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Fußball schauen während der Arbeitszeit – Was erlaubt ist

Seit Freitag hat die Fußball-Europameisterschaft sämtliche Fans in ihren Bann gezogen. Überall hört man Gespräche über den Verlauf der EM. Insbesondere die deutschen Fans dürfen sich glücklich schätzen. Keines der Vorrundenspiele findet am Nachmittag um 15 Uhr statt, lediglich abends um 18 oder 21 Uhr. Doch wie sieht es mit den Anhängern der Mannschaften aus, deren Spiele zu dieser unliebsamen Zeit stattfinden?

Wie viel Fußball ist am Arbeitsplatz erlaubt

Grundsätzlich haben Arbeitnehmer keinen Anspruch darauf, die EM-Spiele am Arbeitsplatz zu schauen oder anderweitig nachzuverfolgen. Denn Arbeitnehmer sind in der Pflicht, ihre Arbeitskraft während der gesamten Arbeitszeit zur Verfügung zu stellen. Schließlich werden sie auch dafür bezahlt. Nichtsdestotrotz können Arbeitnehmer davon ausgehen, dass sie die EM-Spiele zumindest akustisch mitverfolgen dürfen. Solange dies nicht die Arbeitsleistung beeinträchtigt, dürfte gegen das eingeschaltete Radio nichts sprechen. Das Radio darf die Arbeitsatmosphäre sowie Kundengespräche oder Telefonate nicht stören.

Fußballerisches Interesse unterliegt nicht dem Schutz des Grundgesetzes
Darüber hinaus haben Arbeitnehmer kein Anrecht auf Veränderung der Arbeitszeiten während der Europameisterschaft. Anders als religiöse Feste sind fußballerische Interessen nicht im Grundgesetz verankert.

Trikot tragen kann verboten werden

Für eingefleischte Fans gehört es einfach dazu, dass sie während der EM im Trikot der Lieblingsmannschaft am Arbeitsplatz erscheinen. Dagegen kann der Arbeitgeber seinerseits die Pflicht zum Tragen eines bestimmten Dresses oder Kleidungsstils aussprechen.

Alkohol ist tabu

Zu Zeiten der Europameisterschaft ist der Arbeitnehmer genauso zur Einhaltung der arbeitsrechtlichen Vorschriften verpflichtet, wie an allen anderen Tagen. Wurde das Thema Alkohol am Arbeitsplatz innerhalb der Betriebsvereinbarung oder dem Arbeitsvertrag tabuisiert, bleibt der Alkoholgenuss auch während der EM ein Tabu. Verstoßen Mitarbeiter dennoch gegen diese Regelung, droht ihnen eine Abmahnung. Selbst wenn aufgrund anderer Anlässe Alkohol getrunken wird, darf sich der Mitarbeiter nicht betrinken. Schließlich darf die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers nicht leiden. Vermittelt ein Mitarbeiter seinem Chef den Eindruck des Betrunkenseins mit inbegriffener Arbeitsunfähigkeit, oder stellt gar ein Sicherheitsrisikio dar, kann er nach Hausegeschickt werden und die nicht geleistete Arbeitszeit wird ihm vom Lohn abgezogen.

Möglichkeiten der Spielverfolgung im Betrieb

Möchten Arbeitnehmer den Verlauf der EM auch während der Arbeitszeit verfolgen, stehen ihnen unterschiedliche Optionen zur Auswahl:

Dem Spielhergang akustisch im Radio lauschen

Je nach beruflicher Tätigkeit kommt das Radio zum Verfolgen der EM-Spiele durchaus infrage. Schließlich kann den Kommentatoren zugehört werden, während man selbst weiterarbeitet. Nach Beschluss des Bundesarbeitsgericht ist das Radio hören am Arbeitsplatz nur gestattet, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Anstehende Aufgaben werden konzentriert, zügig und fehlerfrei erledigt
  • Kollegen und Kunden fühlen sich durch die Radiogeräusche nicht gestört

Nichtsdestotrotz kann der Arbeitgeber das Radio hören am Arbeitsplatz verbieten. Gemäß § 87 Abs. 1 Nr.1 des Betriebsverfassungsgesetzes muss er jedoch das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats wahren. Denn die Regelung zum Radio hören im Betrieb betrifft die Ordnung des Betriebs und das Verhalten der Arbeitnehmer. Wurde das Verbot nicht vom Betriebsrat abgesegnet, gilt es als unwirksam.

