Übernachtungsportale: Private Vermieter riskieren ihren Versicherungs­schutz!

Foto von Munkhjin Enkhsaikhan
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Auch Kurzzeit-Vermietungen sind nicht unproblematisch: Bei 31 Versicherern haben wir nachgefragt, was mit dem Versicherungs­schutz passiert, wenn man die eigenen vier Wände privat vermietet.

  • Hausrat-, Rechts­schutz- und Gebäude­versicherungen verlieren z. T. ihren Versicherungs­schutz, wenn private Wohnräume an Fremde vermietet werden – selbst bei kurzer Vermietungsdauer
  • Versicherungsunternehmen stufen auch private Vermietungen oft als gewerbliche Nutzung ein, so das Ergebnis einer Umfrage von www.transparent-beraten.de
  • Der Versicherungs­schutz bleibt mitunter nur bestehen, wenn die Wohnung als Ferienwohnung versichert wurde

Ein paar Euro extra in der Haushaltskasse, wenn die eigenen vier Wände nicht selbst genutzt werden – Über zahlreiche Online-Vermittlungsplattformen können Wohnungseigentümer und -mieter ihre möblierten Räume für ein paar Tage Urlaubern oder Geschäftsreisenden zur Verfügung stellen. Besonders in Großstädten wie Berlin, Hamburg, Köln und München boomt die private Kurzzeit­vermietung.

Im vergangenen Jahr hat allein der Marktführer unter den Übernachtungsportalen rund 100.000 Unterkünfte vermittelt (Quelle: statista.de). Was viele private Unterkunft-Anbieter allerdings nicht wissen: Werden Räume gegen Entgelt zur Verfügung gestellt, erlischt in einigen Fällen der Versicherungs­schutz. In erster Linie betrifft dieses die Hausrat-, die Rechts­schutz- und die Gebäude­versicherung.

Deutliche Unterschiede

Bei 31 deutschen Versicherern haben wir nachgefragt, in welchen Fällen private Vermieter ihren Versicherungs­schutz durch die Vermietung aufs Spiel setzen. Neben der Hausrat­versicherung wurde zugleich der Versicherungs­schutz der Rechts­schutz­versicherung und der Gebäude­versicherung abgefragt.

Experten-Meinung:

“Gleich sechs der 12 Hausrat­versicherungs-Anbieter, von denen wir eine Antwort erhalten haben, schließen einen Versicherungs­schutz bei einer nicht gewerblichen Vermietung kategorisch aus”, erklärt Alexander Vorgerd, Versicherungsexperte bei www.transparent-beraten.de. “Bei den Rechts­schutz- und Gebäude­versicherungen sah es ähnlich aus: Fünf Rechts­schutz­versicherungen und vier Gebäude­versicherungen lehnen eine Schadensregulierung bei einer Vermietung ab.”

Der am häufigsten genannte Grund für eine Ablehnung war die Unterstellung einer gewerblichen Nutzung, die bei einer privat abgeschlossenen Versicherung nicht abgesichert ist. “Dass die eigene Wohnung womöglich nur für ein paar Tage im Jahr an Dritte vermietet wird, spielt dabei keine Rolle”, so Vorgerd.

Hintertür für „Kurzzeitvermieter“

Die meisten Versicherungen, die dennoch bei einer Kurzzeit­vermietung einen Schaden regulieren, tun dies nur, wenn die private Nutzung zweifelsfrei im Vordergrund steht. “Wer seine Wohnung lediglich vier oder fünfmal pro Jahr zur Verfügung stellt, dürfte keine Probleme haben”, erklärt Vorgerd. Steht die Wohnung allerdings außerhalb der Vermietungszeiträume leer, können die Versicherungen den Einzelfall vermutlich anders bewerten.

Einer der befragten Anbieter, der die Kostenübernahme bei einem Hausrat-Schadensfall grundsätzlich ablehnt, ließ zumindest für langjährige Bestandskunden ein Hintertürchen offen. Bei einer “umfassenden Kundenverbindung”, so der zuständige Sachbearbeiter, bei der zumindest in den letzten 5 Jahren kein Schaden reguliert werden musste, könne der Einzelfall noch einmal geprüft werden.

Über die Umfrage:

Für die Umfrage haben wir im März 2018 insgesamt 31 Versicherungsunternehmen kontaktiert, die zumindest eine der drei genannten Versicherungen anbieten. Eine Antwort übermittelten 16 Versicherungen.

Die aktuelle Pressemitteilung sowie frühere Meldungen finden Sie hier.