SMS-Daumen & Handy-Nacken: So beugt man vor

Foto von Nina Ibach
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Das Wichtigste in Kürze

  • Nicht nur die technischen Möglichkeiten des modernen Menschen weiten sich aus – mit ihnen ergeben sich in gleichem Maße auch neue Krankheits­bilder.
  • Es entstehen Krankheits­erscheinungen, die sich aus einer zu oft wiederholten Bewegung ergeben oder weil der Körper in ungesunde Positionen gebracht wird.
  • Büroarbeiter oder Menschen, die exzessiv Computerspiele spielen, sind besonders gefährdet.
  • Wer zu diesen Gruppen gehört, sollte aktiv Prävention betreiben, zum Beispiel durch Sport und Pausen.

Das erwartet Sie hier

Welche gesundheitlichen Beschwerden sich durch viel Zeit an Smartphone, Tablet und Computer ergeben und wie Sie dem vorbeugen.

Inhalt dieser Seite
  1. Erste Beobachtungen zum Thema
  2. Belastung durch falsche Körperhaltung
  3. Maus Arm und SMS Daumen
  4. Überanstrengung der Augen
  5. Fazit

Space-Invaders-Handgelenk und Nintendinitis

Frühe Beobachtungen von Technikschäden

Der Beginn der Technikschädigung ist wohl im Jahr 1981 zu verzeichnen, als ein Student, der es mit dem Abschießen von Aliens auf seiner Atari-Spielekonsole übertrieben hatte, ein versteiftes, schmerzendes Handgelenk bekam. Diese Erkrankung ging als „Space-Invaders-Handgelenk“ in die Geschichte ein und wurde sogar im Fachmagazin „New England Journal of Medicine“ erwähnt.

In dieses Magazin schaffte es 1990 auch der Fall einer 35-jährigen US-Amerikanerin, deren schmerzender Daumen nach einem fünf Stunden langen Spiel auf der Nintendo-Spielekonsole von einem Arzt als „Nintendinitis“ bezeichnet wurde – der zusammengesetzte Begriff aus Nintendo und Tendinitis, der medizinische Fachbegriff für eine Sehnenscheiden­entzündung.

Falsche Körperhaltung durch Handy und Tablet

Icon Smartphone

Belastung von Schulter und Wirbelsäule

Deutsche schauen im Durchschnitt 2,5 Stunden pro Tag auf ihre Smartphones. Bei der Altersgruppe zwischen 18 und 29 sind es sogar vier Stunden (Stand: 2022). Dies stellt auf Dauer eine enorme Belastung für den Nacken- und Schulterbereich dar. Orthopäden bezeichnen dieses Krankheits­bild bereits als „Handy-Nacken“ und „iPad-Schulter“.


Viele unterschätzen ihre Handynutzung

Studien zeigen, dass die meisten Menschen unterschätzen, wie oft sie ihr Smartphone checken. Wenn Sie herausfinden möchten, wie viel Zeit Sie wirklich am Handy verbringen und auf welche Apps sich das verteilt, können Sie dafür Apps nutzen, die dies für Sie aufzeichnen.

Icon Uhr und Zeit

Bis zu 27 Kilo Belastung

Laut einer Studie des New Yorker Wirbelsäulenchirurgen Kenneth Hansraj (2014) muss es die menschliche Wirbelsäule bei einer normalen Nutzung des Smartphones mit einer zusätzlichen Belastung von etwa 27 Kilo aufnehmen.

KopfhaltungBelastung der Wirbelsäule
Gerade Haltung5 kg
15 Grad Neigung12 kg
45 Grad Neigung22 kg
60 Grad Neigung27 kg

Icon Kopfschmerzen

Belastung von Kopf und Nacken

Zudem werden durch die gebeugte Körperhaltung Muskeln, Nerven, Sehnen und Bänder in der Nackenpartie stark beansprucht und können dadurch beschädigt werden. Die unnatürlich geneigte Kopfhaltung des Smartphone-Users führt unweigerlich zu Verspannungen im Kopf- und Nackenbereich und kann auf Dauer zu Haltungsschäden und zum Bandscheibenvorfall führen.

