Susie Kahlich: „Ich war überzeugt davon, doppelt so hart arbeiten zu müssen wie Andere“

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Nicole Paulus

Nicole:
Kannst du uns in kurzen eigenen Worten erzählen, wer du bist und was du machst?  

Susie:
Ich bin Susie Kahlich, CEO und Mitbegründerin von SINGE Network, einem Portfoliounternehmen das hybride Live+Tech Lösungen mit Schwerpunkt “Geschlechter­gerechtigkeit und Migration” entwickelt und damit sind wir in einem Markt zu­hause, der von vielen Gründern häufig übersehen wird. Mitbegründerin und COO des Unternehmens ist Rithika Punj und momentan beschäftigen wir uns mit der Realisierung verschiedenster Produkte. Unser erstes Go-to-Market-Produkt ist “Pretty Deadly Self Defense”, ein Kursprogramm für Fitnessstudios, dass das Thema “Selbstverteidigung für Frauen” revolutioniert hat.

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Da diese Interviewserie darauf abzielt, transparente Ratschläge zu geben, starten wir direkt mit dem Wesentlichen – was war einer der größten Misserfolge, den du zu Beginn deiner Karriere hattest? Was war das Ergebnis?  

Susie:
Sich nicht ausreichend zu vernetzen, nicht um Hilfe zu bitten und nicht zu wissen, wie man um Hilfe fragt war ein großer Fehler von mir. Ich weiß, das klingt simpel, ist aber alles oft schwieriger als gedacht. Einen großen Teil des Erfolgs verdankt man Kontakten. Was nicht bedeutet, dass man unbedingt die “richtigen” Leute kennen muss. Ich denke, es geht mehr darum, rauszugehen und sich mit Leuten über die eigene Idee, das eigene Business und die Leidenschaft dahinter auszutauschen. Die Phrase “Du bist, wen du kennst” lässt sich somit auch quantitativ interpretieren und muss nicht von vornherein bedeuten, das es beim Networking schlicht darum geht, neue Bekanntschaften zu machen, die dem Business zuspielen. Von Natur aus bin ich eher schüchtern und oft brauche ich ein bisschen, bis ich mich in einer Gruppe wohlfühle. Sich seine Schüchternheit und Introvertiertheit einzugestehen, ist wichtig, schließlich macht das einen ja aus. Als Gründer muss man seine Schüchternheit jedoch überwinden können und gewillt sein, seine persönliche Komfortzone zu 100 Prozent zu verlassen. Hat man selber kein Netzwerk, gibt es letztlich auch Niemanden, den man um Hilfe bitten kann. Mit “Nicht zu wissen wie man fragt” meine ich nicht, dass man zu stolz ist, eine Frage zu stellen. Vielmehr geht es darum, nicht zu wissen, wie man konkret eine Frage stellt, deren Antwort einen weiterbringt. Meine ersten beiden Projekte musste ich auf Eis legen, weil ich nicht wusste, wie ich meinen Business Plan realisieren sollte oder wer mir dabei helfen könnte. Meine zweite Business-Unternehmung wurde kurz nach dem Launch beinahe übernommen, was dann leider gescheitert ist, weil ich nicht wusste, wie ich die Gespräche fortführen sollte und den Deal damit zum Abschluss bringe. Ganz und gar Gründer sein bedeutet, die Sprache der Wirtschaft, des Wachstums, der Märkte, der Buchführung und der Kapitalanlagen zu erlernen. Nur, wenn man die Wirtschaftssprache spricht, ist man auch in der Lage, sich mit anderen über das Business zu unterhalten und nur so bekommt man auch die Hilfe, die man benötigt, egal ob es das Personal, die Mitbegründer, den technischen Support, das Marketing oder Förderungen betrifft.

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Welcher Ratschlag hat dir geholfen, die schweren Zeiten zu überstehen? 

Susie:
Tatsächlich gibt es da zwei Beispielratschläge die für mich Hand-in-Hand-gehen:

Ratschlag Nr. 1:
Ein junger Berater, den ich mal traf, sagte zu mir, dass die meisten “Business-Modelle auf Hoffnung aufbauen, aber Hoffnung sei kein richtiger Plan”.

