Kapitalertragsteuer: Was ist das, wer zahlt sie und wie holen Sie sie zurück?

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Was die Kapitalertragsteuer ist, wer sie zahlt, wie Rentner und Kinder ihre Freibeträge nutzen und wie Sie zu viel gezahlte Steuer zurückholen.

Inhalt dieser Seite
  1. Was ist die Kapitalertragsteuer und wie hoch ist sie?
  2. Wer muss Kapitalertragsteuer zahlen?
  3. Wie nutzen Sie Ihren Freibetrag richtig?
  4. Wie berechnen Sie Ihre Steuerlast Schritt für Schritt?
  5. Wie wird die Kapitalertragsteuer gezahlt?
  6. Häufige Fragen (FAQ)

Das Wichtigste in Kürze

  • 25 % Kapitalertragsteuer behält die Bank auf Zinsen, Dividenden und Kursgewinne ein, dazu 5,5 % Solidaritätszuschlag auf die Steuer und gegebenenfalls Kirchensteuer. Zusammen sind das 26,375 % bis 27,99 %.
  • Rentner und Kinder zahlen grundsätzlich wie alle anderen. Bei geringem Einkommen befreit eine Nichtveranlagungsbescheinigung vom Abzug, oder die Günstigerprüfung holt Steuer zurück.
  • 1.000 € im Jahr bleiben mit dem Sparer-Pauschbetrag steuerfrei, für zusammen veranlagte Ehepaare 2.000 €. Dafür erteilen Sie Ihrer Bank einen Freistellungsauftrag.
  • Zu viel gezahlt? Über die Anlage KAP der Steuererklärung holen Sie die Steuer zurück, etwa bei fehlendem Freistellungsauftrag oder niedrigem persönlichem Steuersatz.
  • Meist nichts zu tun: Banken, Broker und Versicherer führen die Steuer direkt ab. Nur Erträge ohne deutschen Steuerabzug erklären Sie selbst, ebenso Kapitalerträge, wenn Sie den Kirchensteuerabzug gesperrt haben.

Was ist die Kapitalertragsteuer und wie hoch ist sie?

Die Kapitalertragsteuer ist die Steuer, die Banken, Broker und Versicherer direkt von Ihren Kapitalerträgen einbehalten und an das Finanzamt abführen. Sie beträgt 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Mit dem Abzug ist Ihre Einkommensteuer auf diese Erträge in der Regel erledigt.

Was ist die Kapitalertragsteuer?

Die Kapitalertragsteuer, abgekürzt KapESt, ist keine eigene Steuer, sondern eine Erhebungsform der Einkommensteuer. Die auszahlende Stelle zieht sie ab, bevor der Ertrag auf Ihrem Konto ankommt. Das gilt für inländische Erträge und ebenso für ausländische Dividenden und Zinsen, die eine deutsche Bank auszahlt (Quelle: § 43 Einkommensteuergesetz).

Typische Kapitalerträge, auf die Sie Kapitalertragsteuer zahlen:

  • Zinsen vom Girokonto, Tagesgeld- oder Festgeldkonto
  • Dividenden aus Aktien
  • Gewinne aus dem Verkauf von Aktien, Fonds und ETFs
  • Ausschüttungen und Vorabpauschalen von Fonds und ETFs
  • Erträge aus Kapitallebens­versicherungen, die ab 2005 abgeschlossen wurden

Bei Kapitallebens­versicherungen und Renten­versicherungen mit Kapitalwahlrecht, die nach dem 31.12.2004 abgeschlossen wurden, ist der Ertrag steuerpflichtig. Nur die Hälfte versteuern Sie, und zwar mit Ihrem persönlichen Steuersatz statt mit der Abgeltungsteuer, wenn die Auszahlung nach zwölf Jahren Laufzeit und nach Ihrem 60. Geburtstag erfolgt, bei Verträgen ab 2012 nach dem 62. Geburtstag. Mehr dazu auf der Seite Lebens­versicherung und Steuer.


Wie hoch ist sie?

Die Kapitalertragsteuer beträgt 25 Prozent der Kapitalerträge (Quelle: § 43a EStG). Dazu kommt der Solidaritätszuschlag von 5,5 Prozent, berechnet auf die Steuer, nicht auf den Ertrag. Er gilt bei Kapitalerträgen für alle, ohne Freigrenze. Sind Sie Mitglied einer Kirche, fällt Kirchensteuer von acht Prozent (Bayern, Baden-Württemberg) oder neun Prozent (übrige Länder) an.

