muss man erstmal zu diesem Amt hinkommen, das sind 50 Autominuten oder fast zwei Stunden mit dem öffentlichen Verkehr. Nach meiner Ankunft wird mir eine Nummer zugeteilt, dann heißt es Warten in der großen Empfangshalle.

„Sie können gleich wieder nach Hause gehen“

Ich starre auf den Bildschirm, bis endlich meine Nummer angezeigt wird. Doch es tut sich nichts. Eine Stunde, zwei Stunden, zweieinhalb Stunden… Und das Wetter ist so schön draußen. Plötzlich taucht sie auf: meine Nummer! Ich werde in ein kleines Büro zitiert, hinter dem Pult macht sich ein schmächtiger Mann breit und sagt mir, dass ich an einem anderen Tag wieder kommen soll. Grund: Meine Gemeinde habe irgendwelche Daten noch nicht übermittelt.

Am liebsten würde ich mich jetzt auf den Boden legen und toben, so wie das mein Sohn (2,5) manchmal tut. Doch mein Erwachsenen-Ich sagt: Ruhig bleiben. Ich erkläre ihm so sachlich wie möglich meine Situation und zeige ihm den Stapel mit meinen Papieren. Der schmächtige Mann schickt mich raus und wieder muss ich warten. Gefühlte zehn Monate später holt mich eine Sekretärin und erledigt die Anmeldung. Geht fix. In etwa sechs Wochen darf ich meinen Ausländerausweis abholen. Dabei muss man persönlich vorbei kommen, versteht sich.

Um sechs Uhr klingelt der Wecker, ich packe Söhnchen im Pyjama in den Kinderwagen und fahre zum Hauptbahnhof Zürich. Ein letztes Mal gehen wir in der Migros Proviant einkaufen, über neun Stunden Zugfahrt liegen vor uns. Klar, mit dem Flugzeug wären wir schneller gewesen, doch ich wollte genügend Zeit haben, um mein “altes Leben” hinter mir zu lassen – sozusagen ein langsamer Abschied. Obwohl: Es fühlt sich grad so an, als würden wir in den Urlaub fahren.

Von meinem Mann erfahre ich, dass der Zoll nach der Übernachtung an der deutschen Grenze inzwischen grünes Licht gegeben hat und sie auf den deutschen Autobahnen unterwegs sind. Sämtlichen Umzugshelfern in Berlin geben wir Bescheid, dass sie statt am Samstagmorgen am -abend Kisten schleppen müssen. Natürlich können nicht alle und wir müssen auf die Schnelle neue Leute finden.

Es ist schon am Eindunkeln, als mein Mann beim Haus seiner Mutter mit dem Lastwagen angekommt und die restlichen Möbel dort auslädt. Todmüde sind er und seine Mitfahrer, doch alles ist heil geblieben. Einziger Wermutstropfen: Weil wir den gemieteten Lastwagen zu spät abgeben, zahlen wir etwa 500 Euro drauf.

Ging das schnell, heute wandern wir tatsächlich aus. Am Morgen noch schnell die Wohnungsübergabe mit unseren Nachmietern, mein Mann holt den Umzugswagen bei der Mietstation ab. Ich gehe mit meinem Zweijährigen das letzte Mal zu unserem Spielplatz, bevor ich ihn zu meiner Schwester bringe.

Wir packen die letzten Koffer, putzen das letzte Schränkchen, dann kommen auch schon unsere Zügelhelfer (Umzugshelfer). Fahren will mein Mann mit zwei Freunden über Nacht. Trotz angekündigten Gewittern bleibt es ein lauer Sommerabend. So transportieren wir unsere Sachen im Trockenen zum Lastwagen und es passt tatsächlich alles rein. Wir sind so früh fertig, dass sogar noch Zeit bleibt, um vor unserem Haus bei Pizza und Bier nochmals zu quatschen.