Der 2. Ratschlag ist etwas komplexer:
Stell dir vor, du wachst durstig auf, bist aber orientierungslos. In diesem Fall besteht lediglich die Chance, dass du dir irgendwann innerhalb des Tages ein Glas Wasser holst. Wachst du jedoch durstig auf und schmiedest direkt den Plan, in die Küche zu gehen und dir ein Glas Wasser zu holen, reduzierst du das Risiko “es nicht zu tun” bereits um 75 Prozent. Noch besser wäre es aber, wenn du dir vor deinem imaginären Auge dich selbst vorstellst wie du direkt in die Küche gehst, dir ein Glas Wasser einschenkst und es trinkst, denn dann sinkt das Risiko “keine Handlung” auszuführen bereits um 99 Prozent. Mit anderen Worten: Eine Absicht zu haben ist ein guter Anfang, noch besser wäre allerdings ein konkreter Plan und getoppt wir beides von einer Art “Roadmap” von sich selbst – im Sinne von: wo bin ich, was brauche ich und wo will ich hin.

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Gibt es einen Ratschlag, den dir ein Familienmitglied oder Mentor schon früh gegeben hat und den du nicht befolgt hast? Was war die Konsequenz oder das Ergebnis daraus?

Susie:
Mein Vater hat mir einmal geraten, das zu tun, was ich tun möchte und mir keine Gedanken darüber zu machen, was andere Leute über mich denken. Diesem Rat bin ich nicht gefolgt. Stattdessen habe ich Dinge überanalysiert und mir über alles zu viele Gedanken gemacht. Die Art und Weise wie ich mit dem Ratschlag meines Vaters umgegangen bin demonstriert in gewisser Weise meine Neigung zum Grübeln und Überanalysieren: Ich habe Dinge verkompliziert, mir zu viele Sorgen gemacht und war viel zu zögerlich. Die Konsequenz dieses Verhaltens war, dass ich Gelegenheiten verpasst habe, die mir geholfen hätten, mich weiterzuentwickeln. Rückblickend musste ich schmerzlich feststellen, dass die Menschen, vor deren Meinungen ich mich so sehr fürchtete, mich in Wahrheit nicht wirklich interessierten. Mit anderen Worten: Die ganze Gedankenmacherei ist eine reine Zeit- und Energieverschwendung! In Wahrheit ist es nämlich so, dass Niemand wirklich über dich und dein Tun nachdenkt. Abgesehen natürlich von deinem Partner, deinen engsten Freunden und deiner Familie, denn natürlich sollte es deine Liebsten interessieren, was du machst und ob es dir gut geht. Außerhalb dieses Zirkels von Familienmitgliedern und Freunden gibt es – um ehrlich zu sein – aber kaum Jemanden, der dich rund um die Uhr auf dem Schirm hat. Klar, als Gründer sollte es die Leute schon interessieren, was du verkaufst. Ansonsten wird aber niemand andauernd über dich nachdenken, da Jeder einfach zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist. Also mach einfach dein Ding und denk nicht über Andere nach!

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Gibt es etwas an deiner Reise, das du anders machen würdest, wenn du wüsstest, was du jetzt weißt?

Susie:
Ich denke, ich würde versuchen, geduldiger zu sein und mir mehr Zeit zu nehmen, um die wesentlichen Aspekte der Geschäftswelt zu verstehen. Vieles, was ich getan habe, um mein Business aufzubauen und wachsen zu lassen, ist instinktiv geschehen und es stellte sich heraus, dass ich damit den üblichen Weg vieler Gründer vor mir gegangen bin. Versteh’ mich nicht falsch, ich bin froh, in der Lage zu sein, Dinge instinktiv zu bewältigen. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass so einiges auf meiner “Gründerreise” einfacher und weniger holprig verlaufen wäre, wenn ich mir vorab die Zeit genommen hätte, die notwendigen Dinge für ein erfolgreiches Business zu erlernen.

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Was sind einige der größten Hürden, denen du auf deiner Reise begegnet bist – innerliche und äußerliche?

