Das erwartet Sie hier
Warum auch der Geschäftsführer einer kleinen GmbH eine D&O-Versicherung braucht, wer sie bezahlt und worauf Gesellschafter-Geschäftsführer achten müssen.
Inhalt dieser Seite- Brauchen GmbH-Geschäftsführer eine D&O-Versicherung?
- Warum haften Geschäftsführer trotz GmbH mit ihrem Privatvermögen?
- Wer schließt die D&O für den Geschäftsführer ab und wer zahlt?
- Was gilt für Gesellschafter-Geschäftsführer und die Ein-Personen-GmbH?
- Was gilt für die D&O von UG-Geschäftsführern?
- Welche Haftungsfälle trägt die D&O für Geschäftsführer?
- Was passiert mit Ihrem Schutz, wenn Sie als Geschäftsführer ausscheiden?
- Welche Fehler sollten Geschäftsführer bei der D&O vermeiden?
- Häufige Fragen (FAQ)
Das Wichtigste in Kürze
- Persönliche Haftung: Als Geschäftsführer einer GmbH oder UG haften Sie der Gesellschaft unbegrenzt mit Ihrem Privatvermögen, schon bei leichter Fahrlässigkeit.
- Die GmbH zahlt: Versicherungsnehmer und Beitragszahler der D&O ist die Gesellschaft, die Rechte aus dem Vertrag stehen Ihnen als versicherter Person zu.
- Kleine GmbH, überschaubarer Beitrag: Eine Million € Versicherungssumme kostet in veröffentlichten Tarifen 670 € bis 950 € netto im Jahr.
- Gesellschafter-Geschäftsführer prüfen genauer: Auch eine Mehrheit schützt nicht vor Ansprüchen der GmbH, für Alleingesellschafter zählen vor allem Insolvenz- und Steuerhaftung im Vertrag.
Brauchen GmbH-Geschäftsführer eine D&O-Versicherung?
In aller Regel ja. Die GmbH beschränkt die Haftung der Gesellschafter, nicht die der Geschäftsführung. Als Geschäftsführer haften Sie der Gesellschaft für jede Pflichtverletzung, unbegrenzt und mit Ihrem Privatvermögen. Die D&O-Versicherung ist die Haftpflichtversicherung für Geschäftsführer: Sie prüft Ansprüche, wehrt unberechtigte ab und zahlt berechtigte bis zur Versicherungssumme.
Wer nach einer Geschäftsführer-Versicherung sucht, meint meist die D&O. Wie sie grundsätzlich funktioniert und was Deckungssumme und Selbstbehalt bedeuten, erklärt unser Ratgeber zur D&O-Versicherung. Hier geht es um das, was für Geschäftsführer einer GmbH oder UG gilt: wer zahlt, was für Gesellschafter-Geschäftsführer anders ist und welche Fälle der Vertrag tragen muss.
| Frage | Was für GmbH- und UG-Geschäftsführer gilt |
|---|---|
| Haften Sie persönlich? | Ja, gegenüber der GmbH schon bei leichter Fahrlässigkeit und ohne Obergrenze |
| Wer schließt ab und zahlt? | Die GmbH als Versicherungsnehmerin, versichert sind Sie als Organ |
| Wer ist versichert? | Alle Geschäftsführer, auch ehemalige, je nach Vertrag weitere Personen |
| Was kostet sie? | Für eine kleine GmbH 670 € bis 950 € netto im Jahr bei 1.000.000 € Summe |
| Reicht sie allein? | Sie ist das Fundament, wer ausscheidet oder mehrere Mandate hat, ergänzt eine persönliche D&O |
Das Risiko ist greifbar. Die Versicherer zählten 2025 rund 3.000 D&O-Schäden, der Durchschnittsschaden lag bei rund 113.400 Euro (Quelle: GDV). Ein solcher Betrag übersteigt das Privatvermögen vieler Geschäftsführer kleiner Gesellschaften. Deshalb braucht auch eine kleine GmbH mit Fremd- oder mehreren Geschäftsführern eine Unternehmens-D&O.
Dazu kommen die Insolvenzen. 2025 wurden 24.064 Unternehmensinsolvenzen beantragt, 15.517 davon betrafen eine GmbH oder UG, also fast zwei Drittel (Quelle: Statistisches Bundesamt). In der Insolvenz macht der Insolvenzverwalter die Ansprüche der Gesellschaft gegen ihre Geschäftsführer geltend.
