Kurzzeit-Policen: Sinnvolle Innovation oder mangelhafter Überfluss?

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Ob für den Besuch des Fußballstadions, die Probefahrt beim Autokauf oder eine spontane Reise, sogenannte Kurzzeit-Policen werden heutzutage für nahezu jede Lebenslage angeboten. Schnell und einfach sind die Mini-Versicherungen per App oder über das Internet buchbar und kosten dabei zunächst nur wenig Geld. Doch wie gut ist der Versicherungsnehmer tatsächlich geschützt? Was leisten die Policen wirklich?

Schnell und günstig muss es sein

Wer gerne flexibel und mobil unterwegs ist und dabei nicht auf den benötigten Versicherungsschutz verzichten möchte, hat die Möglichkeit für diverse Situationen eine Kurzzeit-Police zu buchen und damit einen sofort wirksamen Vertrag abzuschließen. Die Buchung funktioniert schnell und einfach: Die entsprechende App wird heruntergeladen, der gewünschte Schutz wird ausgewählt und anschließend per Bestätigungsmail aktiviert. Die Zeitdauer ist individuell festlegbar und kann zum Beispiel auch nur einen Tag betragen.

Die wichtigsten Vorteile im Überblick

  • schnell und einfach buchbar (per App)
  • individuell festlegbare Laufzeit
  • sofortiger Versicherungsschutz
  • niedrige Kosten
  • keine Kündigungsfrist

Mangelhafter Leistungsumfang mit Einschränkungen

Doch der zunächst durchweg positive Schein täuscht. Vor allem Verbraucherschützer kritisieren das Angebot der Mini-Versicherungen und warnen vor mangelhaften Leistungen und einer trügerischen Sicherheit. Wer für eine Wintersport­versicherung beispielsweise 2,90 Euro bezahlt, erhält bei Vollinvalidität 50.000 Euro, benötigt jedoch mindestens 400.000 Euro. Auch der 48-Stunden-Unfallschutz wird vom Bund der Versicherten kritisiert. Dieser enthält zwar das Krankenhaustagegeld, schützt jedoch nicht bei Invalidität. Häufig gelten zudem weitere Einschränkungen, so zum Beispiel auch beim Stadionschutz. Unfälle, die unter Alkoholeinfluss Zustande kommen, sind nicht im Versicherungsschutz enthalten. Das gilt auch dann, wenn der Betroffene nur ein einziges Bier getrunken hat.

Niedrige Preise täuschen

Auch in Bezug auf die Kosten kommen Verbraucher nicht unbedingt günstiger davon, wenn sie eine Kurzzeit-Police buchen. Besonders dann, wenn der Versicherungsschutz mehrmals im Jahr benötigt und abgeschlossen wird, fallen die hochgerechneten Kosten oft genauso hoch aus, wie beim Abschluss einer Jahrespolice und das obwohl der Leistungsumfang der Mini-Versicherungen deutlich geringer ist.

Überflüssiger Zusatz: der Kita-Ausflugs-Schutz

Der Kita-Ausflugs-Schutz zeigt, dass Kurzzeit-Policen sogar vollkommen überflüssig sein können. Für Eltern gibt es nichts Wichtigeres als ihre Kinder umfassend zu schützen. Bei Ausflügen mit der Kindergartengruppe, zum Beispiel zum Abenteuerspielplatz, besteht natürlich auch ein Verletzungsrisiko. Der Abschluss einer zusätzlichen Mini-Versicherung ist jedoch unnötig, da das Kind bei Ausflügen bereits gesetzlich bzw. über den Veranstalter versichert ist. Wer sein Kind dennoch zusätzlich schützen möchte, kann eine Kinder-Unfall-Versicherung oder Invaliditäts­versicherung abschließen.

Schwerwiegende Nachteile

  • (zu) geringer Leistungsumfang
  • teilweise überflüssiger Zusatzschutz
  • langfristig gesehen hohe Kosten

Übersicht zu häufig gebuchten Kurzzeit-Policen und ihren Leistungen

Kurzzeit-PoliceWas ist versichert?KostenVersicherungssumme
StadionschutzUnfälle im Stadion oder bei An- und Abreise1,59 € pro Stadionbesuch10.000 € im Todesfall, max. 50.000 € bei Invalidität
Probefahrt-PoliceHaftpflicht- und Kaskoschäden bei Probefahrten, egal ob beim Autohaus oder einer Privatperson4,99 € pro FahrtÜbernahme der Selbstbeteiligung bis max. 1.000 €
Wiesn-SchutzUnfälle während des Oktoberfestes5,99 € pro Tag10.000 € im Todesfall, max. 50.000 € bei Vollinvalidität

Fazit

Als kurzfristige Notfalllösung kann der Abschluss einer Kurzzeit-Police durchaus sinnvoll sein, jedoch sollte diese kein Ersatz für eine klassische Versicherung sein. Trotz der zunächst höher scheinenden Kosten, lohnt sich eine Jahrespolice, aufgrund des weitaus umfassenderen Leistungsangebotes, auf Dauer mehr. Im Ernstfall lassen sich so böse Überraschungen vermeiden.