Falsche Körperhaltung: Vorbeugung

  • Reduzieren Sie die Dauer der Smartphone- oder Tablet-Nutzung.
  • Machen Sie kurze Pausen während der Benutzung, während derer Sie den Kopf heben und Nacken und Schultern lockern.
  • Wenn Sie am Arbeitsplatz viel mit solchen Geräten arbeiten, versuchen Sie, zu Hause darauf zu verzichten.
  • Machen Sie zum Ausgleich Sport.

Präventionskurse bei der Kranken­versicherung

Sowohl in der privaten Kranken­versicherung als auch in der gesetzlichen Kranken­versicherung werden, abhängig vom Anbieter und dem gewählten Tarif, meist bestimmte Präventions- und Sportkurse angeboten, die dem Versicherten beispielsweise bei Rückenbeschwerden helfen. Davon profitieren nicht nur die Kunden, sondern auch die Versicherung, denn so müssen weniger Leistungen beansprucht werden.

Maus-Arm und SMS-Daumen

Icon Person mit Laptop

Repetetive Strain Injuries

Wird zu viel auf dem Handy oder Smartphone herumgetippt, kann dies schnell zu dem sogenannten „Handy-Daumen“ oder „Maus-Arm“ (früher als „Tennis-Arm“ bezeichnet) führen. In diesem Fall sind die Sehnen im Finger zu stark gereizt worden, auch bekannt als „Repetitive Strain Injury Syndrom“. Die Überbelastung kann zur bekannten Sehnenscheiden­entzündung führen.

Risiko chronischer Schmerzen

Schmerzen im Daumen und im Arm sind erste Anzeichen für die Erkrankung. Diese Alarmzeichen sollten durchaus ernst genommen werden, denn sonst können eine schmerzhafte Entzündung der Sehne oder chronische Schmerzen die Folge sein. Durch eine Überbelastung der rechten oder linken Körperhälfte durch das ständige Bedienen der Maus kann es zu einer unnatürlichen Anhebung des Schulterblatts auf einer Körperhälfte kommen, die schmerzhafte Gewebeveränderungen mit sich bringen kann. Die belastete Körperhälfte wird dauerhaft gereizt – chronische Schmerzen sind häufig die Folge.

Maus-Arm und SMS-Daumen: Vorbeugung

  • Verlangsamung der Klick- und Tippbewegungen
  • Regelmäßige Pausen, während denen die Hände gedehnt werden
  • Arbeitsplatz ergonomisch gestalten, zum Beispiel mit einem Bildschirm auf Augenhöhe statt dem ständigen Blick auf den Laptop
  • Alternativen zur normalen Maus nutzen wie zum Beispiel eine Vertikalmaus oder ein Pen-Tablett
  • Zu Hause den PC aus lassen

Auch Arbeitgeber können vorbeugende Maßnahmen im Rahmen des betrieblichen Gesundheits­managements unterstützen.

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Erhöhtes Unfallrisiko durch Smartphone-Nutzung

Gefahr im Straßenverkehr

Die Verwendung von Handys oder Smartphones im Straßenverkehr stellt eine zunehmende Gefahr dar. Leider wird sie von vielen Verkehrsteilnehmern nicht ernst genug genommen. Dabei sollte man sich vor Augen halten, dass ein Autofahrer, der telefoniert, die gleiche Aufmerksamkeitsspanne besitzt, wie jemand, der 0,8 Promille Alkohol im Blut hat. Das Schreiben von SMS ist noch gefährlicher: Jemand, der während des Autofahrens eine SMS schreibt, hat eine ähnlich getrübte Aufmerksamkeit, als ob er 1,1 Promille Alkohol im Blut hätte. Hier ist ein Bereich der absoluten Fahruntüchtigkeit erreicht.


Icon Coronavirus

Keime auf Geräten

Handys, Smartphones, Tablets und Tastaturen sind ein beliebter Tummelplatz für Bakterien, da sie häufig angefasst werden. Essensreste, Schweiß und ähnliches dienen dabei als Nährboden für die Keime. Nur jeder vierte Deutsche reinigt sein Smartphone regelmäßig – was sehr leichtsinnig ist, wenn man bedenkt, dass ein Handy in der Regel mehr Keime auf sich trägt als eine Toilettentür.