Warum haften Geschäftsführer trotz GmbH mit ihrem Privatvermögen?
Weil die Haftungsbeschränkung der GmbH nur für die Gesellschafter gilt. Der Geschäftsführer haftet der Gesellschaft für jede schuldhafte Pflichtverletzung (Quelle: § 43 GmbH-Gesetz), und im Streit muss er beweisen, dass er sorgfältig gehandelt hat. Dazu kommen Forderungen von außen, vor allem vom Finanzamt und in der Insolvenz.
Wer fordert und ob die D&O einspringt
Für Geschäftsführer gibt es drei Wege in die persönliche Haftung: Ansprüche der eigenen Gesellschaft, Ansprüche in der Krise und Forderungen Dritter. Die Tabelle zeigt, wer fordert und ob die D&O typischerweise einspringt. Alle Rechtsgrundlagen, Fristen und Fallgruppen erklärt unser Ratgeber zur Geschäftsführerhaftung.
| Wer fordert | Typischer Anlass | Zahlt die D&O? |
|---|---|---|
| Die eigene GmbH | Fehlentscheidung, fehlende Kontrolle, übergangene Zustimmungsvorbehalte | Ja, Abwehr oder Freistellung bis zur Versicherungssumme |
| Insolvenzverwalter | Zahlungen nach Eintritt der Insolvenzreife | Ja, wenn der Vertrag Ansprüche nach § 15b Insolvenzordnung einschließt und keine wissentliche Pflichtverletzung vorliegt |
| Finanzamt | Umsatz- oder Lohnsteuer grob fahrlässig nicht abgeführt | In vielen Tarifen ja, bei Vorsatz nie |
| Sozialversicherung | Arbeitnehmerbeiträge vorenthalten | In der Regel nein, weil das Vorsatz voraussetzt |
| Vertragspartner | Auftritt ohne korrekten Rechtsformzusatz | Nein, das ist Haftung für die Schuld selbst |
Bei all diesen Ansprüchen geht es um Vermögensschäden, nicht um Personen- oder Sachschäden. Deshalb hilft hier die Betriebshaftpflicht der GmbH nicht. Für Schäden an Personen und Sachen ist die Betriebshaftpflichtversicherung zuständig, für Pflichtverletzungen der Geschäftsführung die D&O.
Beweislast und Dauer der Haftung
Die Gesellschaft muss den Schaden darlegen und dass ein möglicherweise pflichtwidriges Verhalten ihn verursacht hat. Dann müssen Sie beweisen, dass Sie pflichtgemäß gehandelt haben oder dass der Schaden auch so eingetreten wäre. Ansprüche aus § 43 GmbH-Gesetz verjähren nach fünf Jahren, gerechnet ab ihrer Entstehung. Die Haftung endet also nicht mit Ihrem Ausscheiden.
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Wer schließt die D&O für den Geschäftsführer ab und wer zahlt?
Die GmbH schließt die D&O ab und zahlt den Beitrag, versichert sind ihre Geschäftsführer. Juristisch ist das eine Versicherung für fremde Rechnung: Die Rechte aus dem Vertrag stehen den versicherten Personen zu. Über Versicherungssumme, Verlängerung und Kündigung entscheidet aber die Gesellschaft als Versicherungsnehmerin.
Gesellschafterbeschluss und Anstellungsvertrag
Wer in der GmbH über den Abschluss entscheidet, ist höchstrichterlich nicht geklärt. Gilt die D&O als Teil der Vergütung, spricht viel für die Gesellschafterversammlung, nach anderer Ansicht ist der Abschluss eine Maßnahme der Geschäftsführung. Holen Sie deshalb einen Gesellschafterbeschluss ein. Damit ist die Frage für Ihre Gesellschaft geklärt, ganz gleich, welcher Ansicht ein Gericht später folgt.
Einen Anspruch auf eine D&O haben Sie als Geschäftsführer nur, wenn Ihr Anstellungsvertrag sie zusagt. Eine solche Klausel sollte die Mindestsumme, die Nachmeldefrist und einen jährlichen Nachweis des Versicherungsschutzes nennen. So erfahren Sie rechtzeitig, wenn die Gesellschaft den Vertrag ändert, kündigt oder nicht verlängert.