Susie:
Mein Leben war geprägt von vielen Wendungen und Schwierigkeiten: Zum Beispiel habe ich das College nicht beendet, war obdachlos, musste Gewalt erfahren und bin schon mehrmals umgezogen… nun ja, die Liste ist relativ lang. Lass es mich etwas zusammenfassen: Ich habe immer schon eher außerhalb des Mainstreams gelebt und daher wusste ich, dass es für mich nicht leicht werden würde, im Unternehmertum Fuß zu fassen. Mir war daher von Anfang an klar, dass ich besonders viel Engagement aufbringen muss, um ein erfolgreiches Business zu starten. Ich war überzeugt davon, für meinen Erfolg doppelt so hart arbeiten zu müssen wie Andere, was natürlich Unsinn ist. In meiner Vergangenheit hatte ich immer wieder mit massiven Selbstzweifeln zu kämpfen. Man kann sagen, ich litt an einer Art Hochstaplersyndrom, wodurch ich negative Verhaltensmuster entwickelte. Zum Beispiel entschuldigte ich mich sehr oft, spielte Dinge herunter, machte zu lockere Kommentare und versuchte, Aufmerksamkeit von mir abzulenken. Dieses mir antrainierte Verhalten vermittelte dem Kunden einen äußerst negativen Eindruck von mir. Denn so wie ich mich gab wirkte es, als wüsste ich nicht, was ich tue, woran viele Geschäftsverhandlungen letztlich gescheitert sind. Klar kannte ich meinen Wert, aber letztlich war ich nicht in der Lage, meine Fähigkeiten gegenüber Kunden anzuerkennen und zu kommunizieren. Hätte ich diese Verhaltensweise nicht abgelegt, hätte ich auch niemals Erfolge gefeiert. Die größte externe Hürde, die mir auf meinem Schaffensweg begegnet ist, war tatsächlich mein sozioökonomischer Status. Ich bin eine weiße Frau mittleren Alters und man kann sagen, dass mein Aussehen genau zu dem sozioökonomischen Background passt, aus dem ich komme. Ich musste immer wieder schmerzlich feststellen, dass Menschen einen lediglich nach dem Aussehen beurteilen. Daher habe ich als Antwort auf meine Fragen – egal ob sich diese um Kapitalanlagen, Personal oder Business-Beratung drehten – häufig immer die gleiche Antwort erhalten und zwar, dass ich doch nicht wie Jemand “aussehe”, der in diesen Bereichen Hilfe benötigt. Viele Menschen wussten von meiner Herkunft und haben mich daher von vornherein komisch behandelt. Obwohl sie mich nicht kannten, gingen sie davon aus, dass ich faul wäre. Manche gaben mir sogar das Gefühl, als Frau nicht berechtigt zu sein, ein Business zu besitzen. Das Geschlecht spielt im Bereich der Unternehmensgründung leider immer noch eine große Rolle, mit dem Ergebnis, dass weibliche Gründerinnen häufig nicht ernst genommen werden. Auch meine Tätigkeit als Unternehmerin wird oft heruntergespielt und als kleines, süßes Hobby nebenbei abgetan. Es wird schlicht nicht gesehen, dass ich ernsthaft Unternehmensziele verfolge. Hier habe ich erkannt, dass Erfolg nicht unbedingt ein Garant für Anerkennung ist – zumindest wenn man als Frau ein Unternehmen gründet.

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Wie bleibst du trotz Ablehnung motiviert?

Susie:
Ich versuche, Zurückweisungen nicht persönlich zu nehmen und sage mir selbst immer wieder, dass Ablehnungen nun mal zum Leben dazu gehören. Ich habe gelernt, dass Ablehnung nichts negatives ist, sondern vielmehr etwas, für das man dankbar sein kann. Denn Ablehnungen geben uns die Möglichkeit, Dinge gezielt zu hinterfragen und beim nächsten Mal besser zu machen. Ablehnungen haben für mich schlicht weg einen großen Lernfaktor – denn ich erfahre so mehr über meine eigenen Produkte, mein Business an sich, meine Präsentations- und Pitchfähigkeiten, als auch über den Kunden oder die Firma, die mich abgelehnt hat. Neben Ablehnungen, die gut sind, da sie einen persönlich weiterbringen, gibt es auch Ablehnungen, die ohne nachvollziehbaren Grund geschehen. Über solche Ablehnungen ärgere ich mich schon sehr, da diese den Eindruck von reiner Willkür oder gar Schikane vermitteln. In so einem Fall mache ich meinem Ärger erstmal Luft. Nach ein paar Minuten versuche ich dann, alle negativen Gedanken abzuschütteln, damit ich unbekümmert fortfahren kann.

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Was war einer der letzten Misserfolge, die du hattest (entweder persönlich oder beruflich)? Welche Lektion hast du daraus gelernt?