Darum sollten Sie Ihr Handy putzen

Tests zeigten, dass Handys nicht nur Schimmelpilze und Darmbakterien beherbergen können, sondern auch ernsthafte Krankheits­erreger wie Streptokokken und Staphylokokken, die Durchfall und sogar Hirnhaut­entzündungen auslösen können. Ein regelmäßiges Putzen der Oberflächen (beispielsweise mit einem Brillenputztuch) sollte die meisten Keime aber entfernen.

Überanstrengung der Augen

Arbeit am Bildschirm strengt die Augen an

Technische Geräte haben nicht nur einen Einfluss auf Muskeln, Nerven und Sehnen, sondern auch auf die Augen. Durch die dauerhafte Arbeit am Bildschirm werden die Augen stark beansprucht, wobei Jucken, Brennen und Rötungen die Folge sein können. Außerdem werden durch eine Überanstrengung der Augen Migräne und Schwindelanfälle gefördert.


Icon Brille

Kurzsichtigkeit nimmt zu

21 Millionen Beschäftigte benutzen in Deutschland den Bildschirm als tägliches Arbeitsmittel. Die Auswertung von 40 internationalen Studien hat ergeben, dass Kurzsichtigkeit weltweit zunimmt, denn das Arbeiten am Bildschirm fördert das Längenwachstum des Auges. Dies kann zwar durch eine Sehhilfe korrigiert werden, allerdings wird durch das Starren auf den Bildschirm auch die Wahrscheinlichkeit für die Erkrankung an grauem oder grünem Star erhöht.


Überanstrengung der Augen: Vorbeugung

  • Tragen einer passenden Sehhilfe
  • Regelmäßige Pausen vom Bildschirm (etwa alle 20 Minuten), bei denen in die Ferne geblickt wird
  • Der optimale Abstand zwischen den Augen und dem Bildschirm liegt bei etwa 80 cm

Fazit

Wer am PC arbeitet, im Alltag oft und lange auf sein Smartphone oder Tablet schaut oder viel Zeit mit Gaming verbringt, setzt seinen Körper besonderen Belastungen aus. Daraus können auf Dauer gesundheitliche Beschwerden resultieren. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich dieses Risikos bewusst zu sein und aktiv Prävention zu betreiben.


Die häufigsten Fragen zu Gesundheitsschäden wegen Handy, PC und ähnlichem

Ist das Handy schlecht für die Gesundheit?

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Häufige Handynutzung kann zu gesundheitlichen Problemen führen, zum Beispiel durch die Belastung des Nackens aufgrund der Neigung des Kopfes. Hinzu kommen noch gesundheitliche Risiken durch Keime auf der selten gereinigten Oberfläche von Handys sowie Schlafschwierigkeiten. Für letztere ist zwar auch das blaue Licht des Handys, in erster Linie aber die Ausschüttung von Dopamin verantwortlich.

Ist Zocken schädlich für die Gesundheit?

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Gaming an sich ist nicht schlecht für die Gesundheit – es werden sogar bestimmte Gehirnareale dadurch trainiert. Problematisch können jedoch das lange Sitzen vor dem PC und repetitive Bewegungen werden. Auch gibt es einen Zusammenhang mit Schlafmangel und Übergewicht und mittlerweile ist Computerspielsucht als eine psychische Erkrankung anerkannt. Wer jedoch ein Auge auf sein Spielverhalten hat und auf Bewegung, gesunde Ernährung und genug Schlaf achtet, kann positive Effekte mitnehmen und negative Effekte ausgleichen.

Welche gesundheitlichen Folgen kann die Arbeit am Computer haben?

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Auf Dauer stellt die Arbeit am Computer unter anderem eine Belastung für Augen und Bewegungsapparat dar. Hier können unter anderem bewusste Pausen, Bewegung in der Freizeit und eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes helfen.

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