Steuern: Betriebsausgabe statt Arbeitslohn
Für die GmbH ist der Beitrag zur Unternehmens-D&O eine Betriebsausgabe (Quelle: § 4 Einkommensteuergesetz). Bei Ihnen ist er nach Auffassung der Finanzverwaltung kein Arbeitslohn, wenn die Versicherung vor allem das Unternehmen schützt. Merkmale sind ein Vertrag für das Management als Ganzes und ein Beitrag nach Betriebsdaten. Diese Auffassung stammt aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums von 2002.
Anders bei einer persönlichen D&O: Zahlen Sie sie selbst, sind die Beiträge Werbungskosten. Erstattet die GmbH Ihnen den Beitrag, ist das Arbeitslohn, dem Werbungskosten in gleicher Höhe gegenüberstehen. Als beherrschender Gesellschafter-Geschäftsführer brauchen Sie dafür eine klare Vereinbarung im Anstellungsvertrag, sonst kann eine verdeckte Gewinnausschüttung drohen. Klären Sie das mit Ihrer Steuerberatung.
Was die D&O eine kleine GmbH kostet
Mehrere Versicherer veröffentlichen Beitragstabellen für kleine Gesellschaften. Für eine Versicherungssumme von einer Million Euro zahlen Sie dort 670 bis 950 Euro netto im Jahr. Mit 19 Prozent Versicherungsteuer sind das 797 bis 1.131 Euro brutto, rund 66 bis 94 Euro im Monat (Quelle Steuersatz: § 6 Versicherungsteuergesetz). Die Tabellen haben den Stand 2024 bis 2026.
- Versicherer A, Umsatz bis 1 Million Euro670 €
- Versicherer A, Umsatz bis 5 Millionen Euro840 €
- Versicherer B, Umsatz bis 5 Millionen Euro855 €
- Versicherer C, Umsatz bis 250 Millionen Euro950 €
Quelle: Veröffentlichte Beitragstabellen in den Anträgen dreier Versicherer, Stand 2024 bis 2026
Voraussetzung sind meist zwei bis drei Jahre im Handelsregister oder ein erster Jahresabschluss, ein Versicherer verlangt zusätzlich 15 Prozent Eigenkapitalquote und ein positives Ergebnis. Beim selben Versicherer kostet die Unternehmens-D&O für alle Geschäftsführer 860 Euro netto, eine persönliche D&O für eine Person ebenso viel (jeweils eine Million Euro Summe, Umsatz bis zehn Millionen Euro). Mehr dazu unter Kosten der D&O.
Was gilt für Gesellschafter-Geschäftsführer und die Ein-Personen-GmbH?
Als Alleingesellschafter drohen Ihnen im laufenden Betrieb kaum Ansprüche der eigenen Gesellschaft, wichtiger werden dann die Insolvenz, das Finanzamt und Forderungen Dritter. Haben Sie Mitgesellschafter, schützt Sie auch eine Mehrheit nicht: Über Ansprüche gegen Sie entscheiden dann die übrigen Gesellschafter. Der Fremdgeschäftsführer ohne Anteile trägt das volle Risiko der Innenhaftung.
Vier Konstellationen, vier Schwerpunkte
Ob die Gesellschaft Ersatzansprüche gegen ihren Geschäftsführer verfolgt, beschließt die Gesellschafterversammlung (Quelle: § 46 GmbH-Gesetz). Sind Sie selbst Gesellschafter, stimmen Sie über einen Anspruch gegen sich nicht mit (Quelle: § 47 GmbH-Gesetz). Daraus ergibt sich, worauf Sie je nach Rolle achten sollten. Die Tabelle fasst das zusammen.
| Rolle | Risiko der Innenhaftung | Worauf Sie achten |
|---|---|---|
| Fremdgeschäftsführer ohne Anteile | Hoch, die Gesellschafter entscheiden über Ansprüche gegen Sie | Versicherungssumme, Nachmeldefrist, Schutz nach dem Ausscheiden |
| Gesellschafter-Geschäftsführer mit Mitgesellschaftern | Vorhanden, über Ansprüche entscheiden die übrigen Gesellschafter, vor allem bei Streit und in der Insolvenz | Kapitalbeteiligungsklausel, Ansprüche des Insolvenzverwalters |
| Alleingesellschafter-Geschäftsführer | Im laufenden Betrieb kaum, in der Insolvenz hoch | Ansprüche nach § 15b Insolvenzordnung und Steuerhaftung ausdrücklich im Vertrag |
| Mehrere Geschäftsführer | Jeder haftet für eigene Fehler, auch für fehlende Überwachung der anderen | Summe für die ganze Geschäftsführung, klare Ressortverteilung |
Die Kapitalbeteiligungsklausel
Nach den Musterbedingungen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ist bei Ansprüchen der eigenen Gesellschaft der Anteil nicht versichert, der Ihrer Beteiligung und der Ihrer Angehörigen entspricht (Quelle: GDV-Musterbedingungen D&O). Die Logik: Bei einem Innenanspruch zahlen Sie wirtschaftlich zum Teil an sich selbst. Bei 60 Prozent Anteil blieben 60 Prozent eines Innenanspruchs ungedeckt.