Ihre LageGesamtsteuersatz auf Kapitalerträge
Ohne Kirchensteuer26,375 % (gerundet 26,38 %)
Mit 8 % Kirchensteuer27,82 %
Mit 9 % Kirchensteuer27,99 %

Rechenbeispiel: Steuersatz ohne Kirchensteuer
Abgeltungsteuer auf Kapitalerträge im Privatvermögen

PostenSatz
Abgeltungsteuer25 %
Plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf1,375 Prozentpunkte
Gesamtsatz ohne Kirchensteuer26,375 %

Mit Kirchensteuer ermäßigt sich die Kapitalertragsteuer um ein Viertel der Kirchensteuer, deshalb steigt die Belastung nur auf 27,82 oder 27,99 Prozent und nicht um die vollen acht oder neun Prozent der Steuer, wie das Beispiel weiter unten zeigt (Quelle: § 32d Absatz 1 EStG).


Kapitalertragsteuer oder Abgeltungssteuer? Was ist der Unterschied?

Beide Begriffe werden oft gleich verwendet, meinen aber Verschiedenes. Die Abgeltungsteuer ist der Steuertarif: 25 Prozent auf Kapitalerträge im Privatvermögen nach § 32d EStG. Die Kapitalertragsteuer ist das Verfahren, mit dem die Bank diese Steuer direkt einbehält. Ist sie abgezogen, gilt Ihre Einkommensteuer auf diese Erträge als abgegolten, daher der Name.

Erzielen Sie Erträge bei einer ausländischen Bank oder einem ausländischen Broker, behält niemand Kapitalertragsteuer ein. Dann geben Sie die Erträge selbst in der Anlage KAP der Einkommensteuererklärung an. Das Finanzamt besteuert sie mit demselben Abgeltungsteuersatz von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Die Abgeltungsteuer gilt also in beiden Fällen, nur der Weg ist ein anderer.


Kapitalertragsteuer und Einkommensteuer

Die Kapitalertragsteuer ist eine besondere Form der Einkommensteuer und steht im Einkommensteuergesetz ab § 43. Weil sie mit dem Abzug abgegolten ist, müssen Sie Kapitalerträge bei einer deutschen Bank in der Regel nicht in der Steuererklärung angeben. Wie Erträge in einer Vermögens­verwaltung besteuert werden und warum Sie die Gebühren nicht absetzen können, erklärt unsere Seite zu Vermögens­verwaltung und Steuer.

Wer muss Kapitalertragsteuer zahlen?

Kapitalertragsteuer zahlt jeder, dessen Kapitalerträge im Jahr über dem Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro liegen, für zusammen veranlagte Ehepaare über 2.000 Euro. Das gilt auch für Rentner, Studenten und Kinder. Wer insgesamt so wenig Einkommen hat, dass keine Einkommensteuer anfällt, kann sich mit einer Nichtveranlagungsbescheinigung vom Abzug befreien lassen.

Müssen Rentner Kapitalertragsteuer zahlen?

Ja. Für Rentner gelten dieselben Regeln wie für alle anderen: 25 Prozent Kapitalertragsteuer plus Solidaritätszuschlag, sobald die Kapitalerträge den Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro im Jahr übersteigen. Für Ehepaare, die zusammen veranlagt werden, sind es 2.000 Euro. Der Sparer-Pauschbetrag ist für Rentner nicht höher als für andere Steuerpflichtige.

Haben Sie im Ruhestand ein niedriges Gesamteinkommen, kann der Steuerabzug trotzdem zu hoch sein. Ihr persönlicher Steuersatz liegt dann womöglich unter 25 Prozent, oder es fällt gar keine Einkommensteuer an. Dann gibt es zwei Wege: Vorab befreit die Nichtveranlagungsbescheinigung vom Steuerabzug, nachträglich holt die Günstigerprüfung zu viel gezahlte Steuer zurück.