Susie:
Wir haben Pretty Deadly eindeutig zu früh unter dem neuen Geschäftsmodell auf den Markt gebracht. Damals hatten wir zwar bereits Vertragspartner am Start (was bereits Geld gekostet hat), aber noch keine klare Strategie oder ein Team, um loszulegen. Damals bin ich naiv davon ausgegangen, dass “mir alles schon zufliegen wird”, sobald ich mein Business erstmal gestartet habe. Aber es passierte nichts dergleichen… natürlich! Ein weiterer großer Fehler war, dass ich mich nicht selbst um das Marketing von SINGE kümmern wollte, sondern dieses lieber in die Hände einer externen Marketing Agentur legte. Im Grunde ist Marketing-Outsourcing keine schlechte Idee. In meinem Fall jedoch schon, weil ich damals an eine Agentur geraten bin, die mehr ihre eigenen Interessen verfolgt hat als meine. Zurückblickend kann ich sagen, dass dies eine folgenschwere Entscheidung war, die mich viel Zeit, Geld, Energie und natürlich auch Kunden gekostet hat. Besonders was den Verkauf betrifft hatte ich noch großen Lernbedarf. Ich musste feststellen, dass der Verkauf eines Produktes nicht von selbst geschieht, sondern man aktiv Verkaufs­maßnahmen ergreifen muss, um dieses an den Mann zu bringen. Es genügt schlicht nicht, sich auf dem Wissen rund um den Nutzen eines Produktes auszuruhen und zu glauben, dass Jeder sofort den Wert hinter dem Produkt erkennt und käuferisch aktiv wird. Denn so ist es in der Realität keineswegs, was für Gründer oft schwer zu verstehen ist. Als Gründer muss man sich einfach klarmachen, dass andere Menschen das eigene Produkt nicht so kennen wie man selbst. Und wenn Menschen ein Produkt nicht kennen, können sie es auch nicht kaufen. Daher sollte es nach dem Launch die erste Aufgabe des Gründers sein, die eigenen Produkte am Markt bekannt zu machen. Denn nochmal: Einfach nur ein Produkt zu launchen macht es nicht bekannt, dafür muss man andere Maßnahmen ergreifen!

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Welchen Karriereratschlag würdest du deinem jüngeren Ich geben?

Susie:
Verstehe den Rat deines Vaters wortwörtlichen, nicht im übertragenen Sinne. Mach’ langsam und versuche stets, geduldig und gründlich zu sein in dem, was du tust. Identifiziere dich nicht zu stark über deinen Job, denn du hast auch noch andere Stärken die dich ausmachen. Und zu guter letzt: Sei taff! Denn nur wenn man seine Gefühle unter Kontrolle hat ist man auch in der Lage, zu lernen und rationale Entscheidungen zu treffen.

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Glaubst du, eine Frau zu sein, hat dir auf deinem Weg geholfen oder dich eher behindert?

Susie:
Beides trifft zu. Einerseits hat das Frausein meine Reise absolut erschwert. Die männerdominierte Gründerszene gilt nun mal als hartes Pflaster, daher hatte ich es als Frau, die zudem bereits etwas reifer ist, auch nicht leicht, mich dort mit meinem Business zu etablieren. Ich mache immer noch die Erfahrung, dass mein Business von Gründerkollegen als simple Spielerei oder Zeitvertreib abgetan wird. Hier in Deutschland ist mir besonders häufig aufgefallen, dass es Leuten wie beispielsweise Steuerberatern sehr schwer fällt, Frauen als Unternehmerinnen anzuerkennen. Nach Verkaufs-Pitchs bekam ich häufig zu hören, dass ich “verrückt” sei oder dass mein Plan “niemals funktionieren” wird, während männliche Gründerkollegen für nahezu identische Ideen in den Himmel gelobt wurden, obwohl diese über weitaus weniger Expertise verfügten als ich. Ja, diese Geschlechterun­gerechtig-keit ist mir wirklich aufgefallen. Andererseits hat es mir auch sehr oft geholfen, eine Frau zu sein. Denn wie alle Frauen, die Ablehnungen, Herausforderungen und Kündigungen aus oftmals widersprüchlichen Gründen erfahren, bin auch ich sehr kreativ, wenn es darum geht, die geeignetste Lösung für ein Problem zu finden. Meine Mitbegründerin ist ja ebenfalls weiblich und das tollste und wertvollste an unserer Zusammenarbeit ist tatsächlich unser beidiges Interesse an einer klaren Kommunikation. Keine von uns ist darauf aus, Streitigkeiten zu provozieren, stattdessen ist uns eine respektvolle Kommunikation sehr wichtig. Für mich ist es jeden Tag aufs Neue sehr befreiend, mit Jemandem zusammenzuarbeiten, dem eine gute Kommunikation in Form von Diplomatie, Feedback und Kompromissbereitschaft ebenso wichtig ist wie mir. Bei Männern geht Kommunikation ja häufig sachorientierter vonstatten. Als Unternehmerin, die speziell Sicherheits- und Wohlfühlprodukte für Frauen vertreibt, ist es natürlich ebenfalls von Vorteil, eine Frau zu sein. Auf diese Weise kann ich alle Produkte gleich direkt am weiblichen Körper testen und beurteilen, ob es meinen Erwartungen und denen meiner Kundinnen entspricht.

