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Wie der Rückkaufswert der Lebensversicherung berechnet wird, warum er oft unter den Beiträgen liegt und wo Sie ihn finden.
Inhalt dieser SeiteDas Wichtigste in Kürze
- Bei Kündigung bekommen Sie den Rückkaufswert: mindestens das Deckungskapital, bei dem die Abschlusskosten auf 5 Jahre verteilt sind.
- Ein Stornoabzug ist nur zulässig, wenn er vereinbart, beziffert und angemessen ist.
- Bei Fondspolicen ohne Garantie zählt der Zeitwert der Fondsanteile, eine feste Summe gibt es dann nicht.
- Die Risikolebensversicherung hat keinen Rückkaufswert: Wer kündigt, bekommt keine Beiträge zurück.

Oliver Karp
Unser Experte für die Lebensversicherung
Der Rückkaufswert steht schon in Ihrem Vertrag, lange bevor Sie kündigen …
… denn bei Verträgen ab 2008 musste Ihr Versicherer Ihnen die Rückkaufswerte vor dem Abschluss in Euro nennen. Wie hoch er ist, schreibt das Gesetz vor. Mindestens ist es das angesparte Deckungskapital, bei dem die Abschlusskosten auf die ersten fünf Jahre verteilt sind. Trotzdem liegt der Rückkaufswert in den ersten Jahren meist unter dem, was Sie eingezahlt haben. Der Grund sind die Kosten, die vor allem am Anfang verrechnet werden. Wir zeigen, wie sich der Wert zusammensetzt, wo Sie Ihre Zahl finden und was für Verträge von 1994 bis 2007 gilt. Und wir erklären, warum der Rückkaufswert selten die beste Zahl ist, die Ihr Vertrag hergibt.
Was ist der Rückkaufswert einer Lebensversicherung?
Der Rückkaufswert ist der Betrag, den Ihr Versicherer auszahlt, wenn Sie Ihre Lebensversicherung kündigen. Wie er berechnet wird, schreibt das Versicherungsvertragsgesetz vor. Er ist mindestens das Deckungskapital Ihres Vertrags, bei dem die Abschluss- und Vertriebskosten auf die ersten fünf Jahre verteilt sind (Quelle: § 169 VVG).
Welche Verträge einen Rückkaufswert haben
Einen Rückkaufswert haben Verträge, bei denen sicher ist, dass der Versicherer irgendwann zahlt: bei Tod oder bei Ablauf. Das sind die Kapitallebensversicherung und die private Rentenversicherung. Eine reine Todesfallversicherung wie die Risikolebensversicherung hat keinen. Bei ihr ist offen, ob der Versicherungsfall je eintritt.
| Vertragsart | Rückkaufswert | Grundlage |
|---|---|---|
| Kapitallebens- und private Rentenversicherung | Deckungskapital, Abschlusskosten mindestens auf 5 Jahre verteilt, plus Überschüsse | § 169 Abs. 3 und 7 VVG |
| Fondsgebunden ohne Garantie | Zeitwert der Fondsanteile | § 169 Abs. 4 VVG |
| Indexpolice | Beitragsgarantie gilt zum Rentenbeginn, nicht für den Rückkaufswert | Tarifbedingungen |
| Risikolebensversicherung | Keiner, keine Beitragsrückzahlung | § 169 Abs. 1 VVG |
| Basisrente (Rürup) | Keiner, Kündigung ausgeschlossen | § 168 VVG |
Bei einer Basisrente, der Rürup-Rente, ist die Kündigung ausgeschlossen (Quelle: § 168 VVG). Diese Regeln gelten für Lebens- und Rentenversicherungen ohne staatliche Förderung. Beim Rückkaufswert der Riester-Rente kommt die Förderung hinzu.
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Wie wird der Rückkaufswert berechnet?
Nach anerkannten versicherungsmathematischen Regeln, zum Schluss der laufenden Versicherungsperiode. Ausgangspunkt ist das Deckungskapital, also das Kapital, das der Versicherer für Ihren Vertrag zurückgelegt hat. Dazu kommen Überschüsse, abgehen darf nur ein vereinbarter Stornoabzug. Diese Regeln gelten für Verträge, die ab 2008 geschlossen wurden (Quelle: § 169 VVG).
Deckungskapital und Abschlusskosten
Die Kosten für Abschluss und Vertrieb dürfen den Rückkaufswert nicht beliebig drücken. Bei einer Kündigung zahlt der Versicherer mindestens das Deckungskapital, das sich ergibt, wenn diese Kosten gleichmäßig auf fünf Jahre verteilt werden. Bei einer fondsgebundenen Lebensversicherung ohne Garantie tritt an die Stelle des Deckungskapitals der Zeitwert der Fondsanteile.
