Ärztlicher Behandlungsfehler – Was tun?

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Das erwartet Sie hier

Was kann man nach einem Behandlungsfehler beim Arzt oder im Krankenhaus tun, um sein Recht durchzusetzen?


Das Wichtigste in Kürze

  • So versiert der Arzt auf seinem Spezialgebiet auch sein mag, kann es passieren, dass ihm Fehler mit weitreichenden Folgen unterlaufen.
  • Betroffene können Schadensersatz und Schmerzensgeld verlangen. Teilweise muss dies vor Gericht erzielt werden.
  • Die Verjährungsfrist für Behandlungsfehler beträgt in der Regel 3 Jahre.

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  1. Das können Sie bei Vermutung auf Behandlungsfehler tun
  2. So gehen Sie vor
  3. Diese Möglichkeiten haben Sie
  4. Behandlungsfehler im Krankenhaus
  5. Fazit

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Was kann man nach einem Behandlungsfehler beim Arzt oder im Krankenhaus tun, um sein Recht durchzusetzen?

Inhalt dieser Seite
  1. Das können Sie bei Vermutung auf Behandlungsfehler tun
  2. So gehen Sie vor
  3. Diese Möglichkeiten haben Sie
  4. Behandlungsfehler im Krankenhaus
  5. Fazit

Das Wichtigste in Kürze

  • So versiert der Arzt auf seinem Spezialgebiet auch sein mag, kann es passieren, dass ihm Fehler mit weitreichenden Folgen unterlaufen.
  • Betroffene können Schadensersatz und Schmerzensgeld verlangen. Teilweise muss dies vor Gericht erzielt werden.
  • Die Verjährungsfrist für Behandlungsfehler beträgt in der Regel 3 Jahre.

Anspruch der Patienten

Ihrer Profession wegen sind Ärzte dazu verpflichtet, die Gesundheit ihrer Patienten zu verbessern. In dem Zusammenhang hat der Patient Anspruch auf eine qualifizierte an die ärztlichen Regeln angelehnte Behandlung. Kann der behandelnde Arzt eine solche Behandlung nicht gewährleisten, muss er seinen Patienten an eine geeigneten Kollegen verweisen. Hierbei muss der Arzt über die Vor- und Nachteile sowie Risiken der jeweiligen Behandlungs­maßnahmen aufklären. Tritt der Fall ein, dass sich Arzt und Patient nicht auf eine Behandlungsmethode einigen können, ist der Arzt auch nicht zur Behandlung verpflichtet.


Definition: Ärztlicher Behandlungsfehler

Sofern die Behandlungsart des Arztes keine, nach anerkannten medizinischen Standards, sorgfältige Behandlungstherapie erkennen lässt, dann liegt ein Behandlungsfehler vor. Dabei charakterisiert sich ein ärztlicher Behandlungsfehler durch folgende drei Merkmale:

  • Vorliegen eines Schadens
  • Ursache ist auf Behandlung zurückzuführen
  • Behandlung verstößt gegen die Regeln der ärztlichen Kunst[/cbox]

Umgehen mit der Vermutung auf Behandlungsfehler

Vermutet der Patient hinter dem medizinischen Eingriff einen Behandlungsfehler, kann er unterschiedliche Institutionen zur Klärung des Sachverhalts aufsuchen:

Gespräch mit dem Arzt suchen

Hegt der Patient die Vermutung Opfer eines Behandlungsfehlers geworden zu sein, sollte er im ersten das Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen. Weist der Arzt jegliche Vermutung bzw. Schuld von sich, ist es ratsam, die leitenden Ärzte bzw. die Klinikleitung über den Sachverhalt in Kenntnis zu setzen. Zahlreiche Krankenhäuser verfügen über zentrale Beschwerdestellen, an die sich die Patienten im Ernstfall wenden können.

Ärztekammer ermöglicht außergerichtliche Streitschlichtung

Unter Einsatz ihrer Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für Arzthaftungsstreitigkeiten, bieten Ärztekammern klagenden Patienten eine außergerichtliche Streitschlichtung mit inbegriffenem Expertengutachten an. Diese Form der Streitbeilegung bleibt für den Patienten kostenlos.

Krankenkassen ebnen den Weg für ein Gerichtsverfahren

Patienten, die mit ihren Anliegen an die Krankenkasse herantreten, erhalten in der Regel eine Rechtsberatung. Daneben kann sich die Krankenkasse ebenfalls für die Einholung eines Gutachtens über den medizinischen Dienst aussprechen. Das Gutachten kann entscheidend sein, wenn der Rechtsweg eingeschlagen werden muss. Genauso wie die außergerichtliche Streitschlichtung, ist auch diese rechtliche Unterstützung kostenlos für den Patienten.

