Differenzdeckung: Das sollten Sie wissen!

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von Munkhjin Enkhsaikhan
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Das erwartet Sie hier

In welchen Fällen Sie eine Differenzdeckung benötigen und wie diese funktioniert. Inklusive Fallbeispiel

Inhalt dieser Seite
  1. Was ist eine Differenzdeckung?
  2. Bei welchen Versicherungen ist es möglich?
  3. Wie funktioniert die Differenzdeckung? (inkl. Beispiel)
  4. Wann brauche ich eine Differenzdeckung?
  5. Fazit

Das Wichtige in Kürze

  • Mit einer Differenzdeckung wird der bestehende Versicherungs­schutz aufgestockt bzw. erweitert.
  • Am häufigsten wird die Differenzdeckung im Rahmen eines Anbieterwechsels genutzt.
  • Eine Differenzdeckung kann immer nur in Zusammenhang mit einem Grundvertrag abgeschlossen werden, obwohl es 2 eigenständige Verträge sind.
  • Im gewerblichen Bereich ist auch eine befristete Differenzdeckung möglich.

Was ist eine Differenzdeckung?

Die Differenzdeckung – manchmal auch als Umbrella-Deckung oder Exzedenten-Deckung bezeichnet – ist eine Versicherungs­police, die einen bestehenden Versicherungs­schutz mit einer zusätzlichen Vereinbarung aufstockt oder erweitert.

Für den Versicherungs­gegenstand existieren dann 2 Verträge:

  • der ursprüngliche Vertrag (Grund- oder Basisvertrag)
  • sowie die Vereinbarung zur Differenzdeckung, die sich auf die Ursprungs-Police bezieht.

Differenzdeckungen gibt es also immer nur zusammen mit einem Grundvertrag, auf den sie sich beziehen. Dennoch handelt es sich um eigenständige Verträge!


Anbieterwechsel als häufigster Grund

Differenzdeckungen werden in der Regel bei einem anderen Anbieter abgeschlossen als bei der Versicherung des Ursprungs-Vertrags. Denn hier ist eine Ausweitung des Versicherungs­schutzes üblicherweise im Rahmen einer Anpassung des bestehenden Vertrags möglich. Ein separater Vertrag wird nicht benötigt. In sehr vielen Fällen geht es bei Differenzdeckungen um die Aufstockung von Versicherungs­summen, weil sich die ursprünglich vereinbarte Versicherungs­summe als zu niedrig erwiesen hat.

Arten der Differenzdeckung

  1. Geht es um eine Erhöhung der Versicherungs­summe, spricht man von einer Summendifferenzdeckung. Der Begriff bezieht sich also auf die Erweiterung der Versicherungs­summe bzw. -leistung.
  2. Eine Konditionsdifferenzdeckung bezieht sich auf die Erweiterung des Versicherungs­umfangs – das heißt, es werden in der Differenzdeckung Versicherungs­gegenstände erfasst, die im ursprünglichen Grundvertrag nicht abgedeckt werden.

In welchen Fällen sind Differenzdeckungen möglich?

Differenzdeckungen können sowohl bei Versicherungen im privaten Bereich als auch bei Gewerbe­versicherungen vereinbart werden.

Differenzdeckung bei privaten Versicherungen

Bei privaten Versicherungen kommen Differenzdeckungen vor allem in folgenden Sparten in Betracht:


GAP-Deckung für die Kfz-Versicherung

Eine besondere Art von Differenzdeckung gibt es in der Kfz-Versicherung. Sie wird auch unter der Bezeichnung GAP-Deckung vermarktet. Die GAP-Deckung ist ein Kasko-Versicherungs­schutz, der auf geleaste oder kreditfinanzierte Fahrzeuge ausgerichtet ist. Bei der GAP-Deckung übernimmt die Versicherung bei Totalschäden oder Totalverlust die Differenz zwischen dem Wiederbeschaffungswert – der üblicherweise von der „normalen“ Kasko-Versicherung ersetzt wird – und dem Abrechnungswert aus dem Leasingvertrag bzw. dem Wert der noch zu leistenden Kreditraten.