Im Markt ist die Klausel selten, viele Versicherer verzichten in ihren Bedingungen darauf. Prüfen Sie Ihren Vertrag trotzdem, denn wenn sie greift, trifft sie gerade die Insolvenz. Erstattungsansprüche nach § 15b Insolvenzordnung stehen der Gesellschaft zu, der Insolvenzverwalter macht sie nur für sie geltend. Als Alleingesellschafter wären Sie mit einer solchen Klausel dann ohne Schutz.
Ein-Personen-GmbH: wo der Schutz gebraucht wird
Handeln Sie als Alleingesellschafter mit eigenem Einverständnis, liegt gegenüber der GmbH grundsätzlich keine Pflichtverletzung vor. Sie entscheiden zudem selbst, ob die Gesellschaft Ansprüche verfolgt. Innenhaftung ist im laufenden Betrieb deshalb selten. Mit der Insolvenz ändert sich das: Dann bleiben Ansprüche, vor denen auch Ihr Einverständnis nicht schützt.
Typisch sind dann drei Ansprüche: Erstattung von Zahlungen nach Eintritt der Insolvenzreife, verbotene Auszahlungen aus dem gebundenen Stammkapital und existenzvernichtende Eingriffe. Dazu kommen Haftungsbescheide des Finanzamts und Forderungen von Gläubigern. Für Zahlungen nach Insolvenzreife und Steuerhaftung sollte Ihr Vertrag ausdrücklich Schutz bieten. Existenzvernichtende Eingriffe setzen Vorsatz voraus, dafür zahlt keine D&O.
Weisungen der Gesellschafter
Folgen Sie einer Weisung der Gesellschafterversammlung, fehlt es grundsätzlich an einer Pflichtverletzung. Das gilt nicht, soweit die Weisung gegen zwingende Pflichten verstößt, etwa gegen die Kapitalerhaltung oder das Zahlungsverbot in der Insolvenz. Lassen Sie sich Weisungen schriftlich als Beschluss geben. Wo die Grenzen genau liegen, erklärt unser Ratgeber zur Geschäftsführerhaftung.
Mehrere Geschäftsführer und die GmbH und Co. KG
Gibt es mehrere Geschäftsführer, haften sie der GmbH als Gesamtschuldner, jeder aber nur für eine eigene Pflichtverletzung, etwa eine versäumte Überwachung. Werden mehrere in Anspruch genommen, teilen sie sich die gemeinsame Versicherungssumme. Sie gilt meist für alle Fälle eines Jahres zusammen, und Abwehrkosten zehren daran mit. Planen Sie die Summe deshalb für die ganze Geschäftsführung.
Führen Sie die Komplementär-GmbH einer GmbH und Co. KG, kann die KG Sie direkt in Anspruch nehmen (Bundesgerichtshof, Urteil vom 14.03.2023, II ZR 162/21). Im Fall hatte eine Publikums-KG Anlegergelder als unzureichend besichertes Darlehen weitergegeben. Achten Sie darauf, dass Ihr Vertrag die KG als mitversicherte Gesellschaft nennt, sonst kann der Schutz gerade für deren Ansprüche fehlen.
Was gilt für die D&O von UG-Geschäftsführern?
Für den Geschäftsführer einer UG gilt dieselbe Haftung wie in jeder GmbH. Der Zusatz „haftungsbeschränkt“ schützt die Gesellschafter, nicht die Geschäftsführung. Anders ist vor allem der Zugang zur D&O: Viele Versicherer nehmen junge Gesellschaften mit wenig Eigenkapital nur eingeschränkt an.
Dünnes Kapital, frühe Krise
Die UG hat ein Stammkapital unter 25.000 Euro. Droht die Zahlungsunfähigkeit, müssen Sie unverzüglich die Gesellschafterversammlung einberufen (Quelle: § 5a GmbH-Gesetz). Bei dünnem Kapital greifen Insolvenzantragspflicht und Zahlungsverbot schnell. Damit rücken genau die Ansprüche näher, die eine D&O für Geschäftsführer abdecken soll.