Verbraucherzentralen haben ein offenes Ohr

Kommen Fragen zum Thema Behandlungsfehler auf, bieten Institutionen wie Verbraucherschutzzentralen, Selbsthilfegruppen und Patientenberatungsstellen ebenfalls ihre Unterstützung. Unter der Rufnummer 0800-00117722 können Patienten bundesweit ihre Anliegen ansprechen und auf eine kompetente Beratung vertrauen.

Der Gang vors Gericht als letzter Ausweg

Scheint keine der Optionen von Erfolg gekrönt zu sein, bleibt dem Patienten im schlimmsten nur noch das Einleiten eines gerichtlichen Verfahrens. Für den Fall, dass der Patient nicht im Besitz einer Rechtsschutz­versicherung, muss er die anfallenden Kosten aus eigener Tasche zahlen.

Rechtlichen Beistand zu Rate ziehen

Patienten, die im Besitz einer Rechtsschutz­versicherung sind, haben die Möglichkeit, rechtlichen Beistand in Anspruch zu nehmen. Die Beauftragung eines Anwalts für Arztaftungsrecht hat den Vorteil, dass sie sich einen schnellen Überblick über die Erfolgsaussichten verschaffen können. Sie übernehmen in der Regel sämtlichen Schriftverkehr mit dem Arzt und der jeweiligen Haftpflicht­versicherung. Ferner kümmern sie sich darum, dass Gutachten zeitnah angefertigt werden. Demgegenüber weiß der Anwalt genau, gegen wen der Anwalt vorgehen muss. Somit obliegt es ihm, eine drohende Verjährung von Ansprüchen zu verhindern.

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Vorgehen beim Verdacht auf Behandlungsfehler

Erhärtet sich der Verdacht, dass bei dem medizinischen Eingriff etwas schief gegangen ist, sollten Patienten dies keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Vielmehr ist es ihnen zu empfehlen, die Meinung eines zweiten Arztes einzuholen und sämtliche Untersuchungen wie auch Behandlungsschritte ausführlich festzuhalten. Damit die Dokumentation der einzelnen Therapieansätze ordnungsgemäß erfolgt, ist es sinnvoll folgende Schritte zu beherzigen

1 . Behandlungsunterlagen anfordern

Patienten haben Anspruch auf Einsicht in ihre Krankenakte- auch ohne Darlegung eines besonderen Grundes. Dies betrifft insbesondere Operations- und Pflegeberichte, Befunde, Laborwerte aber auch Aufzeichnungen über Medikamentengaben. Die dadurch entstehenden Kopierkosten werden dem Patienten in Rechnung gestellt. Ferner muss er auch nicht persönlich Einsicht nehmen. Es genügt, wenn eine Vertrauensperson mit dieser Aufgabe betraut wurde.

2. Arzt von der Schweigepflicht entbinden

Im nächsten Schritt muss der Patient den behandelnden Arzt von dessen Schweigepflicht entbinden. Mustervordrucke erhält man bei der Krankenkasse. Erst mit Entbindung von der Schweigepflicht habe Krankenkassen und Gutachter die Möglichkeit, Dokumente und Informationen anzufordern.

3. Gedächtnisprotokoll erstellen

Mit der Erstellung des Gedächtnisprotokolls wird der zeitliche Ablauf der Behandlung ausführlich niedergeschrieben. Dabei sollte das Gedächtnisprotokoll Aufschluss über folgende Fragen geben:

  • Was?
  • Wann?
  • Wo?

Darüber hinaus ist es wichtig, Arztbesuche sowie Zeugen wie zum Beispiel Angehörige oder Zimmernachbarn zu erwähnen. Ferner sollten auch Beschwerden und Schmerzen konkret beschrieben werden.

Unterschiedliche Möglichkeiten das eigene Recht durchzusetzen

Möchte der Patient sein Recht durchsetzen bzw. Schadensersatzansprüche geltend machen, kann er die Unterstützung verschiedener Organisationen in Anspruch nehmen:

Gutachterverfahren der Ärztekammer

Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen sind dazu da, dass Streitigkeiten außergerichtlich aus der Welt geschafft werden. Wird auf die Mithilfe der Gutachterkommission vertraut, erstellen sie zunächst ein Gutachten, welches Aufschluss darüber gibt, ob die gesundheitliche Beeinträchtigung des Patienten auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen ist. Dabei erfolgt das Einschalten der Schlichtungsstellen auf freiwilliger Basis und sollte nicht zum Gegenstand eines Gerichtsverfahrens gemacht werden. Daher dürfen diese Sachverhalte nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Sofern Patient und Arzt mit dem Ausgang der außergerichtlichen Streitschlichtung nicht einverstanden sind, können sie den Rechtsweg eingreifen.

