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Fußball schauen während der Arbeitszeit: Was ist erlaubt?

Foto von Nina Bruckmann
Zuletzt aktualisiert am

Das Wichtigste in Kürze

  • Arbeitnehmer müssen ihren arbeitsrechtlichen Verpflichtungen auch während großer Fußball-Events nachkommen.
  • Spiele streamen kann zu einer Abmahnung oder sogar zu einer Kündigung führen.
  • Solange die Arbeitsleistung nicht leidet, sind jedoch Kompromisse mit dem Arbeitgeber möglich – beispielsweise der gelegentliche Blick auf den Liveticker.
  • Kommunikation und transparente Regelungen verhindern Konflikte.

Das erwartet Sie hier

Ob Fußball schauen während der Arbeitszeit erlaubt ist und wieso Sie sich zur Sicherheit mit Ihrem Chef absprechen sollten.

Inhalt dieser Seite
  1. Wie viel Fußball ist erlaubt?
  2. Mögliche Lösungen
  3. Absprachen lohnen sich

Wie viel Fußball ist am Arbeitsplatz erlaubt?

Icon Person mit Laptop

Kein grundsätzlicher Anspruch

Grundsätzlich haben Arbeitnehmer keinen Anspruch darauf, die EM-Spiele am Arbeitsplatz zu schauen oder anderweitig nachzuverfolgen. Denn Arbeitnehmer sind in der Pflicht, ihre Arbeitskraft während der gesamten Arbeitszeit zur Verfügung zu stellen. Schließlich werden sie auch dafür bezahlt. Unter Umständen sind jedoch Kompromisse möglich.

Fußballerisches Interesse unterliegt nicht dem Schutz des Grundgesetzes

Darüber hinaus haben Arbeitnehmer kein Anrecht auf Veränderung der Arbeitszeiten während der Europameisterschaft. Anders als religiöse Feste sind fußballerische Interessen nicht im Grundgesetz verankert.

Icon Person mit Kopfhörern

Darf man Spiele im Radio verfolgen?

Dennoch können einige Arbeitnehmer die EM-Spiele akustisch mitverfolgen. Solange dies nicht die Arbeitsleistung beeinträchtigt, dürfte gegen das eingeschaltete Radio nichts sprechen. Das Radio darf jedoch die Arbeitsatmosphäre sowie Kundengespräche oder Telefonate nicht stören. Dass ein Arbeitgeber Musik während der Arbeit duldet, heißt nicht, dass er auch die potenziell deutlich ablenkendere Spielübertragung akzeptiert.

Weitere mögliche Lösungen


Live-Streaming führt in einigen Fällen zur Kündigung

Wird der Verlauf der EM via Live-Stream oder Live-Ticker im Internet verfolgt, muss folgender Grundsatz beachtet werden: Gemäß Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts stellt die private Internetnutzung am Arbeitsplatz in einigen Fällen eine Verletzung arbeitsvertraglicher Pflichten dar:

  • Nutzung trotz ausdrücklichem Verbot des Arbeitgebers
  • Nichterbringen der arbeitsvertraglichen Arbeitsleistung
  • Herunterladen erheblicher Datenmengen (unbefugter Download)
  • Zusätzliche Kosten durch Privatnutzung
  • Rufschädigung des Arbeitnehmers durch Herunterladen strafbarer pornografischer Darstellungen

Icon Internetsuche

Abmahnung und Kontrolle des Arbeitnehmers

Die eigentliche Pflicht­verletzung fällt umso schwerer ins Gewicht, je mehr die Arbeitspflicht zeitlich wie auch inhaltlich vernachlässigt wird. Grundsätzlich stellt dieses Arbeitsverhalten einen Grund für eine außerordentliche Kündigung dar, wobei der Arbeitnehmer im Vorfeld abzumahnen ist. Haben Unternehmen die private Internetnutzung ausdrücklich verboten, dürfen sie sogar private Chats und Mails der Mitarbeiter kontrollieren. Dies geht soweit, dass selbst der Browserverlauf ausgewertet werden darf.


