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Axa-Kündigungen: “Dem Versicherer fehlt jegliche Sensibilisierung für das Thema”

Die Axa plant, etwa 17.500 Verträge ihrer sogenannten Unfall-Kombirente zu kündigen, sollten sich die betroffenen Kunden nicht für ein anderes Axa-Produkt entscheiden. Rechtsanwalt Dr. Knut Pilz erklärt im Interview, ob ein Versicherer dieses überhaupt darf und was betroffene Axa-Kunden tun können.

- Interview von Leοn Κnigge

tb.de: Ist die Axa da ein Ausnahmefall oder ist das gängige Praxis in der Branche?

Pilz: Es gibt am Markt einige spezialisierte Anbieter für derartige Produkte. Kündigungen von anderen Versicherern sind mir bisher nicht bekannt. Von einer gängigen Praxis in der Branche kann jedenfalls derzeit nicht gesprochen werden. Allerdings ist nicht auszuschließen, dass der Fall der AXA „Schule machen wird“.

tb.de: Gibt es derzeit vergleichbare Produkte auf dem Markt, bei denen es ähnlich laufen könnte wie bei der Unfall-Kombirente der Axa?

Pilz: Einige Anbieter, die vergleichbare Versicherungsverträge anbieten, haben – jedenfalls zum Teil – ein Kündigungsrecht durch den Versicherer in den Versicherungsbedingungen zugunsten der Versicherungsnehmer ausgeschlossen. Damit ist klargestellt, dass derartige Verträge nicht gekündigt werden können.

tb.de: Gerade für Berufstätige, die in körperlich fordernden Berufen tätig sind, ist es kaum bis überhaupt nicht möglich, eine leistungsstarke Berufsunfähigkeitsversicherung abzuschließen. Eine Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung ist also erst einmal begrüßenswert. Zeigt dieser Fall nicht aber, dass sich der Umweg über eine Unfallversicherung für wenigstens eine der beiden Seiten – entweder Versicherungsgeber oder -nehmer – nicht lohnt?

Pilz: Im Grundsatz ist es sinnvoll, für Versicherungsnehmer nach Alternativen zu suchen, wenn sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung nicht (mehr) abschließen können. Neben den funktionellen Invaliditätspolicen kommen etwa Versicherungsverträge für schwere Krankheiten (sog. Dread-Disease-Versicherung) in Betracht. Allerdings macht das ganze nur dann einen Sinn, wenn sichergestellt ist, dass der Versicherer sich nicht wenige Jahre später vom Vertrag mittels Kündigung löst. Im Übrigen kann der Versicherer steigende Kosten auch mittels einer Prämienanpassung, welche vertraglich vereinbart sein muss, „auffangen“.

tb.de: Was können Axa-Kunden tun, denen die Unfall-Kombirente gekündigt wurde? In vielen Fällen dürfte eine klassische BU schließlich keine Alternative sein. Die Verbraucherzentrale Hamburg rät Betroffenen, sich zu wehren.

Pilz: Der Abschluss einer Ersatzversicherung dürfte für die wenigsten Versicherungsnehmer praktisch infrage kommen. Entweder ist diese aufgrund des mittlerweile höheren Eintrittsalters oder etwaiger Vorerkrankungen unwirtschaftlich oder die Versicherungsnehmer erhalten überhaupt keine adäquaten Policen.

Vor diesem Hintergrund raten wir Versicherungsnehmern dazu, feststellen zu lassen, dass die Kündigung ihres Vertrages unwirksam war. Zudem können Schadensersatzansprüche der Versicherungsnehmer bestehen.

tb.de: Gibt es betroffene Axa-Kunden, die sich an Sie gewandt haben? Welche Schritte werden Sie einleiten?

Pilz: Wir haben zu dieser Thematik mittlerweile einige Anfragen und prüfen aktuell die Rechtslage intensiv. Wenn die Prüfung abgeschlossen ist, werden wir auf den Versicherer zugehen. Wenn dieser nicht einlenkt, werden wir sehr wahrscheinlich den Klageweg beschreiten und die Frage der Kündbarkeit der Verträge gerichtlich klären lassen.


Wenn Sie vom aktuellen Fall betroffen sind und Hilfe benötigen oder eine anderweitige juristische Beratung von Herrn Dr. Knut Pilz wünschen, nutzen Sie bitte das nachfolgende Kontaktformular. Die Anfragen werden an die Kanzlei von Dr. Pilz  weitergeleitet.

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Dieser Artikel wurde zuletzt am 02.05.2019 aktualisiert.
Über den Autor
Leοn Κnigge
Leon Knigge
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