Die Zahlen zeigen, dass insolvente UG meist jung sind: 2025 betrafen 72 Prozent der UG-Insolvenzen Gesellschaften, die jünger als acht Jahre waren, bei der GmbH waren es 47 Prozent (Quelle: Statistisches Bundesamt). Mit wenig Kapital bleibt kaum Puffer. Das spricht dafür, die D&O nicht erst dann abzuschließen, wenn es eng wird.
Was die D&O für eine UG nicht trägt
Treten Sie für eine UG als „GmbH“ auf, haften Sie dem Vertragspartner persönlich aus Rechtsschein (Bundesgerichtshof, Urteil vom 12.06.2012, II ZR 256/11), ebenso, wenn Sie den Zusatz „haftungsbeschränkt“ weglassen (Bundesgerichtshof, Urteil vom 13.01.2022, III ZR 210/20). Das ist kein Schadenersatz wegen einer Pflichtverletzung, sondern Einstehen für die Schuld selbst. Eine D&O zahlt dafür nicht. Prüfen Sie Geschäftsbriefe, Angebote und Rechnungen.
Wie eine UG eine D&O bekommt
Veröffentlichte Standardanträge verlangen meist zwei bis drei Jahre im Handelsregister oder einen ersten Jahresabschluss. Eine frisch gegründete UG landet deshalb im Start-up-Tarif oder in der Einzelprüfung mit Businessplan. Wie das abläuft und was es kostet, zeigt unser Ratgeber zur D&O für Start-ups.
Welche Haftungsfälle trägt die D&O für Geschäftsführer?
Die D&O trägt vor allem Ansprüche wegen fehlender Kontrolle, schlecht vorbereiteter Entscheidungen und Zahlungen in der Krise. Nicht versichert sind Vorsatz, der Rückgriff wegen Bußgeldern gegen das Unternehmen und Haftung, die keine Pflichtverletzung voraussetzt. Die folgenden Fälle aus der Rechtsprechung zeigen beides.
Fehlende Kontrolle: Haftung für einen Mitarbeiter
Ein Mineralölhändler gab Tankkarten auf Rechnung an Speditionen aus. Ein Mitarbeiter duldete Überziehungen der Kreditlimits und verschleierte sie, ein Vier-Augen-Prinzip gab es nicht. Das Oberlandesgericht Nürnberg verurteilte den Geschäftsführer zu 788.933,31 Euro (Quelle: Oberlandesgericht Nürnberg, 12 U 1520/19). Er hätte für schadensträchtige Bereiche eine wirksame Kontrolle schaffen müssen.
Für die D&O ist das ein typischer Fall: ein Anspruch der eigenen Gesellschaft wegen einer fahrlässigen Pflichtverletzung. Sie prüft den Vorwurf, wehrt ihn ab oder zahlt bis zur Versicherungssumme. Eine Summe von einer Million Euro wäre hier zu fast 80 Prozent verbraucht gewesen, noch ohne Abwehrkosten.
Zahlungen in der Krise: Erstattung an den Insolvenzverwalter
Ein Geschäftsführer leitete nach Eintritt der Insolvenzreife weiter Zahlungen über das gemeinsame Konto des Konzerns und berief sich auf Weisungen. Das Oberlandesgericht Düsseldorf sah ihn trotzdem in der Haftung: Nach Ablauf der Antragsfrist entlastet keine Weisung (Urteil vom 04.05.2026, I-12 U 42/25). Er muss die Zahlungen der Gesellschaft erstatten.
Solche Erstattungsansprüche kann die D&O tragen. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass der Anspruch nach altem Recht ein versicherter Schadenersatzanspruch sein kann (Urteil vom 18.11.2020, IV ZR 217/19). Viele Bedingungen nennen § 15b Insolvenzordnung inzwischen ausdrücklich, maßgeblich bleibt der Wortlaut Ihres Vertrags.
Steuern: Haftungsbescheid des Finanzamts
Führt die GmbH Umsatz- oder Lohnsteuer nicht ab, obwohl Geld da war, nimmt das Finanzamt Sie per Haftungsbescheid in Anspruch. Persönlich haften Sie nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit (Quelle: § 69 Abgabenordnung). Grobe Fahrlässigkeit ist versicherbar, Vorsatz nie. Die Musterbedingungen schließen Steuerhaftung nicht aus, viele Tarife nennen sie ausdrücklich, aber nicht alle.
