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Private Pflege­versicherung – Typische Schadensfälle

Wie verhalte ich mich im Schadensfall? Lesen Sie hier, wie Sie am besten vorgehen sollten. Anhand von drei Beispielfällen wird deutlich, welche Kosten auf Betroffene ohne private Pflegeversicherung zukommen.
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Wie verhalte ich mich im Schadensfall?

Sobald Sie ihre private Pflegeversicherung im „Schadensfall“ in Anspruch nehmen wollen, wird ihr Versicherer einen Gutachter bestellen. Sollten Sie nicht privat vollversichert sein, wird der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) den Gutachter zu Ihnen entsenden. Andernfalls ist für Sie der private Dienstleister Medicproof zuständig. Alle Anbieter einer privaten Pflegeversicherung erkennen nur Gutachten von diesen beiden Institutionen an. Die Ausnahme bilden unabhängige Gutachten, die von einem Gericht bestellt worden sind.

Ihre Untersuchung durch einen Gutachter ist die notwendige Voraussetzung dafür, dass ihre private Pflegeversicherung leistet. Ihre Einstufung in einen Pflegegrad ist für den Versicherer bindend. Nutzen Sie den Termin, um mit dem bestellten Gutachter Ihren Fall ausführlich zu besprechen. Je gründlicher Sie Ihre Situation schildern, desto genauer kann das Gutachten angefertigt werden.

Auch Leistungen wie eine Pflegekraft oder unterstützende Geräte (z. B. Treppenlift) werden bevorzugt durch den Versicherer gestellt. Ihre private Pflegeversicherung will Ihr direkter Ansprechpartner sein. Nutzen Sie daher die gebotenen Möglichkeiten, um Pflegeeinrichtungen und Pflegepersonal entsprechend Ihren Anforderungen auszuwählen.

Beispielfall 1: Querschnittslähmung nach Unfall

Herr Maier ist 30 Jahre alt, verheiratet und arbeitet als Handwerker. Bei einem schweren Verkehrsunfall zieht er sich Verletzungen zu und ist seitdem querschnittsgelähmt. Dadurch benötigt Herr Maier eine ganzheitliche Betreuung und wird in den Pflegegrad 4 eingestuft.

Querschnittslähmung – Ohne private Absicherung

Die ambulante Betreuung des querschnittsgelähmten Handwerkers kostet monatlich rund 3.700 Euro, die stationäre Betreuung würde rund 3.500 Euro im Monat kosten. Bei Pflegegrad 4 zahlt die gesetzliche Pflegeversicherung einen Betrag von 1.612 Euro, sowohl für ambulante und 1.775 Euro bei stationärer Pflege. In diesem Fall entsteht eine Versorgungslücke von knapp 2.100 Euro bei ambulanter Pflege. Ist eine stationäre Pflege nötig, beträgt die Finanzierungslücke etwa 1.700 Eurodie der Patient bzw. seine Familie selbst dazuzahlen müsste.

BERATER-TIPP

„Dieses Beispiel zeigt auch, dass nicht nur ältere Menschen pflegebedürftig sind. Es kann jeden von uns treffen. Man sollte sich daher frühzeitig mit dem Thema auseinandersetzen.“

Querschnittslähmung – mit privater Pflegeversicherung

Am besten wäre es für den Handwerker, wenn er in diesem Fall spätestens mit 27 Jahren eine private Pflegeversicherung abgeschlossen hätte, denn bei einigen Pflegeversicherungen gibt es Karenzzeiten (Wartezeiten) von bis zu 36 Monaten, bevor vom Versicherten Leistungen in Anspruch genommen werden können. Wenn Herr Maier zu dieser Zeit eine Versicherung abgeschlossen hätte, würde der monatliche Beitrag für eine Pflegetagegeldversicherung bei 9,30 Euro und für eine Pflegerentenversicherung bei 49,96 Euro liegen.

Beispielfall 2: Demenzerkrankung

Frau Schwarz ist 60 Jahre alt und Single, als sie an Demenz erkrankt.