Live Streaming führt in einigen Fällen zur Kündigung

Wird der Verlauf der EM via Live-Stream oder Live-Ticker im Internet verfolgt, muss folgender Grundsatz beachtet werden:

Gemäß Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts stellt die private Internet-Nutzung am Arbeitsplatz in einigen Fällen eine Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten dar:

  • Nutzung trotz ausdrücklichem Verbot des Arbeitgebers
  • Nichterbringen der arbeitsvertraglichen Arbeitsleistung
  • Herunterladen erheblicher Datenmengen (unbefugter Download)
  • Zusätzliche Kosten durch Privatnutzung
  • Rufschädigung des Arbeitnehmers durch Herunterladen strafbarer pornografischer Darstellungen
Abmahnung und Kontrolle des Arbeitnehmers

Die eigentliche Pflichtverletzung fällt umso schwerer ins Gewicht, je mehr die Arbeitspflicht zeitlich wie auch inhaltlich vernachlässigt wird. Grundsätzlich stellt dieses Arbeitsverhalten einen Grund für eine außerordentliche Kündigung dar, wobei der Arbeitnehmer im Vorfeld abzumahnen ist. Haben Unternehmen die private Internetnutzung ausdrücklich verboten, dürfen sie sogar private Chats und Mails der Mitarbeiter kontrollieren. Dies geht soweit, dass selbst der Browserverlauf ausgewertet werden darf. Erlaubt der Arbeitgeber hingegen die private Internetnutzung, darf diese nicht ins Unermessliche ausarten. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Arbeitnehmer das gesamte Fußballspiel am Live-Ticker verfolgt. Hierbei ist der Arbeitgeber zur Aussprache einer Abmahnung berechtigt. Schaut sich der Arbeitnehmer mehrere Spiele hintereinander an, führt dies bereits zur fristlosen Kündigung.

Einrichtung flexibler Arbeitszeiten

Sofern im Arbeitsvertrag keine bestimmten Arbeitszeiten zum Vertragsgegenstand gemacht wurden, kann sich der Arbeitgeber für flexible Arbeitszeiten aussprechen. Ein möglicher Kompromiss wäre vor- und nachzuarbeiten bzw. die Pausen anzurechnen. Am einfachsten gestaltet es sich für Arbeitnehmer, wenn eine Gleitzeitregelung den Arbeitsalltag prägt. Fallen die Spiele nicht in die Kernarbeitszeit, müssen keinerlei Diskussionen angefangen werden.

Urlaub nehmen

Möchte man kein EM-Spiel verpassen, kann auch die Option Urlaub in Erwägung gezogen werden. Hat der Arbeitgeber diesen genehmigt, kann sich der Arbeitnehmer beruhigt zurücklehnen. Selbst dann, wenn plötzlich auch weitere Kollegen freihaben wollen. Sehr viel schwerer gestaltet sich die Situation, wenn Arbeitnehmer nur stundenweise frei haben wollen.
Eine andere Schwierigkeit tut sich auf, wenn ein Arbeitnehmer plötzlich eine Karte zum Spiel gewinnt und frei haben will. In dem Fall müsste der Arbeitgeber den Urlaub ohne Wenn und Aber gewähren.

Abbau von Überstunden

Die Europameisterschaft scheint für die meisten Arbeitnehmer der beste Zeitpunkt zu sein, um Überstunden abzubauen. Dies gestaltet sich auch weniger schwierig, solange es im Betrieb nicht zu Engpässen oder Produktionsschwierigkeiten kommt.

Tauschen von Diensten bei Schichtarbeit

Laut dem statistischen Bundesamt sind etwa sechs Millionen Erwerbstätige im Schichtdienst beschäftigt. Im Gegensatz zu den anderen Erwerbstätigen müssen sie vor allem abends, nachts und an Wochenenden arbeiten. Genau dann, wenn die meisten EM-Spiele stattfinden. Damit sie die EM-Spiele ihrer Lieblingsmannschaft dennoch verfolgen können, bleibt ihnen in den meisten Fällen nur eine Möglichkeit: der Tausch ihrer Schicht.

Absprache zwischen Chef und Arbeitnehmer

Damit Missverständnissen während der EM von vorneherein aus dem Weg gegangen werden kann, sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber besprechen, was während der EM am Arbeitsplatz erlaubt ist. Gibt sich der Arbeitgeber einmal mit der Nutzung von Fernsehen, Tablet etc. zufrieden, muss er diese Erlaubnis allen Mitarbeitern gleichberechtigt zuteil werden lassen. In dem Fall raten Experten zur Kompromissbereitschaft. Beispielsweise verhelfen Lockerungen oder das gemeinsame Fußballschauen zu einer besseren Beziehung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Auf die Weise lässt sich sowohl die Motivation des Arbeitnehmers, als auch das Arbeitsklima verbessern.

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