Gefälschte Zahlungsaufforderung per E‑Mail
Ein Geschäftsführer überwies auf gefälschte E‑Mails hin Geld ins Ausland, die GmbH verklagte ihn. Das Oberlandesgericht Zweibrücken wies die Klage ab: Er habe nur leicht fahrlässig gehandelt, und die Überweisungen gehörten nicht zum Kernbereich der Geschäftsführung (Urteil vom 18.08.2022, 4 U 198/21). Das ist eine Einzelentscheidung, im Grundsatz haften Geschäftsführer schon bei leichter Fahrlässigkeit.
Der Fall zeigt die zweite Aufgabe der D&O: die Abwehr unberechtigter Ansprüche. Auch ein Prozess, den Sie am Ende gewinnen, kostet Anwalts- und Gerichtsgebühren. Diese Kosten trägt der Versicherer, in den Musterbedingungen allerdings angerechnet auf die Versicherungssumme.
Kartellbußgeld: Rückgriff nicht versichert
Verhängt eine Behörde ein Bußgeld gegen die GmbH, kann sie versuchen, es beim Geschäftsführer zurückzuholen. Ob das bei Kartellbußgeldern zulässig ist, muss der Europäische Gerichtshof klären. Im Fall vor dem Bundesgerichtshof ging es um 4,1 Millionen Euro gegen die GmbH (Quelle: Bundesgerichtshof, KZR 74/23). Die Musterbedingungen der D&O schließen den Rückgriff wegen Bußgeldern gegen das Unternehmen ohnehin aus.
Weitere Fälle, von der Nachhaftung im Ruhestand bis zur Insolvenzverschleppung, und was Sie im Ernstfall in der ersten Woche tun müssen, zeigt unser Ratgeber zur D&O im Schadenfall. Dort finden Sie auch ein Muster für die Meldung an Ihren Versicherer.
Was passiert mit Ihrem Schutz, wenn Sie als Geschäftsführer ausscheiden?
Ihre Haftung für die Amtszeit bleibt, bis die Ansprüche verjährt sind, und im Todesfall geht sie auf Ihre Erben über. Ehemalige Geschäftsführer sind in der Unternehmens-D&O mitversichert. Über den Vertrag entscheidet nach Ihrem Abschied aber allein die Gesellschaft, und genau hier entsteht eine Lücke.
Nachmeldefrist und Umstandsmeldung
Endet der Vertrag, bleiben Ansprüche versichert, die in der Nachmeldefrist erhoben werden, wenn die Pflichtverletzung vor Vertragsende lag. Im Bedingungswerk eines Versicherers sind es sieben Jahre, für Organe, die aus Alters- oder Gesundheitsgründen ausscheiden, zwölf Jahre. Nach einem Insolvenzantrag oder einem Wechsel der Beherrschung gibt es nach den Musterbedingungen kein Recht, eine Nachmeldefrist zuzukaufen.
Melden Sie konkrete Umstände, die zu einem Anspruch führen können, vor Ihrem Ausscheiden dem Versicherer. Ein späterer Anspruch gilt dann als zum Zeitpunkt der Meldung erhoben. Das ist wichtig, denn ein ausgeschiedener Geschäftsführer kann Neugläubigern sogar für Verträge nach seinem Abschied haften, solange eine verschleppte Krise fortwirkt (Bundesgerichtshof, Urteil vom 23.07.2024, II ZR 206/22).
Verhandeln Sie beim Abschied außerdem eine Generalbereinigung, also einen Verzicht der Gesellschaft auf Ansprüche gegen Sie. Sie reicht weiter als die jährliche Entlastung, hat aber gesetzliche Grenzen, vor allem in der Insolvenz. Die Einzelheiten erklärt unser Ratgeber zur Haftung des GmbH-Geschäftsführers.
Warum Geschäftsführer eine persönliche D&O ergänzen
Die Unternehmens-D&O ist das Fundament, die persönliche D&O Ihre eigene Sicherheitsebene. Sie schließen sie selbst ab, mit eigener Versicherungssumme und eigener Kontrolle über Kündigung und Verlängerung. Sinnvoll ist sie, wenn Sie ausscheiden, die Firma wechseln, mehrere Mandate haben oder Ansprüche Ihrer eigenen Gesellschaft fürchten.
