Transparent-Beraten logo
ic_local_phone_black_24px Created with Sketch.
sandwich Created with Sketch.
Wir versichern Sie gern!

Unsere Berater freuen sich von Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr (oder nach Vereinbarung) auf Ihre Fragen.

030 – 120 82 82 8 kontakt@transparent-beraten.de
Zweigstellen

Flugabbruch wegen Dünnpfiff: Ein Fall für die Versicherung?

Es waren wohl wenig dramatische Szenen, die sich am Wochenende in einer British Airways-Maschine abgespielt haben. Und dennoch kehrte der Pilot aus – wie er selber sagte – Gründen der Gesundheit und Sicherheit aller an den Startflughafen London zurück. Dass es dabei nicht um Leib und Leben, nicht um einen Herzinfarkt oder Terrorgefahr ging, sei schon einmal gesagt. Noch nicht einmal ein Kind wurde über den Wolken geboren. Was also war los?

„Flüssiges Fäkalexkrement“

Nachdem die Boeing 747 von Heathrow aus zu ihrem 7-stündige Flug nach Dubai gestartet war, kam es schon nach einer halben Stunde zu einem ernsten Zwischenfall. Passagier Abhishek Sachdev, Tory-Stadtrat von Hertsmere, berichtete dem „Telegraph“: „Der Pilot verlangte über die Sprechanlage nach erfahrenen Flugbegleitern, und wir wussten, dass etwas Seltsames im Gange war.“ Es ist davon auszugehen, dass diese Nachricht die Passagiere nicht gerade beruhigt hat.

Etwa 10 Minuten später, so Sachdev weiter, habe sich der Kapitän erneut an die Reisenden gewendet, diesmal mit der Ansage: „Sie haben vielleicht bemerkt, dass aus einer der Toiletten ein durchdringender Geruch kommt.“ In diesem Zusammenhang sei dann auch das Wort „flüssiges Fäkalexkrement“ gebraucht worden. Da Sachdev selbst nicht neben diesem Klo saß, hat er die Dramatik der Situation wohl nicht unmittelbar mitbekommen.

Außer Kontrolle

Die Crew hat die Toilettensituation zwar analysiert, war aber nicht in der Lage, das Klo-Problem in den Griff zu bekommen. Für die im Abortbereich sitzenden Passagiere eine schwere Belastung, die den Piloten zu der Entscheidung brachte, bei Brüssel kurzerhand umzudrehen und wieder nach London-Heathrow zurückzukehren. Sicher kein einfacher Entschluss – gerade auch im Hinblick auf Passagiere, die nicht vom Klogeruch betroffen waren.

Stadtrat Sachdev jedenfalls war sauer. Er twitterte: „Verrückt! Unser Flug nach Dubai kehrte wegen eines stinkenden Haufens in der Toilette nach Heathrow zurück! 15 Stunden bis zum nächsten Flug!“ Zunächst wurde den Passagieren gesagt, es solle in drei Stunden weitergehen – daraus wurden ganze 15 Stunden. Die Fluglinie entschuldigte sich bei ihnen und stellte Essen und Hotelzimmer zur Verfügung. „Wir entschuldigen uns für das Unbehagen unserer Kunden“, so British Airways.

Ab 3 Stunden Verspätung muss gezahlt werden
Wenn der Flieger zu spät ist oder der Flug komplett gestrichen wird, können Passagiere sich auf das EU-Fluggastrecht berufen. Bei mehr als drei Stunden Verspätung am Ziel besteht ein Anspruch auf eine Entschädigung zwischen 250 und 600 Euro – je nach Flugstrecke. Aber auch nur, wenn die Fluggesellschaft selbst für die Verzögerung verantwortlich ist.

Im Fall einer Verspätung muss sie sich zudem um die Verpflegung der Passagiere kümmern und ihnen Kommunikationsmittel wie Telefon und Internetzugang zur Verfügung stellen. Startet der Ersatzflug erst am nächsten Tag, muss auch das Hotelzimmer bezahlt werden. Diese Leistungen hängen anders als die Entschädigungen nicht davon ab, ob das Unternehmen selbst für die Situation verantwortlich ist.

Mitschuld ist erforderlich

Entschädigungen bekommen Kunden nur, wenn nachweisbar ist, dass der Anbieter für die Verspätung selbst verantwortlich ist. Das schließt Abweichungen vom Flugplan aufgrund von schlechten Wetterbedingungen und Streiks von der Entschädigungspflicht aus. Höhere Gewalt ist in diesen Fällen im Spiel, wie beim isländischen Vulkan Eyjafjallajökull, der den Flugverkehr durch seine Aschewolke massiv durcheinanderbrachte. Kann dem Flugunternehmen allerdings eine Mitschuld nachgewiesen werden, beispielsweise weil ein Flugzeug nicht schnell genug enteist wurde, dann besteht die Möglichkeit einer Entschädigung. Die müssen die Passagiere allerdings auch einfordern.