Unterstützung vom medizinischen Dienst der Krankenkassen

Gesetzliche Versicherte, die hinter der Arztpraxis einen Behandlungsfehler vermuten, können eine Beratung beim medizinischen Dienst in Anspruch nehmen. Im Anschluss an die Beratung erstellen die angestellten Ärzte zunächst ein Gutachten, für dessen Erstellung keine zusätzlichen Kosten in Rechnung gestellt werden.

Verfahren der Krankenkassen

Die Krankenkassen können, müssen den Patienten aber nicht bei der Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen behilflich sein. Wird die Durchsetzung angestrebt, erstellt der Medizinische Dienst mithilfe des Patienten ein Gutachten über die Behandlung. Im Anschluss daran bespricht ein Patientenberater das weitere Vorgehen mit dem Versicherten. In einem solchen Fall tritt die Krankenkasse zunächst mit der Berufs­haftpflicht­versicherung des Arztes in Verhandlung. Erweist sich diese als erfolgreich, erzielt der Patient auch leichter eine außergerichtliche Einigung. Im umgekehrten Fall bleibt dem Patienten nichts übrig, als vors Gericht zu ziehen.

Regelungen für ein Gerichtsverfahren

Der Patient hat nur dann ein Recht auf Schadensersatz, wenn der gesundheitliche Schaden auf den begangenen Behandlungsfehler zurückgeführt werden kann. Somit steht der Patient in der Beweispflicht, den Schaden, die Pflicht­verletzung und den Zusammenhang zwischen Pflicht­verletzung und den Schaden herzustellen. Für den Fall, dass der Arzt mit Absicht auf die Anwendung bewährter, ärztlicher Verhaltensregeln verzichtet, muss der Kausalitätsbeweis nicht mehr erbracht werden.


Behandlungsfehler verjähren nach 3 Jahren

Grundsätzlich beträgt die Verjährungsfrist drei Jahre. Sie beginnt, sobald der Patient von Einzelheiten erfährt, die auf einen Behandlungsfehler zurückführen.

Behandlungsfehler im Krankenhaus: Was tun?

Entschädigung bei einem stationären Behandlungsfehler

Für die Durchsetzung etwaiger Schmerzensgeldansprüche infolge Behandlungsfehler spielen nicht nur die objektiven Verletzungen des Patienten eine wichtige Rolle. Somit besteht die Aufgabe des Patientenanwalts darin, dem Richter sämtliche Details mitzuteilen, die für die Bemessung der Schmerzensgeldhöhe notwendig sind. In dem Zusammenhang müssen nicht nur körperliche Schäden, sondern auch seelische Leiden dokumentiert werden. Oftmals berichten die Geschädigten viel zu wenig darüber, welches Leid sie tatsächlich durchmachen mussten und leiden ihr Leben lang an den Folgen des Eingriffs.

Der Geschädigte leidet ein Leben lang unter den Folgen eines Behandlungsfehlers

Umstände wie etwa Zukunftssorgen, Existenzängste und Hilfslosigkeit bis ans Lebensende führen dazu, dass sich das Schmerzensgeld deutlich erhöht. Aber auch Zustände, wie Beeinträchtigungen beim Sport und lange Krankenhausaufenthalte, müssen dem Gericht mitgeteilt werden. Sie wirken sich ebenso auf die Höhe des Schmerzensgeldes aus. Verliert ein Patient aufgrund von Behandlungen bestimmte Organe oder erleidet eine körperliche Behinderung, sollte er sich nicht scheuen die Schwere der Verletzung und ihre Sichtbarkeit unter Beweis zu stellen.