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Differenzdeckung bei gewerblichen Versicherungen

Im gewerblichen Bereich sind Differenzdeckungen in folgenden Sparten möglich:


Besonderheiten je nach Versicherer

Nicht jeder Versicherer bietet Differenzdeckungen an. Wenn Angebote bestehen, erstrecken diese sich oft auf ganz bestimmte Versicherungs­arten. Manchmal werden auch Differenzdeckungen „nach dem Baukasten-Prinzip“ angeboten. Dann kann mit einer „Differenz-Police“ der Versicherungs­schutz gleich bei mehreren bestehenden Versicherungen aufgestockt bzw. erweitert werden.

Differenzdeckung „auf Zeit“

Im gewerblichen Bereich oder bei Freiberuflern werden Exzedenten-Versicherungen (also Versicherungen, die die Differenzdeckung übernehmen) häufiger „auf Zeit“ abgeschlossen, um das besondere Risiko eines einzelnen Auftrags oder Mandats abzudecken. Beispiel: Ein Steuerberater übernimmt ein Mandat, bei dem es um besonders viel Geld geht. Die bestehende Vermögens­schaden­haftpflicht­versicherung würde im Schadensfall nicht ausreichen. Daher wird für diesen Fall eine Exzedenten-Versicherung zur Schließung der Deckungslücke vereinbart.

Wie funktioniert die Differenzdeckung?

Differenzdeckung bis Ablauf des Grundvertrages

In der Regel ist die Differenzdeckung so gestaltet, dass sie längstens bis zum Ablauf des Grundvertrages gilt. Zum Teil sind auch kürzere zeitlichen Befristungen vorgesehen. Mit dem Ende der Summen- und Konditionsdifferenzdeckung wird der Versicherungs­vertrag dann automatisch als „normale“ Versicherung mit vollem Versicherungs­umfang weitergeführt. Folglich sind an diesem Zeitpunkt auch die Beiträge in voller Höhe zu leisten, nicht nur die Beiträge für die „Differenzleistung“.

Sie entscheiden über den Grundvertrag

Bezüglich des Grundvertrags kann der Versicherungs­nehmer entscheiden, ob:

  • er diesen generell beibehält (die Differenzdeckung dient in diesem Fall als Dauer-Zusatzschutz)
  • oder ob er den Grundvertrag zu einem geeigneten Zeitpunkt kündigt und – nach Vertragsablauf – durch die zunächst als Differenz-Schutz gewählte Versicherung ersetzt.

Für das Ende der Differenzdeckung und Fortführung im Rahmen eines normalen Versicherungs­vertrags spielt es keine Rolle, ob die Kündigung ordentlich erfolgt ist oder ob von einem Sonder­kündigungsrecht Gebrauch gemacht wurde. Entscheidend ist das zeitliche Ende des Grundvertrags.

Leistungen: erst der Grundvertrag, dann die Exzedenten-Versicherungen

Im Schadensfall tritt die Differenzdeckung grundsätzlich immer „nachrangig“ ein – das heißt, zunächst muss der Versicherungs­nehmer seine Ansprüche gegenüber der Versicherung des Grundvertrags geltend machen. Erst wenn der Versicherer des Grundvertrags anzeigt, dass er den Schaden nicht oder nicht in vollem Umfang abdeckt, kommt die Differenzdeckung zum Zug.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist der Schaden dann auch der Differenzdeckungs-Versicherung zu melden. Leistungs­ausschlüsse im Grundvertrag gelten üblicherweise auch für die Differenzdeckung. Verweigert die Versicherung des Grundvertrags wegen grober Vertragsverletzungen die Leistung, tritt auch die Differenzdeckungs-Versicherung nicht ein.

Was kostet eine Differenzdeckung?

Die Beiträge werden normalerweise auf der Basis einer entsprechenden Voll­versicherung beim Differenzdeckungs-Anbieter kalkuliert. Davon wird der Beitrag abgezogen, der bei einer Versicherung zu den Bedingungen des Grundvertrags gilt. Der sich so ergebende Differenzbeitrag gilt bis zur der Umstellung der Differenzdeckung auf die Voll­versicherung.