Übernachten an der deutschen Grenze

Allerdings gibt es ein Problem. Denn ein Freund, der meinem Mann beim Fahren des Lastwagens helfen wollte, taucht nicht auf. Er sollte an diesem Abend von Berlin nach Zürich fliegen, doch das Flugzeug hat mehrere Stunden Verspätung. Wir warten und warten, am Ende kommt er gegen 9 Uhr an.

Was wir trotz sorgfältiger Planung nicht beachteten, ist, dass der Zoll um 22 Uhr schließt. Tatsächlich kommen mein Mann und seine Mitfahrer kurz vor zehn an der deutschen Grenze an und werden nicht mehr durchgelassen. Sie müssen dort bleiben und schlafen auf einer Parkbank.

Meine Situation ist vergleichsweise komfortabel. Ich übernachte bei meiner Schwester und nehme am nächsten Morgen mit meinem Sohn den Zug nach Berlin. Schlaf kriege aber auch ich nicht viel, bin zu aufgeregt.

In dem ganzen Umzugstrubel versuche auch, alle meine Freunde nochmals zu treffen, feiere meinen Abschied bei meinem alten Job und in der Krippe meines Sohnes. Auf eine Abschiedsparty verzichten wir. Das wäre jetzt einfach zu viel. Lieber nehme ich mir für jeden einzelnen Freund nochmals so richtig Zeit und wir versprechen uns, dass wir uns ganz bald wiedersehen.

Und natürlich bin ich auch in dieser stressigen Zeit in erster Linie Mutter und will, dass unser zweieinhalbjähriger Sohn möglichst gut versorgt wird. Einen Teil der Betreuung übernehmen die Kita, meine Schwester, Eltern und Freunde. Doch die meiste Zeit bleibt Söhnchen bei uns.

Das heißt, ein Elternteil packt, der andere beschäftigt sich mit ihm. Vieles erledigen wir auch abends, wenn er schläft. Söhnchen spürt natürlich die Veränderung, ist anhänglicher und trotzt mehr als sonst. Wir erklären ihm immer wieder, dass wir bald in einer neuen Wohnung leben, doch für ein so kleines Kind ist das wohl schwer greifbar.

Wo leben wir jetzt?

Apropos Wohnung: Hier hat sich immer noch nichts getan. Von der Schweiz aus zu suchen, bringt auch nichts. Denn sind die Wohnungen im Netz ausgeschrieben, findet die Besichtigung meistens am nächsten Tag statt. So werden wir in der ersten Zeit bei meiner Schwiegermutter etwas außerhalb von Berlin leben. Dies ist auch praktisch, da die Kita erst im August losgeht und sie Söhnchen im Juli betreut.

Unsere Sachen deponieren wir zum einen in ihrem Haus und zum anderen in ihrer Gartenlaube. Dann hat mein Mann noch eine kleine Wohnung in Berlin aus Studentenzeiten, die ebenfalls als Zwischenlager dienen wird. Wir schreiben also auf jede Kiste, wo sie genau hin muss.

Erstaunlich, da sind wir doch erst vor eineinhalb Jahren in diese Wohnung gezogen und es hat sich so viel angesammelt. Immerhin habe ich die Ausrede, dass man eben für ein Kind einiges braucht. Trotzdem mache ich mich an die Mission Gnadenlos-Aussortieren, die mir so semi-gut gelingt.

Etwa so: In diesen roten Stöckelschuhen kriege ich nach fünf Minuten Blasen und ich habe sie in den letzten fünf Jahren deswegen auch nie getragen, aber man weiß ja nie. Vielleicht verkleinern sich ja irgendwann meine Füße und ich brauche genau diese Schuhe ganz dringend. Und sie sind ja zu schön, um sie in die Kleidersammlung zu geben. Ach.