Ihre Lage im RuhestandWas Sie tunWirkung
Kapitalerträge bis 1.000 € (Ehepaare 2.000 €)Freistellungsauftrag erteilenKein Steuerabzug
Keine Einkommensteuer zu erwartenNichtveranlagungsbescheinigung beim Finanzamt beantragenKein Steuerabzug, auch über 1.000 €
Persönlicher Steuersatz unter 25 %Günstigerprüfung in der Anlage KAP beantragenErstattung mit dem Steuerbescheid
Kein oder zu niedriger FreistellungsauftragÜberprüfung des Steuereinbehalts beantragenErstattung mit dem Steuerbescheid
Persönlicher Steuersatz über 25 %NichtsDie Abgeltungsteuer bleibt endgültig

Müssen Kinder Kapitalertragsteuer zahlen?

Ja, auch Minderjährige sind steuerpflichtig, wenn sie Kapitalerträge haben. Ein Kind ohne weitere Einkünfte kann 2026 aber bis zu 13.384 Euro Kapitalerträge steuerfrei einnehmen: 12.348 Euro Grundfreibetrag, 1.000 Euro Sparer-Pauschbetrag und 36 Euro Sonderausgaben-Pauschbetrag (Quelle: § 32a EStG). Im Jahr 2025 waren es 13.132 Euro.

Beim Steuerabzug wirkt zunächst nur der Sparer-Pauschbetrag per Freistellungsauftrag. Damit auch der Grundfreibetrag sofort zählt, beantragen die Eltern für das Kind eine Nichtveranlagungsbescheinigung. Ohne sie holen Sie zu viel einbehaltene Steuer über eine Steuererklärung für das Kind zurück. Mehr zur Geldanlage für den Nachwuchs lesen Sie bei der Vermögens­verwaltung für Kinder.


Steuerbefreiung durch Nichtveranlagungsbescheinigung

Ist anzunehmen, dass Sie auch mit Günstigerprüfung keine Einkommensteuer zahlen müssen, stellt Ihnen das Wohnsitzfinanzamt eine Nichtveranlagungsbescheinigung aus, kurz NV-Bescheinigung. Legen Sie sie der Bank vor, verzichtet diese ganz auf den Steuerabzug. Die Bescheinigung gilt höchstens drei Jahre und endet immer am Jahresende (Quelle: § 44a EStG).

Als Richtwert gilt 2026 der Grundfreibetrag von 12.348 Euro, bei Ehepaaren 24.696 Euro. Hinzu kommt der Sparer-Pauschbetrag: Ohne andere Einkünfte bleiben so bis zu 13.348 Euro Kapitalerträge steuerfrei, mit dem Sonderausgaben-Pauschbetrag 13.384 Euro. Keine NV-Bescheinigung bekommt, wer ohnehin zur Einkommensteuer veranlagt wird oder einen festgestellten Verlustvortrag hat.

NV-Bescheinigung und Freistellungsauftrag schließen sich nicht aus. Liegen der Bank beide vor, gilt die NV-Bescheinigung. Läuft sie ab, wirkt der Freistellungsauftrag wieder. Sie müssen ihn also nicht vorsorglich zurückziehen, wenn Sie eine NV-Bescheinigung einreichen. Das regelt das Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) zur Abgeltungsteuer vom 14.05.2025.


Günstigerprüfung: Steuererstattung bei geringem Einkommensteuersatz

Ist Ihr persönlicher Steuersatz niedriger als 25 Prozent, lohnt sich die Steuererklärung. Mit der Günstigerprüfung besteuert das Finanzamt Ihre Kapitalerträge mit Ihrem persönlichen Tarif, wenn das einschließlich Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer günstiger ist. Die Differenz erstattet es mit dem Steuerbescheid im Folgejahr (Quelle: § 32d Absatz 6 EStG).

Den Antrag stellen Sie in der Anlage KAP. Er gilt für alle Kapitalerträge eines Jahres, bei zusammen veranlagten Ehepaaren für beide. Werbungskosten über den Sparer-Pauschbetrag hinaus können Sie auch dann nicht ansetzen. Anders als bei der NV-Bescheinigung zahlen Sie die Steuer zunächst und bekommen sie erst später zurück.


Wer muss sie nicht zahlen?

