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Ärztlicher Behandlungsfehler – Was tun?

Egal mit welcher Sorgsamkeit die Patienten über den bevorstehenden Eingriff aufgeklärt werden, müssen sie am Ende des Tages auf das fachmännische Können ihres behandelnden Arztes vertrauen. So versiert der Arzt auf seinem Spezialgebiet auch sein mag, kann es passieren, dass ihm Fehler mit weitreichenden Folgen unterlaufen. Was tut man, wenn hinter der Vorgehensweise des Arztes ein Behandlungsfehler vermutet wird?

Anspruch der Patienten

Ihrer Profession wegen sind Ärzte dazu verpflichtet, die Gesundheit ihrer Patienten zu verbessern. In dem Zusammenhang hat der Patient Anspruch auf eine qualifizierte an die ärztlichen Regeln angelehnte Behandlung. Kann der behandelnde Arzt eine solche Behandlung nicht gewährleisten, muss er seinen Patienten an eine geeigneten Kollegen verweisen. Hierbei muss der Arzt über die Vor- und Nachteile sowie Risiken der jeweiligen Behandlungsmaßnahmen aufklären. Tritt der Fall ein, dass sich Arzt und Patient nicht auf eine Behandlungsmethode einigen können, ist der Arzt auch nicht zur Behandlung verpflichtet.

Definition: Ärztlicher Behandlungsfehler

Sofern die Behandlungsart des Arztes keine, nach anerkannten medizinischen Standards, sorgfältige Behandlungstherapie erkennen lässt, dann liegt ein Behandlungsfehler vor. Dabei charakterisiert sich ein ärztlicher Behandlungsfehler durch folgende drei Merkmale:

  • Vorliegen eines Schadens
  • Ursache ist auf Behandlung zurückzuführen
  • Behandlung verstößt gegen die Regeln der ärztlichen Kunst

Umgehen mit der Vermutung auf Behandlungsfehler

Vermutet der Patient hinter dem medizinischen Eingriff einen Behandlungsfehler, kann er unterschiedliche Institutionen zur Klärung des Sachverhalts aufsuchen:

Gespräch mit dem Arzt suchen

Hegt der Patient die Vermutung Opfer eines Behandlungsfehlers geworden zu sein, sollte er im ersten das Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen. Weist der Arzt jegliche Vermutung bzw. Schuld von sich, ist es ratsam, die leitenden Ärzte bzw. die Klinikleitung über den Sachverhalt in Kenntnis zu setzen. Zahlreiche Krankenhäuser verfügen über zentrale Beschwerdestellen, an die sich die Patienten im Ernstfall wenden können.

Ärztekammer ermöglicht außergerichtliche Streitschlichtung

Unter Einsatz ihrer Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für Arzthaftungsstreitigkeiten, bieten Ärztekammern klagenden Patienten eine außergerichtliche Streitschlichtung mit inbegriffenem Expertengutachten an. Diese Form der Streitbeilegung bleibt für den Patienten kostenlos.

Krankenkassen ebnen den Weg für ein Gerichtsverfahren

Patienten, die mit ihren Anliegen an die Krankenkasse herantreten, erhalten in der Regel ein Rechtsberatung vermittelt. Daneben kann sich die Krankenkasse ebenfalls für die Einholung eines Gutachtens über den medizinischen Dienst aussprechen. Das Gutachten kann entscheidend sein, wenn der Rechtsweg eingeschlagen werden muss. Genauso wie die außergerichtliche Streitschlichtung, ist auch diese rechtliche Unterstützung kostenlos für den Patienten.

Verbraucherzentralen haben ein offenes Ohr

Kommen Fragen zum Thema Behandlungsfehler auf, bieten Institutionen wie Verbraucherschutzzentralen, Selbsthilfegruppen und Patientenberatungsstellen ebenfalls ihre Unterstützung. Unter der Rufnummer 0800-00117722 können Patienten bundesweit ihre Anliegen ansprechen und auf eine kompetente Beratung vertrauen.

Der Gang vors Gericht als letzter Ausweg

Scheint keine der Optionen von Erfolg gekrönt zu sein, bleibt dem Patienten im schlimmsten nur noch das Einleiten eines gerichtlichen Verfahrens. Für den Fall, dass der Patient nicht im Besitz einer Rechtsschutzversicherung, muss er die anfallenden Kosten aus eigener Tasche zahlen.

Vorgehen beim Verdacht auf Behandlungsfehler

Erhärtet sich der Verdacht, dass bei dem medizinischen Eingriff etwas schief gegangen ist, sollten Patienten dies keinesfalls auf die leichte Schulter nehmen. Vielmehr ist es ihnen zu empfehlen, die Meinung eines zweiten Arztes einzuholen und sämtliche Untersuchungen wie auch Behandlungsschritte ausführlich festzuhalten. Damit die Dokumentation der einzelnen Therapieansätze ordnungsgemäß erfolgt, ist es sinnvoll folgende Schritte zu beherzigen

1 . Behandlungsunterlagen anfordern

Patienten haben Anspruch auf Einsicht in ihre Krankenakte- auch ohne Darlegung eines besonderen Grundes. Dies betrifft insbesondere Operations- und Pflegeberichte, Befunde, Laborwerte aber auch Aufzeichnungen über Medikamentengaben. Die dadurch entstehenden Kopierkosten werden dem Patienten in Rechnung gestellt. Ferner muss er auch nicht persönlich Einsicht nehmen. Es genügt, wenn eine Vertauensperson mit dieser Aufgabe betraut wurde.