Den Umzugswagen fährt mein Mann

Aufräum-Coach Marie Kondo würde mir jetzt sicher die Leviten lesen. Aber glücklicherweise kann ich mir ja sowas nicht leisten. Und so lasse ich am Ende zwar einiges zurück, die Kisten stapeln sich trotzdem. Das Packen ist übrigens eine Wissenschaft für sich. Denn unser Hab und Gut wird ja nicht einfach einige Straßen, sondern 800 Kilometer weit transportiert. Da soll nichts in die Brüche gehen bei der langen Reise.

Doch passt überhaupt alles in den Lastwagen, den wir gemietet haben? Denn wir haben uns gegen eine Umzugsfirma entschieden. Mein Mann will unser Mobiliar selbst nach Berlin fahren. Dieses müssen wir übrigens auf einer Liste dokumentieren, so will es der Zoll.

Wir wollen möglichst wenig Dreck zurücklassen

Dann gilt es die alte Wohnung noch für den Nachmieter in Schuss zu bringen. Normalerweise nehmen es die Vermieter mit der Sauberkeit sehr genau. So wird bei einer Wohnungsübergabe jede Ritze auf Staubkörner untersucht, doch wir haben Glück.

Mit unseren Nachmietern einigen wir uns, dass wir die Wohnung nur Besenrein abgeben, sie dafür aber eine Woche früher einziehen können. Trotzdem verbringen wir viele Stunden mit Putzen. Denn es ist komisch, den eigenen Dreck zurückzulassen. Mein Nacken tut schon vor dem eigentlichen Umzug weh.

Bei meinem Abmelde-Marathon fällt mir plötzlich auf: Wir müssen bereits jetzt einige Sachen in Deutschland regeln. Beispielsweise stehe ich am Tag meiner Ausreise komplett ohne Versicherungsschutz da.

Schnell schließen wir eine Haftpflicht-, Hausrats– und Krankenversicherung ab. Da mein neuer Arbeitgeber ein Versicherungsberater ist, bin ich an der Quelle. Meine künftigen Kollegen geben mir Tipps für die Wahl der richtigen Versicherung.

Kinder sind kostenlos in der Krankenversicherung mitversichert

War eigentlich erstaunlich einfach. So brauchte ich meine neue deutsche Krankenversicherung lediglich telefonisch zu informieren und schon bin ich Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung. Und mein Sohn ist gleich mitversichert.

In der Schweiz haben wir für ihn hingegen eigene Beiträge bezahlt. Das geht genau so wie die Kita-Gebühren ins Geld. So verlangen Kinderkrippen in der Schweiz für eine Betreuung von zwei Tagen schnell mal über 1.000 Franken, also rund 1.000 Euro.

Die Folge: Mindestens ein Elternteil (meistens die Frau) arbeitet in einem kleinen Pensum oder gar nicht, weil die Betreuung einen großen Teil des Gehaltes auffrisst.

Glücklicherweise muss ich im Juni fast nicht mehr arbeiten. Doch ich habe einen neuen Job: Umzug vorbereiten und den ganzen Bürokratiekram erledigen. Ich fange mit der Bürokratie an – ich glaube, in diesem Monat verbringe ich mehr Zeit bei irgendwelchen Ämtern oder Firmen als mit meinem Mann.