Oft genannt werden dazu 25 Promille, also 2,5 Prozent der Beitragssumme. Das ist der Höchstzillmersatz: Er begrenzt nur, wie viel Abschlusskosten der Versicherer zu Beginn mit dem Deckungskapital verrechnen darf (Quelle: § 4 DeckRV). Eine Grenze für die Höhe der Kosten ist das nicht. Einen gesetzlichen Kostendeckel gibt es bei keiner Lebensversicherung.
Stornoabzug: nur vereinbart, beziffert und angemessen
Einen Abzug bei Kündigung darf der Versicherer nur verlangen, wenn er im Vertrag vereinbart, beziffert und angemessen ist. Einen Abzug für noch nicht getilgte Abschluss- und Vertriebskosten darf er nicht vornehmen. Bei Verträgen ab 2008 musste der Versicherer Ihnen auch diese Kosten bei Kündigung schon vor dem Abschluss nennen.
Überschüsse und Bewertungsreserven
Zum Deckungskapital kommen die Überschussanteile, die Ihrem Vertrag schon zugeteilt sind. Dazu kommen ein vereinbarter Schlussüberschuss für den Fall der Kündigung und die Hälfte der Bewertungsreserven Ihres Vertrags. Bewertungsreserven sind Wertzuwächse der Kapitalanlagen, die noch nicht in der Bilanz stehen.
Seit dem Zinsanstieg 2022 kommt bei den meisten Versicherern allerdings keine Beteiligung an Bewertungsreserven mehr hinzu. Auch 2026 nennt die Ratingagentur Assekurata weiter vorhandene stille Lasten (Quelle: Assekurata).
Wann der Versicherer weniger auszahlen darf
Ist der Rückkaufswert höher als die Leistung im Todesfall, zahlt der Versicherer höchstens diese Leistung aus. Den Rest führt er als beitragsfreie Versicherung weiter. Ist es nötig, um eine Gefährdung der Belange der Versicherten abzuwenden, darf der Versicherer den Rückkaufswert angemessen herabsetzen. Diese Herabsetzung gilt jeweils höchstens für ein Jahr.
Warum liegt der Rückkaufswert oft unter den eingezahlten Beiträgen?
Weil Ihr Versicherer die Kosten vor allem in den ersten Jahren verrechnet. Ein Teil Ihrer ersten Beiträge fließt deshalb nicht ins Deckungskapital. Laut Finanztest liegt der Rückkaufswert eines jungen Vertrags darum meist unter den Beiträgen (Quelle: Stiftung Warentest).
Wie hoch die Kosten sind
Im Branchenschnitt lagen die Abschlusskosten 2024 bei 4,4 Prozent der Beitragssumme. Das meldet der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (Quelle: GDV). Den größten Teil der Kosten ziehen die Versicherer laut Verbraucherzentrale Hamburg in den ersten fünf Jahren ab. Diese Kostenstruktur ist der Kern der Kritik an der Lebensversicherung.
Warum der Garantiezins daran wenig ändert
Der Garantiezins wirkt nur auf den Sparanteil, der nach Abzug von Kosten und Risikobeitrag übrig bleibt. Seit dem 01.01.2025 darf er bei neuen Verträgen höchstens 1,0 Prozent betragen. Die garantierte Ablaufleistung liegt deshalb bei neuen Verträgen oft nahe an der Beitragssumme (Quelle: DAV).
Warum eine frühe Kündigung die Rendite stärker drückt
Die Finanzaufsicht BaFin hat 2025 die Effektivkosten fondsgebundener und hybrider Produkte abgefragt. Effektivkosten sind die Minderung der Rendite durch alle Kosten. Im teuersten Viertel lagen sie bei 30 Jahren Laufzeit bei 1,9 Prozentpunkten oder mehr. Bei Kündigung nach 15 Jahren waren es etwa 3,2 Prozentpunkte (Quelle: BaFin).
Wo finden Sie den Rückkaufswert Ihres Vertrags?
Bei Verträgen ab 2008 in den Unterlagen, die Sie vor dem Abschluss bekommen haben. Der Versicherer muss dort die Rückkaufswerte und die beitragsfreien Leistungen in Euro angeben, dazu, in welchem Umfang sie garantiert sind (Quelle: § 2 VVG-InfoV). Den aktuellen Wert erfragen Sie bei Ihrem Versicherer.