2. Arzt von der Schweigepflicht entbinden

Im nächsten Schritt muss der Patient den behandelnden Arzt von dessen Schweigepflicht entbinden. Mustervordrucke erhält man bei der Krankenkasse. Erst mit Entbindung von der Schweigepflicht habe Krankenkassen und Gutachter die Möglichkeit, Dokumente und Informationen anzufordern.

3. Gedächtnisprotokoll erstellen

Mit der Erstellung des Gedächtnisprotokolls wird der zeitliche Ablauf der Behandlung ausführlich niedergeschrieben. Dabei sollte das Gedächtnisprotokoll Aufschluss über folgende Fragen geben:

  • Was?
  • Wann?
  • Wo?

Darüber hinaus ist es wichtig, Arztbesuche sowie Zeugen wie zum Beispiel Angehörige oder Zimmernachbarn zu erwähnen. Ferner sollten auch Beschwerden und Schmerzen konkret beschrieben werden.

Unterschiedliche Möglichkeiten das eigene Recht durchzusetzen

Möchte der Patient sein Recht durchsetzen bzw. Schadensersatzansprüche geltend machen, kann er die Unterstützung verschiedener Organisationen in Anspruch nehmen:

Gutachterverfahren der Ärztekammer

Die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen sind dazu da, dass Streitigkeiten außergerichtlich aus der Welt geschafft werden. Wird auf die Mithilfe der Gutachterkommission vertraut, erstellen sie zunächst ein Gutachten, welches Aufschluss darüber gibt, ob die gesundheitliche Beeinträchtigung des Patienten auf einen Behandlungsfehler zurückzuführen ist. Dabei erfolgt das Einschalten der Schlichtungsstellen auf freiwilliger Basis und sollte nicht zum Gegenstand eines Gerichtsverfahrens gemacht werden. Daher dürfen diese Sachverhalte nicht länger als fünf Jahre zurückliegen. Sofern Patient und Arzt mit dem Ausgang der außergerichtlichen Streitschlichtung nicht einverstanden sind, können sie den Rechtsweg eingreifen.

Verfahren der Krankenkassen

Die Krankenkassen können, müssen den Patienten aber nicht bei der Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen behilflich sein. Wird die Durchsetzung angestrebt, erstellt der Medizinische Dienst mithilfe des Patienten ein Gutachten über die Behandlung. Im Anschluss daran bespricht ein Patientenberater das weitere Vorgehen mit dem Versicherten. In einem solchen Fall tritt die Krankenkasse zunächst mit der Berufshaftpflichtversicherung des Arztes in Verhandlung. Erweist sich diese als erfolgreich, erzielt der Patient auch leichter eine außergerichtliche Einigung. Im umgekehrten Fall bleibt dem Patienten nichts übrig, als vors Gericht zu ziehen.

Regelungen für ein Gerichtsverfahren

Der Patient hat nur dann ein Recht auf Schadensersatz, wenn der gesundheitliche Schaden auf den begangenen Behandlungsfehler zurückgeführt werden kann. Somit steht der Patient in der Beweispflicht, den Schaden, die Pflichtverletzung und den Zusammenhang zwischen Pflichtverletzung und den Schaden herzustellen. Für den Fall, dass der Arzt mit Absicht auf die Anwendung bewährter, ärztlicher Verhaltensregeln verzichtet, muss der Kausalitätsbeweis nicht mehr erbracht werden.

Behandlungsfehler verjähren nach 30 Jahren

Grundsätzlich beträgt die Verjährungsfrist drei Jahre. Sie beginnt, sobald der Patient von Einzelheiten erfährt, die auf einen Behandlungsfehler zurückführen. Spätestens mit Vollendung der 30 Jahre gelten auch Schadensersatzansprüche wegen Behandlungsfehlern als verjährt. Selbst wenn der Patient von ihnen wusste oder nicht.

Fazit

Erhärtet sich der Verdacht eines Behandlungsfehlers sollten Patienten nicht ruhig bleiben, sondern auf ihr Recht pochen. Hierbei ist es sinnvoll, sämtliche Untersuchungen und Behandlungsschritte so ausführlich, wie möglich zu dokumentieren. Zur Durchsetzung ihrer Rechte können sie auf die Unterstützung verschiedener Institutionen vertrauen. Ist diese nicht von Erfolg gekrönt, können sie als letzte Instanz das Gericht einschalten.

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