Diese Ämter und Firmen habe ich alles besucht

  • Kreisbüro: Das ist in Zürich soviel wie ein Einwohnermeldeamt. Hier melde ich mich Anfang Juni offiziell aus der Schweiz ab.
  • Steueramt: Auch das Steueramt will mich kurz vor meiner Abreise nochmals sehen. Dort erfahre ich, dass ich für dieses halbe Jahr in der Schweiz nochmals eine Steuererklärung ausfüllen darf. Ich freue mich schon. Wenigstens kann ich dieses Jahr etwas Geld sparen, in dem ich noch kurz vor der Abreise Geld von meinem Bankkonto in meine Altersvorsorge überweise.
  • Krankenkasse: Bei meiner Krankenkasse melde ich mich ebenfalls persönlich ab und sistiere unsere Zusatzversicherungen. Geht einfacher vor Ort.
  • Betreibungsamt: Sucht man eine Wohnung, muss man beweisen, dass man schuldenfrei ist. In Deutschland macht man dies mit der Schufa. Nur bin ich nicht sicher, ob ich diese dort so schnell erhalte. Deshalb hole ich auf dem Betreibungsamt zur Sicherheit die Schweizer Version davon mit dem wohlklingenden Namen “Betreibungsregisterauszug”.
  • Bank: Es gilt noch einige Formalitäten zu erledigen, bevor ich als Auslandschweizerin mein Bankkonto weiterführen darf. Dazu braucht es viele Unterschriften von mir und eine Adresse in Deutschland. Ich gebe diejenige meiner Schwiegermutter an.
  • Telefonanbieter: Meinen festen Vertrag löse ich im Shop meines Telefonanbieters auf und kaufe eine SIM-Karte. So kann ich meine Schweizer Natelnummer, Entschuldigung Handynummer, behalten. Dies mache ich nicht nur aus nostalgischen Gründen, sondern auch um weiterhin Online-Banking betreiben zu können.
  • Post: Weil wir nicht wollen, dass unsere Nachmieter mit unseren Rechnungen belastet werden, leiten wir unsere Post um. Allerdings an meine Eltern in der Schweiz. Nach Deutschland ist die Umleitung wesentlich teurer.
  • Telefonische Abmeldung: Mit weiteren Unternehmen erledige ich meine Auswanderung telefonisch oder im Internet – da wäre die Abmeldung beim Stromanbieter, beim Eintreiber von Radio- und TV-Gebühren, beim Fitness-Center…. Habe ich was vergessen? Wahrscheinlich schon.

Vor unserem Mehrfamilienhaus bildet sich eine lange Schlange. Schon eine halbe Stunde vor der eigentlichen Wohnungsbesichtigung warten die Leute. In den nächsten zwei Stunden laufen weit über 100 Leute durch unsere vier Wände und löchern uns mit Fragen. Viele möchten, dass wir für sie eine gutes Wort einlegen, doch bei dieser Masse haben wir keine Chancen, den Überblick zu behalten. Wir müssen Anmeldeformulare nachdrucken. Am Ende sind es 80.

Damit mussten wir rechnen, denn bezahlbare Wohnungen sind in der Stadt Zürich heiß begehrt. Mir wird allerdings gerade bewusst, dass ich mein Zuhause abgebe und “obdachlos” werde. Denn bezahlbare Bleiben sind auch in Berlin Mangelware. Was ist wenn wir nirgends unterkommen? Fühle mich etwas heimatlos. Gleichzeitig wächst auch die Vorfreude.

Die Arbeitsstelle und die Wohnung sind gekündigt, ein kurzes Schreiben hat dafür gereicht. Eigentlich erstaunlich, wie einfach das geht. Verbringt man doch so viel Zeit im Job und in den eigenen vier Wänden.

Wesentlich komplizierter erscheint mir, dass die ganzen Verträge auch richtig abgewickelt werden. Bank- und Versicherungskram also, mit dem man sich im Alltag nur wenig beschäftigt. Ich wende mich an meinen Schweizer Versicherungsmakler. Eine Beraterin nimmt sich für meinem Mann und mich zwei Stunden Zeit. Danach wissen wir, was alles zu tun ist.

Abmelden: Wir müssen der Einwohnerkontrolle mitteilen, dass wir das Land verlassen. Diese wird uns dann eine Abmeldebestätigung geben. Möglich ist dies allerdings erst einen Monat bevor wir auswandern.

Krankenversicherung: Sobald die Abmeldebestätigung da ist, können wir unsere Krankenversicherung kündigen. Ein Problem sind die Zusatzversicherungen. Denn kommen wir irgendwann in die Schweiz zurück, werden wir dort allenfalls nicht mehr oder zu schlechteren Bedingungen aufgenommen. Schmerzhaft könnte dies bei der Zahnzusatzversicherung meines Sohnes sein, die kieferorthopädische Behandlungen abdeckt. Denn wäre bei unserer Rückkehr in die Schweiz schon klar, dass er eine Zahnspange braucht, zahlt die Versicherung  nichts mehr. Und Zahnkorrekturen kosten in der Schweiz schnell mal so viel wie ein Kleinwagen.