Keine Kapitalertragsteuer behält die Bank ein, wenn eine dieser Voraussetzungen erfüllt ist:

  • Ihre Kapitalerträge liegen unter dem Sparer-Pauschbetrag, und ein Freistellungsauftrag in passender Höhe liegt vor
  • Sie haben der Bank eine gültige Nichtveranlagungsbescheinigung eingereicht
  • Sie verkaufen Aktien mit Gewinn, die Sie vor dem 01.01.2009 gekauft haben (Bestandsschutz)

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Berater

Wie nutzen Sie Ihren Freibetrag richtig?

Bis 1.000 Euro im Jahr bleiben Ihre Kapitalerträge steuerfrei, bei zusammen veranlagten Ehepaaren bis 2.000 Euro. Dieser Sparer-Pauschbetrag gilt seit 2023 unverändert, auch 2026. Damit die Bank ihn schon beim Steuerabzug berücksichtigt, erteilen Sie ihr einen Freistellungsauftrag.

Wie kann ich mich von der Steuer befreien lassen?

Ohne Freistellungsauftrag führt die Bank ab dem ersten Euro Kapitalertrag Steuer ab. Mit Auftrag stellt sie Ihre Erträge bis zum beauftragten Betrag frei. Rechtsgrundlage ist der Sparer-Pauschbetrag nach § 20 Absatz 9 EStG. Er ersetzt zugleich den Abzug der tatsächlichen Kosten Ihrer Geldanlage (Quelle: § 20 EStG). Höhere tatsächliche Kosten können Sie nicht absetzen.


Wie Sie einen Freistellungsauftrag stellen

Den Freistellungsauftrag stellen Sie direkt bei Ihrer Bank oder Ihrem Broker, meist online. Die Bank berücksichtigt ihn dann beim Steuerabzug, nicht das Finanzamt. Sie brauchen dafür Ihre Steuer-Identifikationsnummer, die auf Ihrem letzten Steuerbescheid oder der Lohnsteuerbescheinigung steht. Ohne sie ist der Auftrag nicht wirksam (Quelle: § 44a EStG).

Haben Sie nur eine Bank, stellen Sie dort den ganzen Pauschbetrag frei. Bei mehreren Instituten teilen Sie ihn nach den erwarteten Erträgen auf. Alle Aufträge zusammen dürfen 1.000 Euro, bei Ehepaaren 2.000 Euro nicht übersteigen. Erhöhen oder neu erteilen können Sie den Auftrag für das abgelaufene Jahr noch bis zum 31. Januar des Folgejahres.


So stellen Sie Ihren Auftrag richtig

1. Überblick verschaffen

Listen Sie alle Konten und Depots auf und notieren Sie, wo Sie Kapitalerträge erwarten: Tagesgeld, Festgeld, ETFs oder Einzelaktien.

2. Erträge schätzen

Schätzen Sie je Bank die Zinsen, Dividenden und Ausschüttungen. Bei Tages- und Festgeld helfen die vereinbarten Zinsen, sonst grobe Richtwerte.

3. Pauschbetrag aufteilen

Erwarten Sie bei Bank A 600 Euro und bei Bank B 400 Euro, erteilen Sie die Aufträge genau in dieser Höhe.

4. Jährlich prüfen

Nach Heirat, Bankwechsel, Depotschließung oder Zinsänderung passen Sie die Aufträge an oder löschen sie.


Diese Fehler sollten Sie vermeiden

Die meisten Probleme mit dem Freistellungsauftrag entstehen durch veraltete Aufträge. Prüfen Sie deshalb besonders diese vier Punkte:

  • Freistellungsauftrag zu niedrig:
    Die Bank behält unnötig Steuer ein, die Sie erst über die Steuererklärung zurückbekommen
  • Freistellungsauftrag bei neuer Bank vergessen:
    Ein neues Konto oder Depot ohne Auftrag führt sofort zum Steuerabzug
  • Zu viel freigestellt:
    Liegen alle Aufträge zusammen über dem Pauschbetrag, droht eine Nachzahlung
  • Aufträge nach der Heirat nicht angepasst:
    Der gemeinsame Pauschbetrag von 2.000 Euro bleibt sonst teilweise ungenutzt

Wie berechnen Sie Ihre Steuerlast Schritt für Schritt?

Sie ziehen von Ihren Kapitalerträgen den Sparer-Pauschbetrag ab und nehmen den Rest mal 25 Prozent. Auf diese Steuer kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag. Sind Sie kirchensteuerpflichtig, sinkt die Kapitalertragsteuer leicht, dafür kommt die Kirchensteuer hinzu. Das Beispiel zeigt beide Fälle für 2.500 Euro Kapitalerträge im Jahr.

