Versicherungsfall Rückrufaktion: Fipronil-Eier in ganz Deutschland vermutet

Offenbar ist die Zahl der mit dem Biozid Fipronil kontaminierten Eier in Deutschland weit größer als anfänglich angenommen. Erste Legehennenbetriebe mussten geschlossen werden. Landwirte können sich gegen Verluste mit speziellen Agrarversicherungen absichern.

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Bundesweite Fipronilbelastung von Hühnereiern

Eier sind neuesten Lebensmittelwarnungen der Bundesregierung zufolge möglicherweise in allen 16 Bundesländern belastet. Weil der Vertriebsweg der kontaminierten Eier derzeit noch mit Hochdruck untersucht wird, konnte bislang nur in einzelnen Bundesländern eine Belastung bestätigt werden.

Nachdem der letzte Fall verseuchter Eier auf Spuren des hochgiftigen Dioxin zurückzuführen war, handelt es sich dieses Mal um Rückstände von Fipronil. Der Stoff wird eigentlich bei Hunden und Katzen als Anti-Läusemittel eingesetzt. Legehennenbetriebe in Niedersachsen stehen derzeit unter dem Verdacht, ihre Ställe mit einem fipronilhaltigen Mittel desinfiziert zu haben. Ihre Betriebe mussten geschlossen werden. (DLF vom 03.08.2017)

Verbrauchertipp: Lebensmittelwarnungen
Verbraucher können sich jederzeit über offizielle Warnungen zu belasteten Lebensmitteln informieren. Dazu betreiben die zuständigen Stellen der Bundesländer zusammen mit dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ein Online-Portal.

Dort finden sich nicht nur behördliche Warnhinweise, sondern auch Informationen von den Lebensmittelunternehmen selbst. Den Konsumenten wird jede Warnung genauer erläutert. Kontaktadressen der zuständigen Behörden und Handlungsanweisungen sollen helfen, Schäden durch belastete Lebensmittel zu vermeiden.

Neueste Warnungen auf lebensmittelwarnung.de

Rückrufaktionen und Ertragsausfall: Welche Versicherung zahlt?

Discountläden und Supermärkte in ganz Deutschland reagierten nach dem Bekanntwerden des aktuellsten Eier-Skandals umgehend. Für alle unter Verdacht stehenden Legehennenbetriebe wurde der Verkauf von Eiern gestoppt. Die Rücknahme von bereits gekauften Eiern wird gewährleistet.

Den Unternehmen und Betrieben entsteht mitunter ein signifikanter Schaden. Wer seinen Betrieb wegen des Verdachts auf Fipronilverseuchung schließen muss, dem gehen Einnahmen – und sein Ruf als Produzent – verloren.

Alexander Vorgerd
Das sagt Experte Alexander Vorgerd:

» Landwirtschaftliche Betriebe sollten sich einen möglichen Verlust absichern. Hierzu gibt es spezielle Agrarversicherungen. Schon die Stilllegung einzelner Bereiche führt zum Anspruch auf Leistungen. Weil jeder Produktionsbetrieb eigene Anforderungen an den Versicherungsschutz stellt, bedarf es einer individuellen Beratung.«

Entwarnung vom BfR

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beantwortet auf seiner Internetseite die häufigsten Fragen zu Fipronilgehalten in tierischen Lebensmitteln. Demnach könne ein Erwachsener bei einem Körpergewicht von 65 kg noch 7 Eier am Tag essen, ohne den gesundheitlichen Richtwert zu überschreiten. Nur bei Kindern und Kleinkindern sollte man darauf achten, dass sie nicht mehr als 1 Ei am Tag zu sich nehmen. (Quelle)

Diese Entwarnung der Experten vom BfR dürfte einer möglichen Panikmache den Wind aus den Segeln nehmen. Folgt man der Einschätzung, dann besteht keinerlei Gefahr für die Bevölkerung. An der Aufklärung des Falls wird weiterhin gearbeitet, damit es in Zukunft nicht zu wirklichen Gesundheitsrisiken für die Verbraucher kommt. Wer sich weiterhin unsicher fühlt, kann anhand der öffentlichen Code-Listen seine gekauften Eier abgleichen und sich den Kaufpreis vom Händler erstatten lassen.

Hintergrund: Fokus auf Fipronil im Bio-Reiniger

Das giftige Fipronil wird gegen den Befall von Flöhen, Milben oder Zecken eingesetzt. Verboten ist sein Einsatz bei Tieren, die Lebensmittel liefern. Bei den noch anlaufenden Ermittlung steht derzeit ein Reinigungsmittel im Fokus, das vermutlich unerlaubt mit Fipronil versetzt worden war.

Sollte sich dieser Verdacht bestätigen, wären die Legehennenbetriebe selbst Opfer betrügerischer Hersteller ihrer Reinigungsmittel. Am Ende könnten Klageverfahren der betroffenen Betriebe gegen die Hersteller vermeintlicher Bio-Reiniger angestrengt werden. Für diesen Fall hilft der rechtzeitige Abschluss einer Rechtsschutzversicherung.