Die persönliche D&O leistet typischerweise nachrangig: wenn die Summe des Unternehmens verbraucht ist, wenn ihr eigener Schutz weiter reicht oder wenn der Versicherer des Unternehmens die Leistung bestreitet. Kündigt die Gesellschaft ihren Vertrag oder lässt sie ihn auslaufen, behalten Sie mit dem eigenen Vertrag Ihren Schutz in der Hand.
Welche Fehler sollten Geschäftsführer bei der D&O vermeiden?
Ein folgenreicher Fehler ist, sich auf die D&O der Gesellschaft zu verlassen, ohne die Bedingungen zu kennen. Gerade die teuren Fälle, Insolvenz und Steuern, sind nicht in jedem Vertrag ausdrücklich versichert. Und was bei Abschluss schon bekannt ist, versichert kein neuer Vertrag mehr.
Typische Fehler
Die folgenden Punkte ergeben sich aus den Fällen und Bedingungen dieser Seite. Jeder kann dazu führen, dass Sie einen Anspruch ganz oder teilweise selbst bezahlen. Gehen Sie die Liste mit Ihrem Versicherungsschein durch, am besten bevor Sie den Anstellungsvertrag unterschreiben oder verlängern.
- Die D&O erst abschließen, wenn es kriselt, obwohl bekannte Pflichtverletzungen ausgeschlossen sind
- Risikofragen im Antrag ungenau beantworten, sodass der Versicherer zurücktreten kann
- Keine Zusage der D&O im Anstellungsvertrag vereinbaren
- Die Versicherungssumme nur nach dem Beitrag wählen, obwohl mehrere Geschäftsführer sie teilen
- Bei einer GmbH und Co. KG die KG nicht mitversichern
- Beim Ausscheiden keine Umstände melden und sich auf den Vertrag der Gesellschaft verlassen
Worauf Sie im Vertrag achten
Ein guter Vertrag nennt die typischen Haftungsfälle von Geschäftsführern ausdrücklich. Legen Sie die folgenden Punkte neben Ihre Bedingungen. Welche Versicherer welche Merkmale bieten, zeigt unser D&O-Test mit Tarifmerkmalen und Risikofragen.
- Haftung für Steuern nach § 34 und § 69 Abgabenordnung ausdrücklich mitversichert
- Erstattungsansprüche nach § 15b Insolvenzordnung ausdrücklich mitversichert
- Keine Kapitalbeteiligungsklausel, wenn Sie Anteile halten
- Lange Nachmeldefrist, im Markt heute bis zwölf Jahre und mehr
- Zusatzlimit für Abwehrkosten oder keine Anrechnung auf die Summe
- Ehemalige Geschäftsführer, Erben und bei Bedarf die KG mitversichert
Wie wir Sie bei der Prüfung begleiten, lesen Sie auf unserer Seite zur D&O-Beratung. Bringen Sie Versicherungsschein, Bedingungen und Ihren Anstellungsvertrag mit, dann sehen wir gemeinsam, wo Lücken sind.
Experten-Tipp:
Bei Geschäftsführern zählen die Krisenfälle
„Bei Geschäftsführern kleiner GmbHs schaue ich zuerst auf zwei Punkte: Sind Ansprüche des Insolvenzverwalters nach § 15b Insolvenzordnung und Haftungsbescheide des Finanzamts ausdrücklich versichert? Genau diese Fälle treffen auch Alleingesellschafter. Danach prüfe ich, ob eine Kapitalbeteiligungsklausel im Vertrag steht und ob die Summe für alle Geschäftsführer reicht. Und ich rate jedem, sich die D&O im Anstellungsvertrag zusagen zu lassen.“
Ihre D&O als Geschäftsführer prüfen lassen
Benjamin Mai prüft mit Ihnen den D&O-Vertrag Ihrer GmbH und holt bei Bedarf Angebote mehrerer Versicherer ein, kostenfrei und unverbindlich.
- Prüfung von Steuer- und Insolvenzhaftung im Vertrag
- Abgleich von Unternehmens- und persönlicher D&O
- Begleitung im Haftungsfall
Die häufigsten Fragen zur D&O-Versicherung für Geschäftsführer
Braucht jeder GmbH-Geschäftsführer eine D&O-Versicherung?
In aller Regel ja. Jede GmbH mit Fremdgeschäftsführer oder mehreren Geschäftsführern sollte eine Unternehmens-D&O haben, auch eine kleine, denn der Durchschnittsschaden lag 2025 bei rund 113.400 Euro. Für Alleingesellschafter zählen vor allem Ansprüche in der Insolvenz und Haftungsbescheide des Finanzamts.