1. Erträge zusammenrechnen

Zinsen, Dividenden, Fondserträge und Kursgewinne eines Jahres zählen zusammen. Im Beispiel sind das 2.500 Euro.

2. Pauschbetrag abziehen

2.500 Euro minus 1.000 Euro Sparer-Pauschbetrag ergeben 1.500 Euro zu versteuernde Erträge.

3. Steuer berechnen

1.500 Euro mal 25 Prozent ergeben 375 Euro Kapitalertragsteuer.

4. Soli hinzurechnen

5,5 Prozent von 375 Euro sind 20,625 Euro. Bruchteile eines Cents fallen weg, es bleiben 20,62 Euro.

PostenOhne KirchensteuerMit 9 % Kirchensteuer
Kapitalertragsteuer375,00 €366,74 €
Solidaritätszuschlag20,62 €20,17 €
Kirchensteuer0,00 €33,00 €
Steuerlast gesamt395,62 €419,91 €
Ihnen bleiben von 2.500 €2.104,38 €2.080,09 €

Kirchensteuer ermitteln

Mit Kirchensteuer rechnet die Bank anders: Die Kapitalertragsteuer ermäßigt sich um ein Viertel der Kirchensteuer. Die Formel lautet ohne ausländische Steuer: zu versteuernde Erträge geteilt durch (4 plus Kirchensteuersatz). Bei neun Prozent sind das 1.500 Euro geteilt durch 4,09, also 366,74 Euro. Darauf kommen 20,17 Euro Soli und 33,00 Euro Kirchensteuer (Quelle: § 32d Absatz 1 EStG).

Am Ende ziehen Sie die Steuerlast vom Ertrag ab. Ohne Kirchensteuer bleiben Ihnen von 2.500 Euro 2.104,38 Euro, mit neun Prozent Kirchensteuer 2.080,09 Euro. Die Bank erledigt diese Rechnung selbst. Sie brauchen sie nur, um die Abrechnung Ihrer Bank zu prüfen oder um zu sehen, ob sich die Anlage KAP für Sie lohnt.

Wie wird die Kapitalertragsteuer gezahlt?

In der Regel nicht von Ihnen selbst. Banken, Broker, Versicherer und Fondsgesellschaften behalten die Kapitalertragsteuer ein, sobald Ihnen der Ertrag zufließt, und führen sie an das Finanzamt ab. Selbst tätig werden Sie nur bei Erträgen ohne deutschen Steuerabzug, bei einem Sperrvermerk für den Kirchensteuerabzug oder wenn Sie zu viel gezahlte Steuer zurückholen wollen.

Finanzdienstleister führen Kapitalertragsteuer ab

Die Steuer entsteht in dem Moment, in dem Ihnen der Ertrag zufließt: bei der Zinsgutschrift, der Dividendenzahlung oder dem Verkauf mit Gewinn (Quelle: § 44 EStG). Die auszahlende Stelle zieht sie dann direkt ab, Sie bekommen nur den Betrag nach Steuer. Bei thesaurierenden Fonds gilt die Vorabpauschale am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen.

Bei Aktien ausländischer Unternehmen behält oft schon der Herkunftsstaat eine ausländische Quellensteuer ein. Die deutsche Bank rechnet sie auf die Kapitalertragsteuer an, aber nur so weit, wie sie nach dem Doppelbesteuerungsabkommen im Herkunftsstaat bleiben darf, höchstens 25 Prozent. Mehr einbehaltene Steuer holen Sie nur im Herkunftsstaat zurück (Quelle: § 32d Absatz 5 EStG). Mit „Quellensteuer“ ist also meist diese ausländische Steuer gemeint, nicht die deutsche Kapitalertragsteuer, auch wenn diese ebenfalls an der Quelle abgezogen wird.

Erzielen Sie Erträge bei einem ausländischen Broker oder einer ausländischen Bank, zieht niemand deutsche Kapitalertragsteuer ab. Dann geben Sie die Erträge selbst in der Anlage KAP der Einkommensteuererklärung an. Das Finanzamt besteuert sie mit demselben Satz von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer.