Fallbeispiel Steuerberater

Ein Steuerberater hat eine Vermögens­schaden­haftpflicht­versicherung mit einer Versicherungs­summe von 250.000 Euro pro Schadensfall abgeschlossen (gesetzlich vorgeschriebene Mindest­­versicherungs­summe). Mit einer Differenzdeckung stockt er diesen Betrag auf 500.000 Euro auf.

Im Rahmen eines Mandats kommt es zu einem Vermögens­schaden von 600.000 Euro. Die Kostenübernahme gestaltet sich dann wie folgt:

KostenWer übernimmt?
Vermögens­schaden­haftpflicht­versicherung250.000 Euro
Differenzdeckung250.000 Euro
Der Steuerberater selbst100.000 Euro

Durch die zusätzliche Differenzdeckung muss der Steuerberater nur 100.000 Euro aus eigener Tasche zahlen, anstatt 350.000 Euro.

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Wann kommt die Differenzdeckung in Betracht?

Differenzdeckungen kommen immer dann in Betracht, wenn der bestehende Versicherungs­schutz nicht mehr ausreicht und eine Aufstockung bzw. Erweiterung des Versicherungs­schutzes nötig ist. Ohne die Möglichkeit der Differenzdeckung müsste dazu ein neuer Versicherungs­vertrag mit Komplettdeckung abgeschlossen werden. Der alte Vertrag würde dann zunächst mindestens so lange weiterlaufen, bis eine Kündigung möglich wäre. Im „Zwischen-Zeitraum“ bestünde eine unnötige Doppel­versicherung mit entsprechend doppelten Beitrags­zahlungen. Diese wirtschaftlich ungünstige Situation kann durch die Vereinbarung einer Differenzdeckung vermieden werden. Sie stellt sozusagen eine Art vorgezogener Versicherungs­wechsel dar, der dann später in den neuen Vertrag mündet.

Experten-Tipp:

„Eine Frage ist, ob eine Differenzdeckung als „Dauerzustand“ gestattet wird. Die Versicherer lassen dies in der Regel nicht zu. In den meisten Fällen wird eine Differenzdeckung längstens bis zum Ende der Vertragslaufzeit des ursprünglichen Versicherungs­vertrags ermöglicht. In Ausnahmefällen wird eine maximale Laufzeit von immerhin 3 Jahren gestattet.“

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Martin Hacker
Berater

Nicht für den Wechsel zum günstigeren Anbieter geeignet

Differenzdeckungen machen grundsätzlich nur Sinn, wenn tatsächlich eine höhere oder verbesserte Versicherungs­leistung angestrebt wird. Wenn es nur darum geht, zu einem günstigeren Anbieter mit gleichwertigem Versicherungs­schutz zu wechseln sollten die üblichen Laufzeiten bzw. Kündigungsfristen abgewartet werden. Dann kann die bestehende Versicherung fristgemäß beendet werden und ein neuer Versicherungs­schutz lässt sich so vereinbaren, dass er sich nahtlos anschließt.

Fazit

Wenn Sie feststellen, dass Ihre Versicherung Sie nicht ausreichend absichert, kündigen Sie den Vertrag und schließen einen neuen ab. Da es beim alten Vertrag allerdings in der Regel eine Kündigungsfrist gibt, dauert es ein paar Wochen oder Monate, bis der neue Vertrag den alten auch wirklich ersetzt. Diesen Zeitraum überbrücken Sie mit einer Differenzdeckung.

Bei Gewerbe­versicherungen kommt es auch oft vor, dass eine befristete Differenzdeckung eingesetzt wird, etwa, wenn ein einzelner Auftrag besonders risikoreich ist. So beteiligt sich im Falle eines Schadens auch die Differenzdeckung an der Kostenübernahme.

Differenzdeckung immer mit Grundvertrag

Beachten Sie, dass eine Differenzdeckung zwar mit einem eigenständigen Vertrag geschlossen wird, dies jedoch immer nur im Zusammenhang mit einem Grundvertrag möglich ist. Die Differenzdeckung hat dann auch die gleiche Laufzeit. Auch leistet im Schadensfall immer zuerst der Grundvertrag – und dann die Differenzdeckung.

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