Auch Fluggesellschaften sind versichert

Fluganbieter versichern viele Risiken, bei denen es häufig um sehr hohe Summen geht. Einer der großen internationalen Luftfahrtversicherer, die Allianz, bietet Unternehmen der Luftfahrbranche beispielsweise Kaskoschutz für physische Schäden und Haftpflichtschutz für Passagier- und Frachtfluggesellschaften. Abgedeckt wird das gesamte Spektrum: Von einzelnen Flugzeugen bis zu großen internationalen Fluggesellschaften.

Kommt es zum Crash, kommen enorme Summen auf den Versicherer zu. Die Allianz ist beispielsweise der führende Rückversicherer für den Unglücksflug QZ8501 der Air Asia. Das Unternehmen versicherte den Flug sowohl Kasko als auch Haftpflicht. Aber auch durch Entschädigungszahlungen wegen Verspätungen und Flugabsagen können enorme Kosten entstehen, die durch einen Versicherer abgedeckt werden können.

Flugabbruch: Es kann einiges passieren

Dass Verspätungen sehr verschiedene Ursachen haben können, zeigt nicht nur das Geruchs-Problem auf dem British Airways-Flug. Im Februar 2015 hat ein Pilot der Air France den Flug von New York nach Paris mit einem Mega-Airbus A380 im nordenglischen Manchester abgebrochen, weil seine maximal zulässige Arbeitszeit von 11 Stunden bereits um zwei Stunden überschritten war. Mit einiger Verzögerung mussten die Passagiere mit drei kleineren Flugzeugen ihre Reise fortsetzen.

Im Dezember 2014 sorgte die Tochter des Chefs der südkoreanischen Fluggesellschaft Korean Air dafür, dass eine Maschine erst mit 20 Minuten Verspätung abhob. Eine Stewardess hatte ihr vor dem Start in New York Macadamianüsse angeboten, was zu einem Wutanfall über die ungefragt gereichten Knabbernüsse führte. Die Tochter, selbst Managerin in Papa’s Unternehmen, ließ daraufhin die Chefin des Kabinenpersonals von Bord werfen. Anschließend konnte die Maschine Richtung Seoul vom JFK-Flughafen abheben.

Verstopftes Klo als höhere Gewalt?

Und wie sieht es beim Flugabbruch wegen unaushaltbarem Geruch aus? Was ist, wenn Sicherheit und Gesundheit der Passagiere durch eine verstopfte Toilette, aus der stoßweise eine Mischung aus stinkigem Dünnpfiff und Wasser schwappt, gefährdet werden? Wer ist schuld? Die Fluggesellschaft, weil sie das Kabinenpersonal nicht mit einem leistungsfähigen Pömpel ausgestattet hat, oder die Natur, die den Darm des Passagiers aufgeladen hat, wie eine schwarze Unwetterwolke?

Fragen, die sicher eine Rolle spielen werden, wenn es um die Ansprüche auf Entschädigung für die Passagiere der British Airways-Maschine geht. Die Fluggesellschaft macht schon einmal deutlich, dass ihre geruchsgeschädigten Kunden sich doch lieber woanders nach einer Entschädigung umgucken sollten. Stadtrat Sachdev berichtet, das Unternehmen behaupte, das Personal sei nicht vorbereitet gewesen, und habe den Passagieren geraten, für Entschädigungen die staatliche Civil Aviation Authority zu kontaktieren.

Dieser Artikel wurde zuletzt am 15.08.2017 aktualisiert.
Über den Autor
Claudia Täubner
Claudia Täubner
mehr erfahren
Newsletter - Wir halten Sie auf dem Laufenden!
Unser Newsletter versorgt Sie mit Infos rund um das Thema Versicherungen.
Sie können sich jederzeit abmelden, indem Sie auf den Link in der Fußzeile unserer E-Mails klicken. Informationen zu unseren Datenschutzpraktiken finden Sie auf unserer Website. Wir nutzen Mailchimp als Newsletter-Platform, indem Sie abonnieren, stimmen Sie zu, dass wir Ihre Daten zur verarbeitung an Mailchimp senden.
ein Service von
transparent-beraten.de
star Created with Sketch. star Created with Sketch. star Created with Sketch. star Created with Sketch. star Created with Sketch.