Demenzerkrankung – Ohne private Absicherung

Demenzkranke erhalten in der Regel zu Beginn ihrer Erkrankung noch keine Unterstützung durch die gesetzliche Pflegeversicherung, auch wenn sie in ihrer geistigen Kompetenz eingeschränkt sind. Erst wenn sich körperliche Symptome zeigen, wird in der Regel ein Pflegegrad vergeben. Allerdings gibt es für Demenzkranke bereits im Frühstadium die Möglichkeit, sich in den Pflegegrad I einordnen zu lassen. Dies ist der Fall, wenn vom Gutachter eine „eingeschränkte Alltagskompetenz“ festgestellt wird.

Höhe der Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung für Demenzkranke ab 2018 (in Euro pro Monat)

Leistungen Pflege­grad 1 Pflege­grad 2 Pflege­grad 3 Pflege­grad 4 Pflege­grad 5
Pflegesach­leistungen für häusliche Pflege 689 € 1.298 € 1.612 € 1.612 € (1.995 € im Härtefall)
Pflege­geld für häusl. Pflege 316 € 545 € 728 € 901 €
Verhinderungs­pflege (Ersatz­pflege bis 6 Wochen / Jahr) 1.612 € 1.612 € 1.612 € 1.612 €
Kurzzeit­pflege (Aufwendungen bis 4 Wochen im Jahr) 1.612 € 1.612 € 1.612 € 1.612 € 1.612 €
Teil­stationäre Tages-und Nachtpflege bis zu 125 € Entlastungs­beitrag 689 € 1.298 € 1.612 € 1.995 €
Zusätzl. Betreuungs- und Entlastungs­leistungen 125 € 125 € 125 € 125 € 125 €
Zusätzl. Leistungen für Pflege­bedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen – einmaliger Höchstbetrag 2.500 € pro Person, 10.000 Euro € Wohngruppe
Zusätzl. Leistungen pro Monat für Pflege­bedürftige in ambulant betreuten Wohngruppen 214 € 214 € 214 € 214 € 214 €
Voll­stationäre Pflege 125 € 770 € 1.262 € 1.775 € 2.005 €
Quelle: Bundesministerium für Gesundheit

Demenzerkrankung – Mit privater Pflegeversicherung

Da das Pflegegeld der gesetzlichen Pflegeversicherung in den ersten Pflegegraden nicht besonders hoch ist, lohnt es sich auch in diesem Fall, privat vorzusorgen. Wenn die demenzkranke Frau Schwarz allerdings erst im Alter von 60 Jahren eine solche Versicherung abschließt, ist der monatliche Beitrag enorm hoch. Eine Pflegeversicherung sollte daher so früh wie möglich abgeschlossen werden. Im Alter von 60 Jahren würde der Beitrag zu einer privaten Pflegerentenversicherung 218,80 Euro kosten, der monatliche Beitrag für eine Pflegetagegeldversicherung würde sich auf 59 Euro belaufen.

Beispielfall 3: Schlaganfall

Herr Kleber erleidet mit 45 Jahren einen Schlaganfall. Die Folgen sind, dass er halbseitig gelähmt ist. Daher kann er sich nicht eigenständig Essen zubereiten bzw. sich anziehen und braucht mindestens 3 Stunden am Tag fremde Unterstützung. Das bedeutet für Herrn Kleber die einordnung in den Pflegegrad 2.

Schlaganfall – Ohne private Absicherung

Die ambulante Betreuung von Herrn Kleber würde monatlich 2.217,11 Euro kosten, die stationäre Behandlung sogar 3.025,05 Euro. Die gesetzliche Pflegeversicherung zahlt allerdings für Pflegegrad 3 bei ambulanter Pflege nur 1.298 Euro, bei stationärer Pflege 770 Euro. Der Pflegebedürftige bleibt also ohne private Absicherung auf einem Großteil der Kosten sitzen.

Schlaganfall – Mit privater Pflegeversicherung

Für einen 45-jährigen würde eine Pflegerentenversicherung etwa 132 Euro pro Monat kosten. Die Pflegetagegeldversicherung läge bei ungefähr 23 Euro pro Monat. Wenn die private Pflegeversicherung in jüngeren Jahren abgeschlossen wird, kann dabei viel Geld gespart werden. Zumal man in jedem Alter einen Herzinfarkt erleiden kann und schon früh dafür vorsorgen sollte.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 22.04.2019 aktualisiert.
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Claudia Täubner
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