Unsere Beraterin rät uns deshalb, die Versicherung zu sistieren – also auf Eis zu legen, damit wir später wieder zu den alten Bedingungen einsteigen können. Bei meiner Krankenversicherung erfahre ich später, dass dies höchstens für drei Jahre möglich ist. Bleiben wir also länger, ist der Versicherungsschutz fuscht. Na super.

Rente: Über den Arbeitgeber spart praktisch jeder Schweizer Geld für seine Rente an, die eine Pensionskasse verwaltet. So hat sich auch auf unseren Vorsorgekonten in den letzten Jahren einiges angesammelt. Nur was machen wir mit unserer beruflichen Vorsorge (BVG)?

Weil wir das Land verlassen, dürfen wir uns die Summe theoretisch auszahlen lassen. Wir könnten es dann anlegen oder damit ein Häuschen kaufen. Wir entscheiden uns aber dafür, das Geld in der Schweiz auf einem Freizügigkeitskonto zu lassen. Schließlich handelt es sich um unsere Altersvorsorge und die sollte man nicht leichtfertig aus dem Fenster hinaus werfen.

Weiter sparen Schweizer mit der AHV ( Alters- und Hinterlassenenvorsorge) für das Alter an, die den Grundstock der späteren Rente bildet. Gerne würden wir weiterhin Beiträge einzahlen, damit keine allzu große Beitragslücke entsteht. Bei der AHV-Anlaufstelle erfahren wir aber, dass dies nicht möglich ist.

Bank: Sobald ein Schweizer das Land verlässt, verlangen Banken hohe Gebühren. 200 bis 1000 Franken pro Jahr sind normal. Ist das Vermögen zu gering, darf das Bankkonto gar nicht mehr weitergeführt werden. Hier gilt es, Gebühren bei unseren Banken abzufragen und zu prüfen, ob es allenfalls kostengünstigere Lösungen gibt, um das Geld weiterhin in der Schweiz anzulegen. Allerdings muss man dabei bedenken, dass für den Wechsel zu einer anderen Bank ebenfalls Geld verlangt wird. Wichtig ist auch der Service, der die Schweizer Bank bietet. Also ob Online-Banking weiterhin möglich ist und ob man mit einer EC-Karte Geld beziehen kann.

Nach einem langen Gespräch mit meiner Bank, beschließe ich letztendlich mein Geld dort zu lassen. Mein Mann löst hingegen sein Konto auf und überweist sein Vermögen auf meines. Dank diesem Betrag sind wir für meine Bank genug interessant. Die Gebühren bei meiner Bank sind vergleichsweise gering, wir können Onlinebanking machen und haben eine EC-Karte. Ehrlich gesagt, habe ich auch nicht genügend Energie und Zeit, um alle möglichen Optionen zu prüfen. Denn es bleiben nur noch zwei Monate bis zum großen Tag.

Hausrat- und Sachversicherungen: Hier ist die Sache relativ einfach, ich brauche meinem Versicherungsmakler lediglich meine Abmeldebestätigung aus der Schweiz zu schicken und die Hausrat– und Haftpflichtversicherung sind gekündigt. Weitere Versicherungen wie eine KFZ-Haftpflichtversicherung haben wir nicht. Wir besitzen ja nicht mal ein Auto.