Schmerzensgeld im Falle eines stationären Behandlungsfehlers

Schmerzensgelder, wie sie in den Vereinigten Staaten ausgezahlt werden, sind in Deutschland nicht zu erwarten. Auch wenn Experten die Ansicht vertreten, dass sich die Richter bei der Berechnung von Schadensersatzansprüchen großzügiger zeigen, bleiben die Beträge selbst in spektakulären Fällen noch moderat. Beispielsweise ist deutschen Gerichten eine amputierte Brust, die nach Diagnose auch hätte erhalten werden können, 30.000 Euro wert. Demgegenüber erhielt eine Frau, deren gebrochenen Handgelenk man ohne Betäubung wieder einrichtete, ein Schmerzensgeld von 250 Euro. Dabei erfolgt die Bemessung der Schmerzensgeldhöhe auf Grundlage folgender Faktoren:

  • Schwere der Verletzung
  • vorhandene Folgeschäden
  • Anzahl der Operationen
  • Länge der Krankenhausaufenthalte

Verjährung eines stationären Behandlungsfehlers

Im Rahmen der Verjährung ist es wichtig, dass der Stichtag, der 31. Dezember eines jeden Jahres nicht verpasst wird. Schließlich endet die Verjährung mit Ablauf eines bestimmten Jahres. Da Behandlungsfehler, den Anspruch auf Schmerzensgeld oder Schadensersatz begründen, beträgt ihre Verjährungsfrist drei Jahre. In dem Fall beginnt die Frist in dem Jahr, in dem der Patient von dem Behandlungsfehler Kenntnis genommen hat. Hat man beispielsweise im Jahr 2012 von einem Behandlungsfehler erfahren, tritt die Verjährung mit Ablauf des Jahres 2015 ein. Da Fachanwälte für Medizinrecht eine gewisse Vorlaufzeit zur Einarbeitung und Prüfung benötigen, sollte so schnell wie möglich eine Fachkanzlei mit dem Fall betraut werden.

Hemmung der Verjährung möglich

Stellt der Patient einen Antrag auf Schlichtung bei einer Schlichtungsstelle für Arzthaftungsfragen, führt dies zur Hemmung der Verjährung. Diese Option den Streit außergerichtlich zu schlichten, begünstigt der Gesetzgeber damit, dass die Hemmung erst sechs Monate nach Ende bzw. Anbruch des Schlichtungsverfahrens erlischt. Eine Hemmung der Verjährung findet auch dann statt, wenn zwischen den Parteien Verhandlungen bestehen. Dahingehend bleibt die Hemmung solange bestehen, bis die Verhandlungen von einer der beiden Parteien abgebrochen werden. Bei Abbruch der Verhandlungen wirkt die Hemmung der Verjährung noch weitere drei Monate.


Beispiele für Behandlungsfehler im Krankenhaus

Welche Nachlässigkeit Krankenhäuser an den Tag legen, lässt sich insbesondere an folgenden Beispielen reflektieren:

Lebende Frau wird für tot erklärt

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Im Jahre 2013 verunglückte eine 72-Jährige bei einem Verkehrsunfall auf der A23 bei Itzehoe in Schleswig Holstein. Daraufhin erklärten die Notärzte sie für tot. Im Anschluss daran brachte ein Leichenwagen die für tot erklärte Frau in die Pathologie. Bei Öffnung des Leichensacks bemerkte der Bestatter, dass die Frau noch atmete. Sie kam auf die Intensivstation und lag mehrere Stunden im Koma. Trotz einer OP starb sie noch am selben Abend an schweren Kopf­verletzungen.

Tupfer im Körper des Patienten vergessen

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Ein 71-jähriger Mann wurde im Jahre 2012 am Herzen operiert. Jedoch fehlte nach dem Eingriff ein Tupfer. Während die Kompressen gezählt wurden, tastete der Operateur das Bindegewerbe um das Herz ab. Noch immer blieb der Tupfer verschwunden. Somit nahm der Arzt an, dass einfach falsch gezählt wurde und nähte den Patienten zu. Jedoch steckte der Tupfer noch immer am Herzen. Daraufhin litt der 71-Jährige auf der Intensivstation an hohem Fieber. Bei einer erneuten Untersuchung entdeckte der Arzt den Tupfer. Im Anschluss daran wurde der Tupfer per Not-OP entfernt. Durch den Verbleib des Tupfers erlitt der 71-jährige Mann eine schwere Blutvergiftung, die er aber glücklicherweise überlebte.

Fazit

Erhärtet sich der Verdacht eines Behandlungsfehlers sollten Patienten nicht ruhig bleiben, sondern auf ihr Recht pochen. Hierbei ist es sinnvoll, sämtliche Untersuchungen und Behandlungsschritte so ausführlich, wie möglich zu dokumentieren. Zur Durchsetzung ihrer Rechte können sie auf die Unterstützung verschiedener Institutionen vertrauen. Ist diese nicht von Erfolg gekrönt, können sie als letzte Instanz das Gericht einschalten.

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