Keine exzessive Internetnutzung

Erlaubt der Arbeitgeber hingegen die private Internetnutzung, darf diese nicht ins Unermessliche ausarten. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn ein Arbeitnehmer das gesamte Fußballspiel am Live-Ticker verfolgt. Hierbei ist der Arbeitgeber zur Aussprache einer Abmahnung berechtigt. Schaut sich der Arbeitnehmer mehrere Spiele hintereinander an, führt dies bereits zur fristlosen Kündigung. Aber ein seltener kurzer Blick auf den Live-Ticker sollte an Arbeitsplätzen, die private Internetnutzung dulden, kein großes Problem sein.


Icon Person mit Liste

Trikot tragen kann verboten werden

Für eingefleischte Fans gehört es einfach dazu, dass sie während der EM im Trikot der Lieblingsmannschaft am Arbeitsplatz erscheinen. Dagegen kann der Arbeitgeber seinerseits auf einen Dresscode pochen. Prinzipiell sind Trikots erlaubt, aber die repräsentative Funktion eines Arbeitnehmers oder die Wahrung des Betriebsfriedens sind ein legitimer Anlass für ein Verbot. Auch die Dekoration des Arbeitsplatzes mit Fanartikeln kann der Arbeitgeber verbieten.


Alkohol ist tabu

Zu Zeiten der Europameisterschaft ist der Arbeitnehmer genauso zur Einhaltung der arbeitsrechtlichen Vorschriften verpflichtet, wie an allen anderen Tagen. Wurde das Thema Alkohol am Arbeitsplatz innerhalb der Betriebsvereinbarung oder dem Arbeitsvertrag tabuisiert, bleibt der Alkoholgenuss auch während der EM ein Tabu. Verstoßen Mitarbeiter dennoch gegen diese Regelung, droht ihnen eine Abmahnung.

Selbst wenn aufgrund anderer Anlässe Alkohol getrunken wird, darf sich der Mitarbeiter nicht betrinken. Schließlich darf die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers nicht leiden. Vermittelt ein Mitarbeiter seinem Chef den Eindruck des Betrunkenseins mit inbegriffener Arbeitsunfähigkeit, oder stellt gar ein Sicherheitsrisiko dar, kann er nach Hause geschickt werden und die nicht geleistete Arbeitszeit wird ihm vom Lohn abgezogen.


Icon rotes X

Auch Tippspiele können verboten werden

Tippspiele können nur außerhalb der Arbeitszeiten oder in den Pausen stattfinden, da sie ebenfalls Ablenkungen von der Arbeit darstellen. Da es sich streng genommen um Glücksspiel handelt, können sie am Arbeitsplatz auch kategorisch verboten werden. Öffentliches oder gewohnheitsmäßig betriebenes Glücksspiel in geschlossenen Gesellschaften ist sogar eine Straftat (§ 284 StGB). Aber die Gewohnheitsmäßigkeit ist am Arbeitsplatz eher nicht gegeben, daher dürfte die Konsequenz eher eine Abmahnung als eine außerordentliche Kündigung sein.

Möglichkeiten der Spielverfolgung im Betrieb

Icon Fußball

Spiele verfolgen ohne Konflikt

Möchten Arbeitnehmer den Verlauf der EM auch während der Arbeitszeit verfolgen, stehen ihnen unterschiedliche Optionen zur Auswahl:


Wer kann Spiele im Radio verfolgen?

Je nach beruflicher Tätigkeit kommt das Radio zum Verfolgen der EM-Spiele durchaus infrage. Schließlich kann den Kommentatoren zugehört werden, während man selbst weiterarbeitet. Nach Beschluss des Bundesarbeitsgericht ist das Radio hören am Arbeitsplatz nur gestattet, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Anstehende Aufgaben werden konzentriert, zügig und fehlerfrei erledigt
  • Kollegen und Kunden fühlen sich durch die Radiogeräusche nicht gestört

Können Arbeitgeber Radios und Musik kategorisch verbieten?