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Gibt es einen konkreten Lebens- oder Business-Ratschlag, den du anderen weiblichen Unternehmerinnen oder Führungskräften geben möchtest?

Susie:
Lass dich niemals von Gatekeepern aufhalten! Innerhalb der Gründerszene gibt es viele Leute, die versuchen werden, dich klein zu halten, indem sie dir den Zugang zu Wissen, Finanzierung und Märkten versperren. Das ist oftmals sehr entmutigend, sollte dich aber nicht von deinem Ziel abbringen. Das witzige an Gatekeepern ist, dass sie nicht zur Seite blicken, weil sie zu sehr damit beschäftigt sind, Leute aus dem System auszuschließen. Mein Tipp daher: Trete einfach zur Seite und gehe voran, bis du dein Ziel erreicht hast.

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Nun zu ein paar lustigen Fragen. Hast du versteckte Talente? Verrat sie uns!

Susie:
Poesie und Malerei. Beidem gebe ich mich nur sehr selten hin, einfach weil ich Stunden bräuchte, um mich diesen einzigartigen Welten wieder zu entziehen.

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Was ist dein Guilty Pleasure oder deine liebste Art, Zeit zu „verschwenden“?

Susie:
Vögel beobachten. Hiermit meine ich nicht die professionelle Vogelbeobachtung, sondern lediglich, dass ich bequem vom Fenster aus Vögel beobachte. Auch das Gärtnern liebe ich total.

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Wenn du dir keine Sorgen um das Geldverdienen oder das Bezahlen von Rechnungen machen müsstest – wie würdest du deine Tage verbringen?

Susie:
Ich würde genau das tun, was ich gerade mache, denn ich liebe einfach, was ich tue! Ich liebe es, mit dem ganzen Team zusammen zu arbeiten, zu tüfteln, zu quatschen und kreative Lösungen für echte Probleme zu finden. Da ich die älteste in unserem Team bin, werde ich vermutlich nicht immer CEO bleiben können, weil mir dann vermutlich irgendwann die Kraft für diese Position fehlen wird. Dass ich meine Position aus alterstechnischen Gründen irgendwann räumen muss, war mir von Anfang an klar. Daher hielt ich es auch für sehr wichtig, dieses Vorhaben von Anfang an in den Gründungsplan zu integrieren. Ich möchte damit erreichen, dass das Team nicht nur auf mich fixiert ist, sondern sich täglich darin übt, selbständig zu arbeiten und Dinge zu entscheiden – unabhängig davon, ob ich noch Teil des Unternehmens bin oder nicht. Das Unternehmen komplett zu verlassen, ist aber ehrlich gesagt nicht mein Ziel. Ich hoffe sehr, dass ich SINGE nach meinem Rücktritt als CEO vielleicht noch als Beraterin erhalten bleibe. Eines weiß ich jedoch ganz gewiss: Meine wohlverdiente Ruhephase im Alter werde ich bewusst verschwenden mit Geschichtenschreiben, Malen und Vogelbeobachtung.

Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Was ist dein Lieblingssong, wenn du einen Schub an Selbstvertrauen brauchst?

Susie:
Das wäre auf jeden Fall „People Got a Lotta Nerve“ von Neko Case.

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Susie Kahlich
Nicole Paulus

Nicole:
Danke Susie und alles Gute für die Zukunft!

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Etwas Neues aufzubauen ist nicht einfach und oft sind es die Geschichten vom Starten und Scheitern von Freunden, Familie oder Mentoren, die am meisten helfen. Aber was, wenn man aus einer einfachen Arbeiterfamilie kommt, einen Migrationshintergrund hat oder einfach aus weniger privilegierten Verhältnissen stammt? Woher bekommt man einen guten Ratschlag aus echter Erfahrung? Dank unserer mutigen Gäste, bringen wir mit Transparent Voices Tabuthemen auf den Tisch und wollen damit der aufstrebenden Generation von Gründer:Innen, Change-Makers, und Überflieger:Innen Mut machen.

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