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Behandlungsfehler im Krankenhaus: Was tun?

Gewappnet mit einer Überweisung ins Krankenhaus hoffen Patienten inständig, von den unerträglichen Schmerzen befreit zu werden. Umso größer ist die Zuversicht, als sich die ersten schmerzbefreienden Untersuchungen und Eingriffe ankündigen. Wider Erwarten plagen den Patienten sehr viel stärkere Schmerzen, sodass sich der Gedanke eines Behandlungsfehlers einschleicht.

Entwicklung der Behandlungsfehler im Krankenhaus

Dem Medizinischen Dienst (MDK) des Bund der Krankenkassen (zur gesetzlichen Krankenversicherung) zufolge wurden im Jahre 2015 rund 4.064 Fälle eines Behandlungsfehlers und 15.000 Beschwerden registriert. Wobei die Dunkelziffer sehr viel höher liegt.

Beispiele für Behandlungsfehler im Krankenhaus

Welche Nachlässigkeit Krankenhäuser an den Tag legen, lässt sich insbesondere an folgenden Beispielen reflektieren:

Lebende Frau wird für tot erklärt

Im Jahre 2013 verunglückte eine 72-Jährige bei einem Verkehrsunfall auf der A23 bei Itzehoe in Schleswig Holstein. Daraufhin erklärten die Notärzte sie für tot. Im Anschluss daran brachte ein Leichenwagen die für tot erklärte Frau in die Pathologie. Bei Öffnung des Leichensacks bemerkte der Bestatter, dass die Frau noch atmete. Sie kam auf die Intensivstation und lag mehrere Stunden im Koma. Trotz einer OP starb sie noch am selben Abend an schweren Kopfverletzungen.

Tupfer im Körper des Patienten vergessen

Ein 71-jähriger Mann wurde im Jahre 2012 am Herzen operiert. Jedoch fehlte nach dem Eingriff ein Tupfer. Während die Kompressen gezählt wurden, tastete der Operateur das Bindegewerbe um das Herz ab. Noch immer blieb der Tupfer verschwunden. Somit nahm der Arzt an, dass einfach falsch gezählt wurde und nähte den Patienten zu. Jedoch steckte der Tupfer noch immer am Herzen. Daraufhin litt der 71-Jährige auf der Intensivstation an hohem Fieber. Bei einer erneuten Untersuchung entdeckte der Arzt den Tupfer. Im Anschluss daran wurde der Tupfer per Not-OP entfernt. Durch den Verbleib des Tupfers erlitt der 71-jährige Mann eine schwere Blutvergiftung, die er aber glücklicherweise überlebte.

Entschädigung bei einem stationären Behandlungsfehler

Für die Durchsetzung etwaiger Schmerzensgeldansprüche infolge Behandlungsfehler spielen nicht nur die objektiven Verletzungen des Patienten eine wichtige Rolle. Somit besteht die Aufgabe des Patientenanwalts darin, dem Richter sämtliche Details mitzuteilen, die für die Bemessung der Schmerzensgeldhöhe notwendig sind. In dem Zusammenhang müssen nicht nur körperliche Schäden, sondern auch seelische Leiden dokumentiert werden. Oftmals berichten die Geschädigten viel zu wenig darüber, welches Leid sie tatsächlich durchmachen mussten und leiden ihr Leben lang an den Folgen des Eingriffs.

Der Geschädigte leidet ein Leben lang unter den Folgen eines Behandlungsfehlers

Umstände wie etwa Zukunftssorgen, Existenzängste und Hilfslosigkeit bis ans Lebensende führen dazu, dass sich das Schmerzensgeld deutlich erhöht. Aber auch Zustände, wie Beeinträchtigungen beim Sport und lange Krankenhausaufenthalte, müssen dem Gericht mitgeteilt werden. Sie wirken sich ebenso auf die Höhe des Schmerzensgeldes aus. Verliert ein Patient aufgrund von Behandlungen bestimmte Organe oder erleidet eine körperliche Behinderung, sollte er sich nicht scheuen die Schwere der Verletzung und ihre Sichtbarkeit unter Beweis zu stellen.[/cbox]

Schmerzensgeld im Falle eines stationären Behandlungsfehlers

Schmerzensgelder, wie sie in den Vereinigten Staaten ausgezahlt werden, sind in Deutschland nicht zu erwarten. Auch wenn Experten die Ansicht vertreten, dass sich die Richter bei der Berechnung von Schadensersatzansprüchen großzügiger zeigen, bleiben die Beträge selbst in spektakulären Fällen noch moderat. Beispielsweise ist deutschen Gerichten eine amputierte Brust, die nach Diagnose auch hätte erhalten werden können, 30.000 Euro wert. Demgegenüber erhielt eine Frau, deren gebrochenen Handgelenk man ohne Betäubung wieder einrichtete, ein Schmerzensgeld von 250 Euro. Dabei erfolgt die Bemessung der Schmerzensgeldhöhe auf Grundlage folgender Faktoren:

  • Schwere der Verletzung
  • vorhandene Folgeschäden
  • Anzahl der Operationen
  • Länge der Krankenhausaufenthalte

Verjährung eines stationären Behandlungsfehlers

Im Rahmen der Verjährung ist es wichtig, dass der Stichtag, der 31. Dezember eines jeden Jahres nicht verpasst wird. Schließlich endet die Verjährung mit Ablauf eines bestimmten Jahres. Da Behandlungsfehler, den Anspruch auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz begründen, beträgt ihre Verjährungsfrist drei Jahre. In dem Fall beginnt die Frist in dem Jahr, in dem der Patient von dem Behandlungsfehler Kenntnis genommen hat. Hat man beispielsweise im Jahr 2012 von einem Behandlungsfehler erfahren, tritt die Verjährung mit Ablauf des Jahres 2015 ein. Da Fachanwälte für Medizinrecht eine gewisse Vorlaufzeit zur Einarbeitung und Prüfung benötigen, sollte so schnell wie möglich eine Fachkanzlei mit dem Fall betraut werden.

Hemmung der Verjährung möglich

Stellt der Patient einen Antrag auf Schlichtung bei einer Schlichtungsstelle für Arzthaftungsfragen, führt dies zur Hemmung der Verjährung. Diese Option den Streit außergerichtlich zu schlichten, begünstigt der Gesetzgeber damit, dass die Hemmung erst sechs Monate nach Ende bzw. Anbruch des Schlichtungsverfahrens erlischt. Eine Hemmung der Verjährung findet auch dann statt, wenn zwischen den Parteien Verhandlungen bestehen. Dahingehend bleibt die Hemmung solange bestehen, bis die Verhandlungen von einer der beiden Parteien abgebrochen werden. Bei Abbruch der Verhandlungen wirkt die Hemmung der Verjährung noch weitere drei Monate.

Möglichkeiten den Behandlungsfehler anzufechten

Eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Arzt gestaltet sich für die meisten zu einer wahrlichen Zerreißprobe ihrer Nerven. Dabei müssen sich schlecht behandelte Patient nicht allein gegen die Praktiken des Arztes durchsetzen:

Rechtlichen Beistand zu Rate ziehen

Patienten, die im Besitz einer Rechtsschutzversicherung sind, haben die Möglichkeit, rechtlichen Beistand in Anspruch zu nehmen. Die Beauftragung eines Anwalts für Arztaftungsrecht hat den Vorteil, dass sie sich einen schnellen Überblick über die Erfolgsaussichten verschaffen können. Sie übernehmen in der Regel sämtlichen Schriftverkehr mit dem Arzt und der jeweiligen Haftpflichtversicherung. Ferner kümmern sie sich darum, dass Gutachten zeitnah angefertigt werden. Demgegenüber weiß der Anwalt genau, gegen wen der Anwalt vorgehen muss. Somit obliegt es ihm, eine drohende Verjährung von Ansprüchen zu verhindern.

Streit durch Schlichtung beilegen

Zur Beilegung von Konflikten zwischen Ärzten und Patienten haben die Ärztekammern der verschiedenen Bundesländer Schlichtungsstellen eingerichtet. Diese sind sowohl mit Juristen als auch mit Ärzten besetzt, die im Streitfall eine Empfehlung aussprechen. Dieses Verfahren bleibt für die teilnehmenden Streithähne kostenlos. Zeigen sich die Parteien mit dem Schlichterspruch nicht einverstanden, können sie immer noch Klage einreichen.

Unterstützung vom medizinischen Dienst der Krankenkassen

Gesetzliche Versicherte, die hinter der Arztpraxis einen Behandlungsfehler vermuten, können eine Beratung beim medizinischen Dienst in Anspruch nehmen. Im Anschluss an die Beratung erstellen die angestellten Ärzte zunächst ein Gutachten, für dessen Erstellung keine zusätzlichen Kosten in Rechnung gestellt werden.

Fazit

So schmerzhaft die Erkenntnis eines Behandlungsfehlers sein mag, sollten Geschädigte die daraus resultierenden Folgen nicht verharmlosen, sondern ihre Patientenrechte in Anspruch nehmen. Hierbei kann ihnen rechtlicher Beistand bei der Durchsetzung ihrer Patientenrechte sehr behilflich sein.

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