Bevor das neue Berliner Leben beginnen kann, müssen wir unser altes in der Schweiz zuerst abschließen. Klingt so absolut, aber Versicherungen und Verträge können wir nicht so einfach weiterlaufen lassen. Ich frage das Internet nach Checklisten. Laut der Auslandschweizer-Organisation Soliswiss muss ich unter anderem folgende Punkte beachten:

  • Aufenthaltsbewilligungen: Die Schweizer Botschaft sagt mir, dass ich eine Ausländerbewilligung in Deutschland brauche. Sonst eigentlich nichts.
  • Sprache: Muss ich glücklicherweise nicht mehr lernen. Gut, meinen Schweizer Akzent bringe ich nicht so einfach weg. Bisher haben mich die Deutschen aber ganz gut verstanden.
  • Impfungen: Ist in Deutschland nicht anders als in der Schweiz. Eine Sorge weniger.
  • Krankenkasse: Meine alte muss ich kündigen, eine neue muss her. Doch wie funktioniert dies in Deutschland?
  • Bankverbindungen: Kann ich mein Konto behalten und wie komme ich in Deutschland an ein neues?
  • Altersvorsorge: Verlasse ich das Land, kann ich diese in der Schweiz nicht mehr weiterführen.
  • Kündigung: Verträge für Strom, die Wohnung, Telefonie, TV und Radioanschlüsse, Versicherungen müssen rechtzeitig gekündigt werden. Nicht zu vergessen, muss ich meinen Arbeitgeber über die Pläne in Kenntnis setzen (Quelle).

Kita-Notstand, Wohnungsnot und sogar Ärztemangel: Kaum haben wir uns für Berlin entschieden, werden wir überall auf die prekären Umstände dieser Stadt aufmerksam gemacht. Doch es gibt kein Zurück, die Abreise Ende Juni steht fest. Nur wo soll die Planung unseres neuen Lebens anfangen?

Wir entscheiden uns, zuerst die Betreungsfrage zu klären. Denn was bringt uns eine tolle Wohnung, wenn wir in der Nähe keine Kita finden? Wir schreiben in Stadtteilen, die für uns zum Leben in Frage kommen, alle möglichen Kindertagesstätten an. Absagen, Absagen, Absagen.

Ein bisschen nehme ich das Ganze persönlich. Warum will sich niemand um meinen Sohn kümmern? Klar, Kitas in Berlin sind beinahe kostenlos. Doch was nützt uns das, wenn wir keinen Platz finden? Irgendwann kommt die erlösende Mail. Eine Kita in Treptow ist bereit, ab August unseren Sohn aufzunehmen. Noch dazu eine in einem schönen Haus mit großem Garten und tollem Betreuungskonzept. Bei soll viel Glück wird es auch mit der Wohnung klappen.

Schuld ist mein Mann. Er hat bereits im Januar eine neue Stelle in der Region Berlin ergattert. Zürich –  Berlin. Das sind etwa 800 Kilometer. Zu weit, um regelmäßig zu pendeln oder eine Wochenendbeziehung zu führen. Die Lösung: Ich muss mit.

Man warnt mich: “Es ist schwer, in Deutschland als Redakteurin einen Job zu finden. Gerade in Berlin ist der Markt übersättigt.” Werde ich etwa als Hausfrau enden? Können wir uns nicht leisten und ist auf Dauer langweilig. Ich durchforste die Stellenanzeigen im Internet. Und siehe da: transparent-beraten.de sucht genau mich. Ein Bewerbungsschreiben, ein Gespräch und die Sache ist geritzt. Die Entscheidung den Arbeitsvertrag zu unterschreiben, fiel mir leicht.

  • Meine neue Arbeit ist interessant. Und nach einem Jahrzehnt im Newsjournalismus lerne ich viel Neues.
  • Berlin ist toll. Ich habe dort bereits als Studentin gelebt und pflege noch immer Freundschaften. Auch mein Mann hat einen großen Freundeskreis. Schließlich ist er in Berlin aufgewachsen.
  • Die Oma lebt hier und wir können bei der Kinderbetreuung auf ihre Unterstützung zählen. Besonders bei der Kita-Eingewöhnung ist diese Hilfe goldwert.
Dieser Artikel wurde zuletzt am 29.01.2020 aktualisiert.
Über den Autor
Maja Sommerhalder
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