Arbeitgeber dürfen Radiohören am Arbeitsplatz verbieten. Gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 1 des Betriebsverfassungsgesetzes müssen Sie jedoch das Mitbestimmungsrecht des Betriebsrats wahren. Denn die Regelung zum Radio hören im Betrieb betrifft die Ordnung des Betriebs und das Verhalten der Arbeitnehmer. Wurde das Verbot nicht vom Betriebsrat abgesegnet, gilt es als unwirksam.


Icon Kalender

Einrichtung flexibler Arbeitszeiten

Sofern im Arbeitsvertrag keine bestimmten Arbeitszeiten zum Vertragsgegenstand gemacht wurden, kann sich der Arbeitgeber für flexible Arbeitszeiten aussprechen. Ein möglicher Kompromiss wäre vor- und nachzuarbeiten oder die Pausen anzurechnen. Am einfachsten gestaltet es sich für Arbeitnehmer, wenn eine Gleitzeitregelung den Arbeitsalltag prägt. Fallen die Spiele nicht in die Kernarbeitszeit, müssen keinerlei Diskussionen angefangen werden.


Urlaub nehmen

Möchte man kein EM-Spiel verpassen, kann auch der Urlaub in Erwägung gezogen werden. Hat der Arbeitgeber diesen genehmigt, kann sich der Arbeitnehmer beruhigt zurücklehnen. Selbst dann, wenn plötzlich auch weitere Kollegen freihaben wollen. Sehr viel schwieriger gestaltet sich die Situation, wenn Arbeitnehmer nur stundenweise freihaben wollen oder wenn sie in einer Firma voller Fußballfans arbeiten, die ihnen beim Einreichen des Urlaubs zuvorgekommen sind. Denn das könnte dazu führen, dass es wichtige betriebliche Gründe gibt, den Urlaub nicht zu genehmigen. Beachten Sie, dass auch unbezahlter Urlaub genehmigt werden muss.


Icon Uhr und Zeit

Abbau von Überstunden

Die Europameisterschaft scheint für die meisten Arbeitnehmer der beste Zeitpunkt zu sein, um Überstunden abzubauen. Dies gestaltet sich auch weniger schwierig, solange es im Betrieb nicht zu Engpässen oder Produktionsschwierigkeiten kommt.


Tauschen von Diensten bei Schichtarbeit

Laut dem Statistischen Bundesamt sind etwa sechs Millionen Erwerbstätige im Schichtdienst beschäftigt. Im Gegensatz zu den anderen Erwerbstätigen müssen sie vor allem abends, nachts und an Wochenenden arbeiten. Genau dann, wenn die meisten EM-Spiele stattfinden. Damit sie die EM-Spiele ihrer Lieblingsmannschaft dennoch verfolgen können, bleibt ihnen in den meisten Fällen nur eine Möglichkeit: der Tausch ihrer Schicht.

Absprache zwischen Chef und Arbeitnehmer

Absprachen verhindern Konflikte

Damit Missverständnissen während der EM von vorneherein aus dem Weg gegangen werden kann, sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber besprechen, was während der EM am Arbeitsplatz erlaubt ist. Gibt sich der Arbeitgeber einmal mit der Nutzung von Fernsehen, Tablets und ähnlichem zufrieden, muss er diese Erlaubnis allen Mitarbeitern gleichberechtigt zuteil werden lassen.

Experten raten zur Kompromissbereitschaft. Beispielsweise verhelfen Lockerungen oder das gemeinsame Fußballschauen zu einer besseren Beziehung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Auf die Weise lässt sich sowohl die Motivation des Arbeitnehmers als auch das Arbeitsklima verbessern.

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