Wer zahlt die D&O-Versicherung, die GmbH oder der Geschäftsführer?
Die Unternehmens-D&O schließt die GmbH ab und zahlt den Beitrag, für sie ist er eine Betriebsausgabe. Versichert sind die Geschäftsführer. Eine persönliche D&O schließen Sie selbst ab und setzen den Beitrag als Werbungskosten ab.
Ist eine D&O für Geschäftsführer Pflicht?
Nein, das Gesetz schreibt der GmbH keine D&O vor. Einen Anspruch darauf haben Sie als Geschäftsführer nur, wenn Ihr Anstellungsvertrag ihn zusagt. Vereinbaren Sie dort am besten auch Mindestsumme, Nachmeldefrist und einen jährlichen Nachweis.
Ist ein Gesellschafter-Geschäftsführer in der D&O versichert?
Ja, er ist als Geschäftsführer versicherte Person. Enthält der Vertrag eine Kapitalbeteiligungsklausel, kürzt der Versicherer Ansprüche der eigenen Gesellschaft aber um seinen Anteil, beim Alleingesellschafter ganz. Im Markt ist die Klausel selten, prüfen Sie Ihren Vertrag trotzdem darauf.
Lohnt sich eine D&O für eine Ein-Personen-GmbH?
Ja, wenn der Vertrag die richtigen Fälle abdeckt. Im laufenden Betrieb drohen kaum Ansprüche der eigenen Gesellschaft, in der Insolvenz aber Erstattungsansprüche des Insolvenzverwalters nach § 15b Insolvenzordnung. Dazu kommen Haftungsbescheide des Finanzamts. Genau diese Fälle sollte Ihr Vertrag ausdrücklich nennen.
Braucht der Geschäftsführer einer UG eine D&O?
Ja, er haftet wie jeder GmbH-Geschäftsführer, der Zusatz „haftungsbeschränkt“ schützt nur die Gesellschafter. Laut § 5a GmbH-Gesetz muss er zudem schon bei drohender Zahlungsunfähigkeit die Gesellschafterversammlung einberufen. Junge UG bekommen eine D&O meist über einen Start-up-Tarif.
Ist die D&O für den Geschäftsführer steuerlich Arbeitslohn?
Bei der Unternehmens-D&O nach Auffassung der Finanzverwaltung nicht, wenn sie vor allem das Unternehmen schützt und das Management als Ganzes versichert. Erstattet die GmbH dagegen den Beitrag einer persönlichen D&O, ist das Arbeitslohn mit Werbungskosten in gleicher Höhe. Klären Sie Einzelheiten mit Ihrer Steuerberatung.
Schützt die D&O auch nach dem Ausscheiden?
Ja, ehemalige Geschäftsführer sind in der Unternehmens-D&O mitversichert, solange der Vertrag läuft oder eine Nachmeldefrist gilt. Über den Vertrag entscheidet aber die Gesellschaft. Ansprüche aus § 43 GmbH-Gesetz verjähren erst fünf Jahre nach ihrer Entstehung, eine persönliche D&O hält den Schutz in Ihrer Hand.
Zahlt die D&O, wenn die GmbH insolvent wird?
Für Pflichtverletzungen bis zum Insolvenzantrag ja, auch wenn der Insolvenzverwalter die Ansprüche geltend macht. Für Erstattungsansprüche nach § 15b Insolvenzordnung gilt das, wenn Ihr Vertrag sie einschließt und Sie nicht wissentlich gegen Ihre Pflichten verstoßen haben. Für Pflichtverletzungen nach dem Antrag gibt es nach den Musterbedingungen keinen neuen Schutz.
Haftet der Geschäftsführer einer GmbH und Co. KG auch gegenüber der KG?
Ja. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass die KG den Geschäftsführer ihrer Komplementär-GmbH direkt in Anspruch nehmen kann (Urteil vom 14.03.2023, II ZR 162/21). Ihr D&O-Vertrag sollte die KG deshalb ausdrücklich mitversichern.
Welche Versicherung brauchen Geschäftsführer außer der D&O?
Für Streit, in dem es nicht um Schadenersatz geht, etwa um den Anstellungsvertrag nach einer Abberufung, ist ein Manager-Rechtsschutz gedacht. Er zahlt Anwalt und Gericht, aber keinen Schadenersatz. Welche weiteren Verträge sinnvoll sind, zeigt unser Ratgeber zu den Versicherungen für Geschäftsführer.