Was bei Fonds, Verlusten und Vorabpauschale gilt

Bei Fonds und ETFs bleibt ein Teil der Erträge steuerfrei, bei Aktienfonds 30 Prozent. Diese Teilfreistellung rechnet die Bank gleich ein. Thesaurierende Fonds lösen jedes Jahr eine Vorabpauschale aus, für 2026 auf Basis eines Basiszinses von 3,20 Prozent. Verluste verrechnet die Bank mit den Gewinnen desselben Jahres und trägt den Rest vor, Aktienverluste nur mit Aktiengewinnen. Einzelheiten stehen auf unserer Seite Vermögens­verwaltung und Steuer.


Wie Sie die Kapitalertragsteuer zurückholen

Wurde zu viel Kapitalertragsteuer einbehalten, holen Sie sie über die Anlage KAP Ihrer Einkommensteuererklärung zurück. Dort beantragen Sie die Überprüfung des Steuereinbehalts nach § 32d Absatz 4 EStG oder die Günstigerprüfung nach § 32d Absatz 6 EStG. Das Finanzamt rechnet dann neu und erstattet den Unterschied mit dem Steuerbescheid.

Typische Gründe für eine Erstattung sind ein fehlender oder zu niedriger Freistellungsauftrag, ein persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent, nicht verrechnete Verluste bei verschiedenen Banken sowie Kirchensteuer oder ausländische Quellensteuer, die nicht berücksichtigt wurden. Gerade Rentner mit kleiner Rente und Zinserträgen sollten prüfen, ob sich die Günstigerprüfung für sie lohnt.

SzenarioBerücksichtigter FreibetragBeispielhafte Aufteilung (Bank A / Bank B)Rückerstattung über Anlage KAP möglich?
Alleinstehend, zwei Depots1.000 €700 € / 300 €Nur bei Fehlverteilung
Ehepaar, gemeinsames Depot2.000 €2.000 €Nein
Ehepaar, zwei Depots2.000 €1.200 € / 800 €Nur bei Fehlverteilung
Kein Freistellungsauftrag gestellt0 €KeineJa
Freistellungsauftrag zu niedrig (ledig)500 €Bank führt ab 501 € Steuer abJa

Die Werte der Tabelle gelten unverändert 2026, der Sparer-Pauschbetrag gilt je Kalenderjahr. Die Rückerstattung bezieht sich hier nur auf den Freibetrag. Eine Günstigerprüfung kann bei einem niedrigen persönlichen Steuersatz in jedem der Fälle zusätzlich Geld zurückbringen.

Experten-Tipp:
Leiter Vermögens­verwaltung bei von Buddenbrock

„Wenn Kunden in den Ruhestand gehen, rate ich ihnen, ihre Freistellungsaufträge zu prüfen. Oft liegt der Auftrag noch bei einer Bank, bei der kaum noch Zinsen anfallen, während das Depot woanders ab dem ersten Euro versteuert wird. Das Geld bekommen Sie dann nur über die Steuererklärung zurück. Einmal im Jahr zu prüfen reicht. Die Steuererklärung selbst gehört zu Ihrem Steuerberater.“

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Berater

Die häufigsten Fragen zur Kapitalertragsteuer

Was ist die Kapitalertragsteuer und welche Erträge sind davon betroffen?

Die Kapitalertragsteuer, kurz KapESt, ist eine Erhebungsform der Einkommensteuer auf Einkünfte aus Kapitalvermögen. Die auszahlende Stelle behält sie ein, bei inländischen Erträgen und bei ausländischen Dividenden und Zinsen, die eine deutsche Bank auszahlt. Betroffen sind Zinsen, Dividenden, Gewinne aus dem Verkauf von Aktien, Fonds und ETFs sowie Erträge aus Kapitallebens­versicherungen, die ab 2005 abgeschlossen wurden.

Wie hoch ist die Kapitalertragsteuer inklusive Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer?

Die Kapitalertragsteuer beträgt 25 Prozent. Dazu kommen 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag auf die Steuer, zusammen 26,375 Prozent. Mit acht Prozent Kirchensteuer liegt die Belastung bei 27,82 Prozent, mit neun Prozent bei 27,99 Prozent, weil die Kirchensteuer die Kapitalertragsteuer laut § 32d Absatz 1 EStG etwas senkt.