So prüfen Sie Ihren Rückkaufswert
1. Unterlagen suchen
Suchen Sie Versicherungsschein und die Informationen, die Sie bei Abschluss bekommen haben. Darin stehen die Rückkaufswerte in Euro.
2. Tabelle lesen
Achten Sie darauf, welcher Teil garantiert ist. Überschüsse kommen hinzu, stehen aber nicht fest. Fragen Sie den Versicherer nach dem Wert zum Ende der laufenden Versicherungsperiode.
3. Werte nebeneinanderlegen
Neben dem Rückkaufswert steht die beitragsfreie Leistung für jedes Jahr. Sie zeigt, was Ihr Vertrag ohne weitere Beiträge später noch zahlt.
Wie der Rückkaufswert versteuert wird
Bei der Steuer der Lebensversicherung zählt für Verträge ab 2005 nur der Ertrag. Grundsätzlich gilt darauf die Abgeltungsteuer von 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag. Kündigen Sie nach mindestens zwölf Jahren Laufzeit und nach Ihrem 62. Geburtstag, wird nur die Hälfte des Ertrags mit Ihrem persönlichen Steuersatz besteuert. Für Abschlüsse von 2005 bis 2011 reicht dafür der 60. Geburtstag.
Der Versicherer behält die Steuer zunächst vom vollen Ertrag ein, zu viel gezahlte Steuer holen Sie über die Steuererklärung zurück. Erträge aus Verträgen mit Abschluss vor 2005 sind steuerfrei, wenn der Vertrag die damaligen Bedingungen erfüllt. Unsere steuerlichen Angaben sind keine Steuerberatung und ohne Gewähr.
Experten-Tipp:
Der Rückkaufswert ist nicht der Wert Ihres Vertrags: daneben steht die beitragsfreie Leistung
„Der Rückkaufswert wirkt wie der Wert Ihres Vertrags. Für mich ist er nur der Preis für den sofortigen Ausstieg. Daneben steht die beitragsfreie Leistung, also das, was Ihr Vertrag ohne weitere Beiträge später noch zahlt. Bei alten Verträgen mit hohem Garantiezins ist sie kaum zu ersetzen. Mein Rat: Fragen Sie nach beiden Zahlen zum selben Stichtag und nach dem garantierten Anteil.“
Was gilt für Verträge von 1994 bis 2007?
Für sie gelten die Mindestwerte, die der Bundesgerichtshof festgelegt hat. Die Regeln des heutigen § 169 VVG greifen erst für Verträge ab 2008. Für ältere Verträge hat das Gericht viele Klauseln zum Rückkaufswert gekippt und eine Untergrenze gezogen.
Was der Bundesgerichtshof entschieden hat
Für Verträge von 2001 bis 2007 sind die Klauseln zu Rückkaufswert, Stornoabzug und Verrechnung der Abschlusskosten unwirksam (Bundesgerichtshof, 25.07.2012, IV ZR 201/10). Mindestens auszuzahlen ist die Hälfte des Deckungskapitals, berechnet ohne vorherigen Abzug der Abschlusskosten. Unwirksam ist auch der Vorbehalt, Rückkaufswerte unter zehn Euro nicht auszuzahlen. Für Verträge von 1994 bis 2001 gilt Entsprechendes (Bundesgerichtshof, 12.10.2005, IV ZR 162/03).
Was Sie mit einer Abrechnung tun können
Haben Sie einen solchen Vertrag gekündigt, vergleichen Sie die Abrechnung mit diesen Mindestwerten. Einwände sind im Regelfall drei Jahre lang möglich, gerechnet ab dem 1. Januar des Jahres nach der Abrechnung (Quelle: § 195 BGB). Bei Verträgen nach dem Policenmodell kommt unter Umständen auch ein Widerspruch in Frage, wenn die Belehrung fehlte oder fehlerhaft war.
Läuft Ihr Vertrag noch, steckt in ihm oft mehr als der Rückkaufswert. Verträge aus der Zeit von Juli 1994 bis Juni 2000 haben einen Garantiezins von bis zu 4,0 Prozent, neue höchstens 1,0 Prozent. Ob Sie bei einer Kündigung zu wenig bekommen hätten oder den Vertrag besser behalten, hängt vom Abschlussjahr und von Ihren Unterlagen ab.
Was oft mehr wert ist als der Rückkaufswert
Oft ist ein Weg mehr wert, bei dem Ihr Vertrag weiterläuft. Stellen Sie ihn beitragsfrei, läuft er dauerhaft mit reduzierter Leistung weiter. Ein Policendarlehen bringt eine Vorauszahlung gegen Zinsen, ein Verkauf meist nur wenige Prozent mehr als der Rückkaufswert. Diese Alternativen zur Kündigung vergleichen Sie am besten mit den Werten Ihres Vertrags.
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Die häufigsten Fragen zum Rückkaufswert
Welchen Rückkaufswert hat eine private Rentenversicherung?
Für sie gelten dieselben Regeln wie für die Kapitallebensversicherung. Bei Kündigung bekommen Sie mindestens das Deckungskapital, bei dem die Abschluss- und Vertriebskosten auf die ersten fünf Jahre verteilt sind, dazu die zugeteilten Überschüsse. Bei einer fondsgebundenen Rentenversicherung ohne Garantie zählt der Zeitwert der Fondsanteile.
Welchen Rückkaufswert hat eine Risikolebensversicherung?
Keinen. Sie zahlt nur, wenn die versicherte Person in der Laufzeit stirbt, und das ist nicht gewiss. Wer kündigt, bekommt deshalb keine Beiträge zurück. Bei konstanter Summe ist eine Beitragsfreistellung mit stark reduzierter Summe möglich, bei fallender Summe meist nicht.
Wie wird der Rückkaufswert einer Fondspolice berechnet?
Bei einem Tarif ohne Garantie ist der Rückkaufswert der Zeitwert der Fondsanteile am Stichtag. Er hängt also vom Wert der Fonds ab; ein vereinbarter Stornoabzug kann ihn mindern. Hybride Tarife sichern über einen Garantieteil ein gewähltes Niveau der Beiträge zum Ablauf ab. Was davon bei Kündigung gilt, steht in der Tabelle der Rückkaufswerte Ihres Vertrags.
Was gilt beim Rückkaufswert einer Indexpolice?
Indexpolicen haben meist eine Beitragsgarantie zwischen 80 und 100 Prozent, die aber zum Rentenbeginn gilt. Bei einem großen Anbieter ist der Rückkaufswert bei Kündigung ausdrücklich nicht garantiert. Prüfen Sie deshalb in Ihren Unterlagen, welche Rückkaufswerte für Ihren Tarif ausgewiesen sind.
Wie wird der Rückkaufswert versteuert?
Steuerpflichtig ist bei Verträgen ab 2005 nur der Rückkaufswert minus die eingezahlten Beiträge, nie der ganze Betrag. Die Hälfte dieses Ertrags wird mit dem persönlichen Steuersatz besteuert, wenn der Vertrag mindestens zwölf Jahre lief. Außerdem müssen Sie mindestens 62 Jahre alt sein, bei Abschluss von 2005 bis 2011 mindestens 60. So steht es im Einkommensteuergesetz.
Wann zahlt der Versicherer den Rückkaufswert aus?
Der Rückkaufswert wird zum Schluss der Versicherungsperiode berechnet, zu dem Ihre Kündigung wirkt. Fällig ist das Geld, sobald der Versicherer seine nötigen Prüfungen abgeschlossen hat; eine feste Frist in Tagen nennt das Gesetz nicht. Fragen Sie Ihren Versicherer deshalb gleich nach dem Auszahlungstermin.
Was passiert mit dem Rückkaufswert, wenn der Versicherer in Schieflage gerät?
Schon in einer Gefährdungslage darf der Versicherer den Rückkaufswert angemessen herabsetzen, jeweils befristet auf ein Jahr. Droht einem in Deutschland zugelassenen Lebensversicherer die Insolvenz, überträgt die BaFin den Bestand auf den Sicherungsfonds, und die Verträge laufen weiter. Reichen die Mittel nicht, darf sie garantierte Leistungen um höchstens 5 Prozent senken und Kündigungen unterbinden.
Wie können Sie den Rückkaufswert selbst berechnen?
Genau berechnen kann ihn nur Ihr Versicherer, denn er hängt vom Deckungskapital, den Kosten und den Überschüssen Ihres Vertrags ab. Allgemeine Rechner geben deshalb nur Schätzungen. Verlässlich sind bei Verträgen ab 2008 die Werte in Euro, die Ihr Versicherer vor Abschluss nennen musste, und seine Auskunft zum aktuellen Stichtag.
Warum hat die Basisrente keinen Rückkaufswert?
Weil das Gesetz die Kündigung einer zertifizierten Basisrente ausschließt. Das Kapital ist für eine lebenslange Rente bestimmt und kann deshalb nicht vorzeitig ausgezahlt werden. Dasselbe gilt für Verträge mit einem unwiderruflich vereinbarten Verwertungsausschluss.
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