Wer muss Kapitalertragsteuer zahlen und ab wann werden Kapitalerträge besteuert?

Alle in Deutschland unbeschränkt Steuerpflichtigen, deren Kapitalerträge über dem Sparer-Pauschbetrag liegen. Der Pauschbetrag beträgt 1.000 Euro je Person und 2.000 Euro bei zusammen veranlagten Ehepaaren. Erst wenn die Erträge eines Jahres diesen Betrag übersteigen und weder ein ausreichender Freistellungsauftrag noch eine Nichtveranlagungsbescheinigung vorliegt, behält die Bank Steuer ein.

Müssen Kinder und Rentner ebenfalls Kapitalertragsteuer zahlen?

Ja, beide sind grundsätzlich steuerpflichtig. Ein Kind ohne andere Einkünfte kann 2026 bis zu 13.384 Euro Kapitalerträge steuerfrei einnehmen, wirksam beim Abzug aber nur mit Nichtveranlagungsbescheinigung, sonst über die Steuererklärung. Rentner haben den normalen Sparer-Pauschbetrag von 1.000 Euro. Bei geringem Einkommen helfen ihnen die Nichtveranlagungsbescheinigung oder die Günstigerprüfung.

Wie funktioniert der Sparer-Pauschbetrag und wie nutze ich ihn mit einem Freistellungsauftrag?

Der Sparer-Pauschbetrag hält Kapitalerträge bis 1.000 Euro je Person im Jahr steuerfrei, bei zusammen veranlagten Ehepaaren bis 2.000 Euro. Damit die Bank ihn berücksichtigt, erteilen Sie einen Freistellungsauftrag mit Ihrer Steuer-Identifikationsnummer. Bei mehreren Banken teilen Sie ihn nach den erwarteten Erträgen auf. Ohne Auftrag zieht die Bank ab dem ersten Euro Steuer ab.

Wer führt die Kapitalertragsteuer ab und muss ich selbst etwas überweisen?

In der Regel überweisen Sie nichts selbst. Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und Broker behalten die Steuer ein, wenn Ihnen der Ertrag zufließt, und führen sie an das Finanzamt ab. Nur Erträge ohne deutschen Steuerabzug, etwa bei einer ausländischen Bank, geben Sie selbst in der Anlage KAP an. Das gilt auch, wenn Sie bei der Bank einen Sperrvermerk für den Kirchensteuerabzug haben.

Wie kann ich zu viel gezahlte Kapitalertragsteuer über die Steuererklärung zurückholen?

Über die Anlage KAP der Einkommensteuererklärung. Dort beantragen Sie die Überprüfung des Steuereinbehalts nach § 32d Absatz 4 EStG oder die Günstigerprüfung. Das lohnt sich bei fehlendem oder zu niedrigem Freistellungsauftrag, bei nicht verrechneten Verlusten oder wenn Ihr persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent liegt.

Wie holen sich Rentner die Kapitalertragsteuer zurück?

Rentner geben eine Einkommensteuererklärung mit der Anlage KAP ab und beantragen dort die Günstigerprüfung, wenn ihr persönlicher Steuersatz unter 25 Prozent liegt. Fällt voraussichtlich gar keine Einkommensteuer an, ist die Nichtveranlagungsbescheinigung der bessere Weg, weil die Bank dann von vornherein keine Steuer abzieht.

Wann wird die Kapitalertragsteuer fällig?

Die Kapitalertragsteuer entsteht laut § 44 EStG in dem Moment, in dem Ihnen der Kapitalertrag zufließt, also bei Zinsgutschrift, Dividendenzahlung oder Verkauf mit Gewinn. Die Bank zieht sie sofort ab. Die Vorabpauschale thesaurierender Fonds gilt am ersten Werktag des Folgejahres als zugeflossen.

Was ist der Unterschied zwischen Kapitalertragsteuer und Abgeltungsteuer?

Die Abgeltungsteuer ist der Steuertarif von 25 Prozent auf Kapitalerträge im Privatvermögen. Die Kapitalertragsteuer ist das Verfahren, mit dem die Bank diese Steuer direkt einbehält. Bei Erträgen ohne Steuerabzug, etwa bei einer ausländischen Bank, gilt der gleiche Tarif, Sie erklären die Erträge dann selbst in der Anlage KAP.

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